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StartseiteHintergrundIm Zwielicht 12.03.2015

WeltfussballverbandIm Zwielicht

Seit 17 Jahren sitzt Joseph S. Blatter an der Spitze des Weltfußballverbandes FIFA. Seit Langem geht es nicht mehr nur um das runde Leder, sondern vielmehr steht die FIFA heute symbolisch eher für Machtspiele, Milliardengeschäfte und Korruption. An Blatter scheint dies aber alles abzublättern. Längst hat er die FIFA nach seinem Willen geformt.

Von Hans-Jürgen Maurus

Das Fifa-Logo, daneben die Silhouette einer Person. (picture alliance/dpa/Steffen Schmidt)
Der Weltfußballverband FIFA steht in der Eigenwahrnehmung für Sport, Fairness und Solidarität - andere verbinden mit der FIFA völlig andere Phänomene . (picture alliance/dpa/Steffen Schmidt)
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So wie in diesem Filmausschnitt "United Passion", das jüngste FIFA-Produkt in Sachen Eigenwerbung, sieht sich der Weltfußballverband am liebsten. Fröhlich, unbeschwert, optimistisch. Es geht schließlich um Sport, Fairness, Solidarität und Leidenschaft. Das mag stimmen, und doch steht die FIFA heute symbolisch eher für völlig andere dubiose Phänomene. Für Machtspiele, Milliardengeschäfte, Manipulationen – und: für Korruption, und das seit Langem. Niemand symbolisiert diesen Konflikt deutlicher als der langjährige Präsident der FIFA Joseph S. Blatter.

Entscheidend geschadet hat dies dem Mann an der Spitze aber nie. Blatter, auch Seppi genannt, sitzt seit 1998 im Chefsessel der FIFA. Seine Karriere reicht aber sehr viel weiter zurück. Seit 1975 ist Blatter bei der FIFA, 1981 wurde er Generalsekretär, siebzehn Jahre später hatte er es unter kontroversen Rahmenbedingungen endlich an die Spitze des Weltfußballverbandes geschafft. Und noch immer macht er weiter. Am 10. März wurde Seppi 79 Jahre alt, andere hätten längst abgedankt, nicht so Josef Blatter. Am 26. September letzten Jahres gab er im FIFA-Hauptquartier am Ende einer Sitzung des Exekutivkomitees seine 5. Kandidatur bekannt, mit Hinweis auf die Uhrzeit und einer Klarstellung:

"Ich habe am Ende des Treffens um 12:30 dem Exekutivkomitee aus Respekt gegenüber dem Gremium mitgeteilt, dass ich Forderungen und Bitten verschiedener Verbände akzeptiert habe, für ein 5. Mandat zur Verfügung zu stehen.

Das war ein typischer Blatter-Auftritt. Selbstbewusst, betont höflich, aber bestimmt, machtvoll und vieldeutig. Denn der Fußballpapst schob eine Warnung an seine Konkurrenten gleich hinterher: "Ich bin der Präsident und ich bleibe der Präsident":

Joseph S. Blatter inszeniert sich selbst

Soviel Selbstbewusstsein speist sich aus der Überzeugung, unersetzlich zu sein. Und eine Mission erfüllen zu müssen, die Blatter selbst definiert, organisiert, umsetzt, und das mit allen Mitteln. Er kann das, weil er die FIFA in den letzten 17 Jahren nach seinem Willen geformt hat.

"Macht muss man sich erschaffen" hat Blatter einmal gesagt, genau das hat er getan. Er ist der wahre Kaiser der Fußballwelt, mit einem Hofstaat, vielen Herolden, noch mehr Hofschranzen und knallvoller Staatsschatulle. Denn die Kassen der FIFA sind prall gefüllt. Die Einnahmen belaufen sich auf jährlich 1,3 Milliarden Dollar, die Reserven auf geschätzte 1,5 Milliarden Dollar. Darauf ist Sepp Blatter mächtig stolz, wie er im April 2013 betonte:

"Wenn ich daran denke, dass wir vor 15 Jahren bei null waren und heute über eine Milliarde in den Reserven haben, urteilen Sie selbst, wie schlecht die Mannschaftsführung in diesem Spiel ist oder war."

