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Welt-Aids-Tag"Das Gesellschaftsbild ist viel liberaler geworden"

Aids-Schleife (dpa/picture-alliance/Oliver Berg)
(dpa/picture-alliance/Oliver Berg)

Die Konfrontation mit dem HI-Virus hat nach Ansicht des HIV-Spezialisten Hartl sowohl die Medizin als auch die Gesellschaft verändert.

Damals wie heute gebe es Diskriminierung, sagte der Mediziner "Zeit Online". Das Gesellschaftsbild aber sei heute im Vergleich zu den 1980er Jahren viel liberaler geworden. Damals sei - auch durch Äußerungen wie die des früheren CSU-Vize Gauweiler - eine offene Diskussion über Homosexualität und Schwulsein angestoßen worden. Gauweiler hatte zu Beginn der HIV-Epidemie gefordert, Homosexuelle und Prostituierte zwangszumelden.

HIV-Infizierte stehen heute mitten im Leben

Anders als damals sei eine Infektion mit dem HI-Virus heute gut zu behandeln. Dank einer heute noch angewandten Kombinationstherapie, die Mitte der 1990er Jahre entwickelt wurde, sehe er heute Mittzwanziger in seiner Praxis, die alle halbe Jahre für ein Rezept in seine Praxis kämen und sonst mitten im Leben stünden, erklärte Hartl. HIV habe auch die Medizin beeinflusst, weil Betroffene für sich Verantwortung übernommen hätten und für ihre Rechte eingetreten seien. Die jüngste Entwicklung in der Medizin, sogenannte Präexpositionspräparate, die einer Ansteckung vorbeugen sollen, bezeichnete der HIV-Spezialist als "kleine Revolution" für alle Risikogruppen. In Deutschland und allen weiteren Ländern, in denen sie eingesetzt würden, sinke die Zahl der Neuinfektionen.

Im vergangenen Jahr haben sich nach einer Erhebung des Robert-Koch-Instituts 2.400 Menschen in Deutschland neu mit HIV infiziert. Die Rate der Neuinfektionen ist damit weiter zurückgegangen. Die Zahl derer, die in der Bundesrepublik mit einer HIV-Infektion leben, lag demnach bei rund 87.000 - inklusive einer geschätzten Dunkelziffer von mehr als 10.000.