Freitag, 02. Dezember 2022

Kommentar zum Weltklimagipfel
Den Kampf gegen die Klimaerwärmung in die richtige Richtung lenken

Seitdem mit Kyoto vor 25 Jahren der Kampf gegen die Erderwärmung amtlich wurde, sitzt die Weltgemeinschaft im Speisewagen und verhandelt, kommentiert Britta Fecke. Beim 27. Weltklimagipfel in Sharm el-Sheikh müsse der Zug endlich umgesteuert werden.

Ein Kommentar von Britta Fecke | 06.11.2022

Mit dem vereinbarten Ausstieg aus der Kohleverstromung auf dem letzten Gipfel wurden richtige Weichen gestellt – doch das reiche nicht aus, findet Britta Fecke. Im Bild: RWE Kraftwerk Weisweiler
Mit dem vereinbarten Ausstieg aus der Kohleverstromung auf dem letzten Gipfel wurden richtige Weichen gestellt – doch das reiche nicht aus, findet Britta Fecke. Im Bild: RWE Kraftwerk Weisweiler (picture alliance / Rainer Keuenhof)
Vor 25 Jahren wurde das Kyoto-Protokoll beschlossen, seit einem viertel Jahrhundert also bemühen sich die Vertragsstaaten - zu denen inzwischen auch die USA und Australien gehören - die Emissionen der Treibhausgase zu drosseln. Mit dem Ziel: den globalen Temperaturanstieg zu begrenzen, am besten auf maximal 1,5 Grad Celsius bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Das war ein Ergebnis der Klimakonferenz von Paris im Jahr 2015. Und wo stehen wir jetzt, ein Viertel Jahrhundert nach Kyoto, sieben Jahre nach Paris? Sehr weit weg von dieser Zielvorgabe!

Deutschland ist von den Folgen des Klimawandels mit betroffen

1,5 Grad wurde als Wert angegeben, weil ein noch höherer Anstieg der globalen Temperatur zu derart tiefgreifenden Veränderungen der Umwelt führen wird, dass wir sie nicht mehr beherrschen können. Ein Sonderbericht des Weltklimarates legt dar, dass jedes Zehntelgrad jenseits der 1,5 Grad Celsius die Wahrscheinlichkeit für katastrophale Folgen erhöht. Und was das heißt, wurde in den letzten Jahren schon mehrfach vor der eigenen Haustür deutlich: als Rinder frühzeitig geschlachtet werden mussten, weil das Futter auf den Weiden in der Hitze des Sommers verdorrt ist; als sich riesige Gebiete von grünen Fichtenforsten in braune Mondlandschaften verwandelten. Und als in Westdeutschland mehr als 180 Menschen im Juli 2021 in den Fluten ertrunken sind.
Deutschland ist schon mittendrin und die Folgen des Klimawandels betreffen nicht mehr nur die Inseln in der Südsee, die der ansteigende Meeresspiegel verschluckt oder die Millionen Klimaflüchtlinge in Afrika, die ihr verdorrtes Weideland verlassen müssen. Nein, inzwischen nehmen selbst in gemäßigten Breiten Europas die Extremwetterereignisse zu. Die wochenlang anhaltende Hitze sorgte in diesem Jahr in Deutschland für gefährlich leere Talsperren, für das Absterben vieler Straßenbäume, unter deren Schatten die Menschen eigentlich Schutz suchen wollten.

Weltgemeinschaft droht 1,5 Grad Marke deutlich früher zu überschreiten

Das Robert-Koch-Institut errechnet 4500 Todesfälle im Zusammenhang mit dem extrem trockenen und heißen Sommer – ein ähnlich hoher Wert wie in dem ebenfalls extremen Sommer 2018. Und die 1,5 Grad Erwärmung, ab der viele Systeme kippen, ist noch nicht mal erreicht! Aber es gibt schon jetzt einen bitteren Vorgeschmack auf das, was noch droht. Denn dass es schlimmer wird, scheint ausgemacht, auch weil die Weltgemeinschaft die 1,5 Grad noch viel früher erreichen wird, als das auf der Klima-Konferenz in Paris so schön vereinbart wurde. Nämlich nicht erst am Ende dieses Jahrhunderts, sondern schon in vier Jahren! Ein neuer Report der Welt-Meteorologieorganisation WMO geht davon aus, dass die 1,5 Grad bis 2026 überschritten werden. Und schon jetzt liegt die Erwärmung bei rund 1,2 Grad Celsius.
Tja, allen Ankündigungen, Bemühungen und 26 vorangegangenen UN-Klimagipfeln zum Trotz, steigen die Treibhausgasemissionen munter weiter und mit ihr die Temperaturen: die Welt steuert stramm auf deutlich über 2 Grad zu.

Emissionen endlich wirklich drosseln

Hätten sich die Vertragsstaaten die nun beginnende 27. Weltklimakonferenz im ägyptischen Sharm el-Sheikh also sparen können?
Nein, denn es wurden zum Beispiel mit dem vereinbarten Ausstieg aus der Kohleverstromung auf dem letzten Gipfel richtige Weichen gestellt. Wir müssten aber das Fahrtempo rapide beschleunigen. Denn seit 25 Jahren, seitdem der Kampf gegen die Erderwärmung in Kyoto amtlich wurde, sitzt die Weltgemeinschaft im Speisewagen und verhandelt, während der Zug viel zu schnell in die falsche Richtung rollt. Und die drohende Karambolage wird so viel teurer, als jetzt noch umzusteuern und die Emissionen wirklich zu drosseln. Also volle Kraft voraus und zwar in die richtige Richtung!