Fifa-Präsident Joseph Blatter bei der Bekanntgabe der WM-Ausrichter 2018 und 2022 (afp / Philippe Desmazes)Fifa-Präsident Joseph Blatter bei der Bekanntgabe der WM-Ausrichter 2018 und 2022. (afp / Philippe Desmazes)

Geld ist für die FIFA und den Profifußballsport Zeichen des eigenen Erfolgs. Aus gutem Grund. Geld ist das Schmiermittel. Die wichtigste Waffe im Kampf um Einfluss und Macht, ob bei Wahlen oder der Vergabe von Fußballweltmeisterschaften. Und: Die FIFA zahlt als Verein kaum Steuern, nur vier Prozent vom Gewinn.

Massive Korruptionsvorwürfe gibt es schon sehr lange. In welcher Dimension, wurde beim Schmiergeldskandal um den Zuger Sportrechtevermarkter ISL deutlich.

Die Firma war 2001 in Konkurs gegangen, hatte aber in den Jahren davor mehr als 160 Millionen Franken an Schmiergeldern an Sportfunktionäre bezahlt, auch an FIFA- Mitarbeiter und Funktionäre. Darunter  und seinen damaligen Schwiegersohn Ricardo Teixeira, der in den 90er Jahren satte 12,4 Mio. Franken einstrich. So munter flossen die Zahlungen, dass 1997 aus Versehen 1,3 Mio. Euro an Havelange auf einem FIFA-Konto landeten und von dort hektisch weitertransferiert wurden. Sepp Blatter wusste davon, behauptet Ex-FIFA-Direktor Markus Siegler und erinnert sich:

"Er wusste 100% von der Million, die irrtümlich von Havelange an die FIFA geschickt wurde. Er hat mir ja gesagt, dass Jennings das aufgebracht hat, Andrew Jennings, der Journalist. Hab' ich mit ihm das besprochen: 'Wie antworten wir?'. Ich will das Büro bereits verlassen, sagt er: 'Ja, ist ja sowieso alles falsch', lachend. Ich sagte: 'Was ist falsch?' 'Ja, das waren keine Schweizer Franken, das waren Dollar'."

Havelange trat 2011 aus dem IOC zurück, Teixeira ein Jahr später als FIFA-Exekutivmitglied. Ein Verfahren der Staatsanwaltschaft Zug gegen beide wurde nach Zahlung von 2,5 Mio. Franken Wiedergutmachung eingestellt.

FIFA-Boss Blatter hat davon angeblich nie etwas mitbekommen. Auch im Abschlussbericht der FIFA- Ethikkommission konnte Blatter nichts nachgewiesen werden. Der FIFA-Chef habe sich weder strafrechtlich noch ethisch falsch verhalten, bescheinigte der Vorsitzende der rechtsprechenden Kammer Joachim Eckert dem FIFA- Präsidenten, obwohl Blatter jahrelang die Rechte Hand von Havelange gewesen war. Der Fall ist damit wohl erledigt. Fest steht aber auch, dass Provisionszahlungen der FIFA damals von der Steuer abgesetzt werden konnten und deshalb nach Schweizer Recht gar keine Gesetzesverstöße waren. Diese Gesetzeslücke dürfte korrupte Praktiken geradezu begünstigt haben.

Joao Havelange, FIFA Funktionär, aus Brasilien (picture alliance / dpa)Millionensummen flossen an Ex-FIFA-Präsident Joao Havelange. (picture alliance / dpa)

Auch bei der Vergabe der Doppel-Weltmeisterschaften an Russland und Katar tauchten sofort nach Bekanntgabe Korruptionsvorwürfe auf. Die Untersuchung der Ethikkommission ergab, dass die für die russische Bewerbung benutzten Computer kurze Zeit nach dem Entscheid vernichtet worden waren. Der Beschluss, die WM 2022 an den Golfstaat Katar zu vergeben, sorgte noch für weit mehr Schlagzeilen und Vorwürfe. Denn die Stimmen zugunsten Katars seien gekauft worden, meint Ex-FIFA-Direktor Guido Tognoni, das liege am System FIFA:

"Bis jetzt zeigt man mit dem Finger auf die Katari. Die haben das gemacht, was man in der FIFA offensichtlich macht: Die haben das System FIFA bis zum letzten, bis zum letzten Zug ausgereizt, vielleicht noch etwas darüber hinaus, sehr exzessiv. Aber es braucht ja immer Leute, die sich hereinnehmen lassen, welche Geld annehmen und welche aufgrund von Geldzahlungen dann ihre Meinung ändern. Und das sind nicht die Leute aus Katar, sondern die Leute der FIFA gewesen."

