Mittwoch, 05.08.2020
 
Seit 10:30 Uhr Nachrichten
StartseiteSport am WochenendeStellvertreter gehen Präsident Thomas Weikert an16.05.2020

Welt-TischtennisverbandStellvertreter gehen Präsident Thomas Weikert an

Im Welt-Tischtennis-Verband ITTF sorgte in den vergangenen Tagen eine E-Mail des schwedischen Verbands (SBTF) für Unruhe. Inhalt waren diverse Vorwürfe gegen den deutschen Weltverbands-Präsidenten Thomas Weikert und der Aufruf, ihn nicht wieder zu wählen. Dieser wehrt sich und sieht die Vorwürfe haltlos.

Von Jessica Sturmberg

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
180503 ITTF president Thomas Weikert under en presskonferens den 3 maj 2018 i Halmstad. *** 180503 ITTF President Thomas Weikert during a press conference on May 3, 2018 in Halmstad PUBLICATIONxNOTxINxDENxNORxSWExFINxAUT Copyright: CARLxSANDIN BB180503CS005 (imago)
ITTF-Präsident Thomas Weikert steht innerhalb des Verbandsvorstands unter Druck (imago)
Mehr zum Thema

Abbruch der Tischtennis-Saison Shitstorm an der grünen Platte

Absagen wegen des Coronavirus Wie sind Sportveranstaltungen finanziell abgesichert?

Es war ein gemeinsam verfasstes Schreiben des stellvertretenden Präsidenten Khalil Al-Mohannadi aus Katar und der für die Finanzen zuständigen Vizepräsidentin Petra Sörling aus Schweden. Der Inhalt hatte es in sich:

Thomas Weikerts Führungsstil wird darin angezweifelt, er habe eigene Interessen über die des Verbandes gestellt und die Corona-Krise nicht gut gehändelt. Er habe in dieser Zeit zu wenige strategische und konstruktive Initiativen ergriffen, um den Weltverband strukturell und finanziell vor Schäden zu bewahren.

Kritisiert wird auch, dass Weikert mit verschiedenen nationalen Verbandsvertretern Kontakt aufgenommen habe, mit dem Ziel seine Wiederwahl im kommenden Jahr zu sichern.

Das Schreiben ging an sämtliche Mitglieder des Weltverbands. Petra Sörling als Absenderin wollte sich auf DLF-Anfrage nicht weiter dazu äußern. Sie verweist darauf, dass man sich in der Verbandsspitze darauf verständigt habe, jetzt als Team zusammen zu arbeiten um in dieser schwierigen Zeit die Priorität auf die Sicherung des Sport zu setzen.

"Es scheint, als wollten die Beiden die Coronakrise politisch für sich nutzen"

Auch Thomas Weikert will sich momentan nicht über das hinaus äußern, was er dem Branchendienst "Inside the Games" sagte, nämlich, dass er sämtliche pauschalen und unspezifischen Vorwürfe zurückweise. Keine dieser Anschuldigungen seien in einer der Konferenzen in den letzten sechs Monaten Thema gewesen. Auch habe ihn keiner von den beiden vorher mal angesprochen oder die Gelegenheit gegeben, sich dazu zu äußern.

Auch für Liam Morgan, Chefreporter von "Inside the Games" kommen die Vorwürfe aus dem Nichts:

"Ich bin überrascht über den Zeitpunkt, es scheint, als wollten die Beiden die Coronakrise politisch für sich nutzen. Ich vermute, dahinter steckt, dass der Präsident gesagt hatte, er wolle sein Amt nur für eine Amtszeit ausüben und als er im Februar ankündigte doch wieder anzutreten, einige im Präsidium verärgert waren und jetzt Druck auf ihn ausüben wollen."

Bei der letzten Wahl 2017 war Weikerts heutiger Stellvertreter, der Katarer Khalil Al-Mohannadi sein Gegenkandidat, der damals zurückzog.

"Wer weiß, vielleicht wurde ihm damals etwas versprochen, was er jetzt nicht bekommt", mutmaßt Liam Morgan.

"Bisher gute Arbeit gemacht"

Ob Al-Mohannadi oder Sörling im Juni nächsten Jahres gegen ihn antreten wollen, ist nicht bekannt, keiner von beiden hat entsprechende Ambitionen bisher geäußert.

Seit dem Schreiben ist nichts weiter nach außen gedrungen, die Vorwürfe sind bislang nicht unterfüttert oder in irgendeiner Weise belegt worden. Sörling kündigte gegenüber "Inside the Games" an, dass sie nach der Pandemie weitere Informationen dazu geben würde.

Ob es sich um ein taktisches Manöver handelt, um vorzufühlen, wie die Mitglieder darauf reagieren oder der Versuch schon ein Jahr vor der Wahl Druck aufzubauen, lässt sich auch für Branchenkenner Liam Morgan nicht ausmachen. Bisher hinterlasse Weikerts Krisenmanagement bei ihm einen ganz anderen Eindruck:

"Ich finde, die ITTF gehört eher zu den Verbänden, die mit der Krise gerade besser umgehen, die haben sofort die Gehälter der Führungsebene gekürzt, haben die Arbeitsverträge der Mitarbeiter temporär auf Teilzeit gesetzt, die Verbandsführung konferiert regelmäßig, es scheint, dass da bisher gute Arbeit gemacht wurde."

Tischtennis kontaktlos, aber in der Halle

Auch der Vorwurf, dass er sich unabgesprochen mit nationalen Verbandsvertretern in Verbindung gesetzt habe um für sich Wahlkampf zu betreiben, sieht Liam Morgan so nicht belegt.

"Der Präsident hat die Aufgabe sich danach zu erkundigen, wie es den einzelnen Mitgliedsverbänden in dieser Zeit geht. Das ist das, was Präsidenten derzeit tun, in dieser globalen Krise tun sollten."

Konkrete Streitpunkte in der inzwischen verschlossenen Führungsebene könnten derzeit sein, ob es in diesem Jahr noch Wettbewerbe geben bzw. darauf gedrängt werden soll. Die bislang auf Ende September verschobene WM in Südkorea und der für Oktober terminierte World Team Cup in Düsseldorf sind noch ausstehende Höhepunkte.

Fallen diese aus, könnte es dazu kommen, dass in diesem Jahr nichts mehr stattfindet, was noch entsprechende Einnahmen generiert. Die Prognose ist momentan schwierig. Tischtennis ist zwar kontaktlos, aber eben auch ein Hallensport, und die Abstände wiederum nicht so groß.

Nach Corona Beruhigung genauso möglich wie heiße Phase

Thomas Weikert übernahm das Amt als Weltverbandspräsident 2014 von seinem Vorgänger Adham Sharara, ein in Ägypten geborener Kanadier, der im vergangenen Jahr für vier Jahre suspendiert wurde u.a. wegen Unregelmäßigkeiten und offensichtlicher Interessenkonflikte.

Dass Weikert anders als angekündigt nun doch noch einmal antreten will, begründete der 58-jährige Jurist damit, dass er die Stabilisierung des Verbands weiterführen wolle und auch entsprechende Signale aus dem Verband erhalten habe.

Noch ist es mehr ein Jahr bis zur Wahl. Möglich, dass die Vorwürfe im Sande verlaufen, möglich aber auch, dass es nach Abflauen der Corona-Krise so richtig heiß zur Sache geht.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk