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StartseiteInformationen am MorgenTrump sucht nach neuem Stabschef 11.12.2018

Weißes HausTrump sucht nach neuem Stabschef

Er wäre Donald Trumps Wunschkandidat gewesen, doch Nick Ayers will nicht neuer Stabschef des US-Präsidenten werden. Die Suche nach einem Nachfolger für den entlassenen John Kelly geht weiter - und die Nervosität in Washington steigt spürbar.

Von Thilo Kößler

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Der US-Präsident Donald J. Trump beantwortet Fragen der Presse - vor dem Weißen Haus.  (dpa / picture alliance / Olivier Douliery)
Die Entlassung seines Stabschefs entwickelt sich für Präsident Trump zu einer personalpolitischen Belastungsprobe (dpa / picture alliance / Olivier Douliery)
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Donald Trump wollte sich niemals mit zweit-, dritt- oder viertklassigem Personal zufriedengeben. Die Besten waren ihm gerade gut genug. Die Besten weltweit, versteht sich.

Doch Donald Trump hat kein gutes Händchen beim Personal. Und das Personal hat kein Glück mit seinem Chef. 62 Prozent seiner ursprünglichen Belegschaft im Kabinett oder im Weißen Haus, so errechneten Statistiker, haben entweder vorzeitig gekündigt oder sie wurden entlassen - die Namen addieren sich mittlerweile zu einer beeindruckenden Liste.

Der jüngste Rausschmiss droht jetzt indes zu einer personalpolitischen Hängepartie und Belastungsprobe zu werden. Im Glauben, im Handumdrehen einen einsatzfähigen Ersatz präsentieren zu können, entließ Donald Trump am Wochenende seinen Stabschef John Kelly: eine Schlüsselposition für die Arbeit des Präsidenten und des gesamten Weißen Hauses. Seinen Versprecher, Kelly werde in den Ruhestand geschickt, korrigierte Trump sofort - Kelly werde das Weiße Haus zum Jahresende verlassen, sagte Trump.

Tiefer Graben zwischen Trump und Kelly

Trump soll sich in den vergangenen Wochen und Monaten komplett mit seinem Stabschef überworfen haben - angeblich haben die beiden am Ende gar nicht mehr miteinander geredet. Wie tief der Graben zwischen ihnen war, offenbarte Bob Woodward in seinem Buch "Furcht": Dort zitierte er Kelly mit den Worten, Trump sei ein "Idiot", der das Weiße Haus führe wie ein Narrenhaus. Indes dürften auch Ivanka Trump und Schwiegersohn Jared Kushner Stimmung gegen Kelly gemacht haben: Sie wollten sich von dem Stabschef ihres Familienoberhauptes nicht länger vorschreiben lassen, wann sie ins Oval Office vorgelassen werden.

Zum personalpolitischen Desaster geriet nun die erhoffte Nominierung des designierten Nachfolgers: Nick Ayers, 36 Jahre alt, derzeit Stabschef bei Vizepräsident Mike Pence, gab Donald Trump einen Korb - er wollte den Job nur für eine gewisse Übergangszeit machen. Trump wollte den Posten zuverlässig bis zu den nächsten Wahlen im November 2020 besetzen. Nun verlässt auch Ayers das Weiße Haus. Der einflussreiche Senator Marco Rubio aus Florida äußerte sein Bedauern über den Rausschmiss Kellys. Er erklärte, nun hänge alles von einer guten Nachfolgeregelung ab.

Wenig Interesse an einem Platz auf dem Schleudersitz

Angeblich hat der Präsident vier Kandidaten im Auge - wobei ihm bereits bewusst geworden sein muss, dass der Stuhl des Stabschefs im Vorzimmer des Präsidenten offenbar als ziemlich unattraktiver Schleudersitz gilt: Finanzminister Mnuchin soll bereits abgewinkt haben. Desgleichen Trumps Handelsbeauftragter Robert Lighthizer. In der Tat kommt auf den Nachfolger ein Himmelfahrtskommando zu: Der künftige Stabschef soll Trump mit sicherer Hand durch seinen Zweifronten-Krieg führen. Auf der einen Seite soll er Trump vor den Angriffen der neuen demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus schützen. Auf der anderen Seite seinen Wahlkampf mit vorbereiten. So oder so: Es geht um Trumps politisches Überleben.

So ist die Nervosität zu erklären, die die Arbeit im Weißen Haus zu einer Art "betreutem Regieren" macht, wie Mitarbeiter bereits ätzten. Angeblich hat Chris Christie, der schwergewichtige Ex-Gouverneur von New Jersey gute Chancen. Aber auch Mark Meadows vom rechten Rand der Republikaner kann sich Hoffnungen machen - es könnte sein, dass sich für ihn jetzt auszahlt, den Präsidenten in der Öffentlichkeit stets mit Lob überschüttet zu haben.

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