Für den Ex-FIFA-Mitarbeiter ist Stimmenkauf weniger das Problem Katars als das der FIFA-Kultur:

"Das Ganze ist ein Problem FIFA, mehr als ein Problem Katar. Weil die FIFA dürfte so etwas gar nicht zulassen; da sollte doch der Erstbeste zum zum Präsidenten rasen und sagen: 'Hilfe, ich werde bestochen, das geht doch nicht'. Aber das macht natürlich keiner, und deshalb sage ich: Es ist in erster Linie ein Problem FIFA, ein Problem der FIFA-Kultur, wie sie sich in den letzten 40 Jahren entwickelt hat. Und weniger - obwohl ich die Katari nicht in Schutz nehmen möchte - aber weniger ein Problem Katar."

Ein Problem der FIFA-Kultur

Da Sepp Blatter gegen Katar als Austragungsort gestimmt hatte, konzentrierten sich die Bestechungsvorwürfe sehr schnell auf den FIFA-Vizepräsidenten Mohammed bin Hammam. Der war als Präsident der asiatischen Fußballkonföderation 10 Jahre einer der engsten Verbündeten von Sepp Blatter, bis er dem FIFA-Chef zu mächtig wurde. Schon bei der Wahl bin Hammams ins FIFA- Exekutivkomitee wurde gemunkelt, die Kandidatur sei durch Geldscheine in Briefkuverts entscheidend beeinflusst worden. Noch toller trieb es der Katari bei seinem Wahlkampf, als er es 2011 wagte, Sepp Blatter beim Kampf um das FIFA - Präsidentenamt herauszufordern.

Nach Angaben des FIFA-Exekutivmitglieds Jack Warner hatte bin Hammam 1 Million Dollar in Briefumschlägen von je 40.000 Dollar für 25 Mitglieder des karibischen Fußballverbandes bereitgestellt, um seine Wahl zu erkaufen. Nach Angaben der britischen Wochenzeitung  Sunday Times hat der katarische Spitzenfunktionär sogar insgesamt rund 5 Mio. Dollar für seine Wahl in die Hand genommen, um bis zu 30 Präsidenten afrikanischer Fußballverbände zu beeinflussen. Als die Sache aufflog, zog bin Hammam die Konsequenzen. Er trat 3 Tage vor der Wahl zurück und wurde 2012 von der FIFA lebenslang gesperrt. Auch Jack Warner musste zurücktreten und wurde lebenslang verbannt. Damit war Sepp Blatter seinen schärfsten Konkurrenten bin Hammam endgültig los.

Baustelle des Khalifa Stadions in Katars Hauptstadt Doha (dpa / picture alliance / Sven Hoppe)Baustelle des Khalifa Stadions in Katars Hauptstadt Doha. (dpa / picture alliance / Sven Hoppe)

Doch die anhaltenden Vorwürfe um Bestechung, Manipulation, Ethikverstöße und Intransparenz haben der FIFA mächtig geschadet. Hinzu kam der Skandal um mehrere Todesfälle und unzumutbare Arbeitsbedingungen auf den WM Baustellen in Katar, ein Thema, das FIFA-Exekutivmitglied Theo Zwanziger vor einem Jahr ansprach:

"Wenn du solche Nachrichten bekommst, kannst du ja nicht gleichgültig und oberflächlich darüber hinwegsehen. Mein Auftrag war es zunächst einmal, mit dem Supreme Committee in Katar, aber dann natürlich auch mit den Menschenrechtsverbänden, mit den Gewerkschaften zu sprechen, die Situation zu analysieren: Was ist, was passiert tatsächlich? Und was kann man in der jeweiligen Verantwortung tun, um diese Situation nachhaltig zu verbessern?"

Neue Strukturen und Ethikregeln unerlässlich

Doch der Reputationsverlust der FIFA wurde immer deutlicher, die hitzige Debatte um eine "Weltmeisterschaft in Katar unterm Weihnachtsbaum" immer lauter. Auch Sepp Blatter wurde verstärkt attackiert. Selbst wenn ihm persönlich nichts nachzuweisen war, traf ihn doch letzten Endes die Verantwortung für skandalöse Praktiken im FIFA- Reich, weil er als Präsident sämtliche Weichen stellt und sein Imperium mit harter Hand kontrolliert. Ex-FIFA-Direktor Markus Siegler glaubt schlicht nicht, dass der mächtige FIFA- Chef nichts von dem wusste, was direkt vor seiner Nase alles geschah:

"Es ist ja nicht möglich, dass er nicht sehr sehr viel wusste oder weiß, systembedingt schon: Er war ja ein mächtiger Generalsekretär von 81 bis 98, nachher ein Präsident mit Alleinunterschrift. Es wird ja heute noch kein Nagel in die Wand geschlagen in der FIFA ohne dass Blatter das weiß."

Blatter sah schließlich ein, dass neue Strukturen und Ethikregeln unerlässlich sind. Der Basler Jurist Professor Mark Pieth zog erste Corporate-Governance-Strukturen ein, ein Ethikkomitee mit einer ermittelnden und rechtsprechenden Kammer wurde gegründet. Ende Juli 2012 stellten sich der renommierte Mafiajäger Michael Garcia als FIFA-Chefermittler und der Münchner Richter Eckert als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer den Medien vor, Eckert erklärte selbstbewusst:

"Wir haben hier keinerlei Einflussnahme werden wir akzeptieren: Mit Sicherheit nicht. Wir werden unsern Job machen, er als Ermittler - ich als Richter, und ich glaube, es ist unwahrscheinlich wichtig, dass diese Botschaft auch rüberkommt. Ich werde mit Sicherheit keinerlei Einflussnahme akzeptieren, das hab'  ich nicht notwendig."

Auch Michael Garcia zeigte sich optimistisch:

"Ich sehe als die eigentliche Herausforderung, an Dokumente und Zeugen heranzukommen und unsere Kompetenzen richtig einzusetzen und das werden wir auch.

Eckert und Garcia machten sich an die Arbeit; das Resultat: Ein 400 Seiten starker Bericht, den Garcia letztes Jahr veröffentlichen wollte, die FIFA zunächst aber nicht. Der Eklat war perfekt, als das Ethik-Team auseinanderfiel, im Streit um die Interpretation der gesammelten Fakten und deren Bewertung. Im vergangenen Dezember warf Michael Garcia das Handtuch und beschuldigte den Münchner Richter Eckert, seinen umfassenden Bericht "unvollständig und fehlerhaft" wiedergegeben zu haben. Das gelte auch für die Schlussfolgerungen. Denn Eckert hatte in seiner Interpretation keine gravierenden Verstöße bei der Doppel- Vergabe der WM an Russland und Katar feststellen können.

Michael J. Garcia (Walter Bieri, dpa)FIFA-Chefermittler Michael J. Garcia hielt in seiner Rücktrittserklärung fest, dass kein unabhängiges Komitee, kein Ermittler einen Kulturwandel bei der FIFA herbeiführen könne. (Walter Bieri, dpa)

Mehr noch: Garcia hielt in seiner Rücktrittserklärung fest, dass kein unabhängiges Komitee, kein Ermittler oder eine Schlichtungskommission einen Kulturwandel bei der FIFA herbeiführen könne. Und: Garcia erhob Einspruch und wollte in Berufung gehen. Doch die Berufungskommission der FIFA schmetterte sein Begehren mit dem Hinweis ab, die Erklärung des Münchner Richters sei ja kein Abschlussbericht und damit keine Entscheidungen gefällt worden, die eine Berufung zuließen. Garcia war ausmanövriert und zog die Konsequenzen. Richter Eckert schweigt bis heute zu den Vorwürfen. Der Bericht soll veröffentlicht werden, aber erst nach der Präsidentenwahl im Mai.

Zeit für einen Wechsel - aber Blatter bleibt am Ball

Mit dieser Wahl geht die Schlacht um das Präsidentenamt und den Machterhalt des Joseph S. Blatter in die Schlussphase. Gleich drei Kandidaten treten gegen Seppi an. Ein klares Signal, wie sehr Blatter auch innerhalb der Fußballwelt mittlerweile umstritten ist. Der erste Herausforderer Jerome Champagne hat zwar nicht einmal die erste Hürde überspringen können und ist damit ausgeschieden, doch der Ex-FIFA-Vize-Generalsekretär nahm in der Vorbereitungsphase kein Blatt vor den Mund. Champagne kritisierte zum Beispiel, dass die FIFA bis heute nicht publiziert, welches Gehalt und welchen Bonus Sepp Blatter als Präsident jedes Jahr kassiert und forderte eine Erneuerung:

"Evolution, wir brauchen eine Erneuerung. Wie allen anderen Institutionen, FIFA braucht Leben in die 21. Jahrhundert,"

Auch der Präsident des holländischen Fußballverbandes Michael van Praag tritt gegen Blatter an, weil er sich um das Image der FIFA Sorgen macht:

"Ich mache mir große Sorgen, wie sich die Lage der FIFA verschlechtert, die öffentliche Meinung und die Vertrauenswürdigkeit sind sehr schlecht und so wie ich denken viele."

Auch der einstige Weltfußballer des Jahres Luis Figo macht Blatter das Amt streitig, seine Einschätzung: Es ist Zeit für einen Wechsel:

"Letztes Jahr bei der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien sah ich die Reaktion der Fans bezüglich des Image der FIFA und ich denke, es muss sich etwas ändern, die Regeln, die Führung, die Solidarität, und jetzt ist die Zeit dafür."

Auch der dritte Herausforderer, der jordanische Prinz Ali Bin Hussein, will Blatter vom Thron stoßen, nach sorgfältiger Überlegung, wie er über Twitter bekannt gab. Es sei Zeit für einen Wechsel, so der vierte Sohn von König Abdallah, und an der Zeit, den Fokus von administrativen Kontroversen wieder auf den Fußball zu richten. Fast schon eine Ohrfeige für den Fußballpapst Blatter. Doch der will davon nichts wissen. Denn er, der sich mittlerweile als großer Reformer positioniert hat, will seine Mission vollenden. "Meine Arbeit ist noch nicht beendet", so Blatter im vergangenen September in Zürich, "eine Mission geht niemals zu Ende. Niemals." Zudem sei er noch nicht am Ende des Reformprozesses:

Blatter hasst kritische Fragen von Journalisten

Ja, er ist ein Missionar und jetzt auch noch ein Reformer. Widerwillig, aber immerhin. Wer die Mechanismen der Macht und die Machenschaften der FIFA verstehen will, muss Sepp Blatter verstehen lernen. Er ist die FIFA und die FIFA ist er. Die Organisation ist auf ihn zugeschnitten, das Exekutivkomitee ist ein Abnickverein. Der Walliser ist machtbewusst, autoritär, zielstrebig, rücksichtslos, ein Getriebener, der den Fußball liebt und Millionen verteilt. Blatter ist aber auch stur, gleichzeitig geschmeidig, gerissen und wandlungsfähig. Er kann ungemein charmant sein, beherrscht jede Form der Höflichkeit, reagiert aber ungehalten, wenn Journalisten hartnäckig nachhaken, so geschehen im vergangenen Jahr, als er mit diesen Worten eine Pressekonferenz abrupt beendete:

"So ladies and gentlemen, I thank you for your interest in the in the in in ... You are you are you are you are in the media. I am your colleague and I accept the rules when I am somewhere in a press conference. Thank you ladies, thank you gentlemen, enjoy the day, enjoy the game."

Ja, der Ex-Redakteur Blatter fühlt sich noch wie ein Journalist, aber kritische Nachfragen hasst er. Blatter will sogar Rundfunkreporter werden, wenn er einmal tatsächlich in Rente gehen sollte, doch Rente und Sepp Blatter, das passt nicht zusammen.

Sein Imperium gehört ihm

Zu sehr liebt er die Macht, das Prestige des Amts, Herrscher über ein Fußballimperium zu sein, die Begegnungen mit Präsidenten und Regierungschefs, das Lob seiner Gefolgsleute und seiner Anhänger. Denn Seppi will geliebt werden. Um jeden Preis. Und Sepp Blatter ist erneut Favorit. Wenn es zutrifft, dass fünf der sechs Kontinentalverbände hinter ihm stehen, wird er die nächste Wahl leicht gewinnen. Im Dezember hat er noch mal 1 Million an die Verbände verteilt, damit auch alle wissen, wem sie die Unterstützung verdanken. Die FIFA ist Blatters Werk und sein Erbe will nur er allein antreten.

Deshalb kann der Imperator nicht loslassen. Sein Imperium gehört ihm.

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