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StartseiteWissenschaft im BrennpunktImmer weniger Zweifel am Klimawandel04.11.2018

Weltklimarat IPCCImmer weniger Zweifel am Klimawandel

Eis und Schnee schmelzen, die Meeresspiegel steigen, stärkere Niederschläge, intensivere Hitzewellen: So benennt der Weltklimarat die Folgen des Klimawandels. Seit ihrer Gründung hat die internationale Behörde fünf Berichte veröffentlicht - und kommt zu dem Schluss: Der Klimawandel ist menschgemacht.

Von Volker Mrasek

Thema Trockenheit und Dürre: Pferdeskelett in der Wüste Gobi (images / Wagner)
Dass sich das Klima erwärmt, sei mittlerweile unzweideutig - das ist die Kernaussage des vierten IPCC-Berichtes (images / Wagner)
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So richtig aufmerksam auf den Klimawandel wird die Welt erst 1992, durch den Umweltgipfel in Rio de Janeiro. Der erste IPCC-Bericht liegt da bereits seit zwei Jahren vor. 1990 kam er heraus, noch ohne das große Medienecho späterer Tage. Der Report klingt besorgt, aber noch nicht so bestimmt. Als wirklich sicher gilt seinerzeit nur:

"Durch menschliche Aktivitäten nehmen die Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre signifikant zu. Das wird dazu führen, dass sich die Erdoberfläche zusätzlich erwärmt."

Unklar jedoch, woher das halbe Grad Celsius rührt, um das sich die Erdatmosphäre zu diesem Zeitpunkt bereits aufgeheizt hat. Für den Frankfurter Klimaforscher und IPCC-Autor Christian Schönwiese ist zwar naheliegend, …

 "... dass die Menschheit schon längst dabei ist, das Klima zu ändern. Allerdings steht die Menschheit in Konkurrenz zu natürlichen Klimaschwankungen. Und wenn wir uns die Klimageschichte ansehen, dann ist dieses halbe Grad Erhöhung der Weltmitteltemperatur kein einmaliger Vorgang."     

Berücksichtigung von Aerosol-Emissionen                                 

Fünf Jahre später, 1995, erscheint der zweite Weltklima-Report. Darin ein berühmt gewordener Satz:

"The balance of evidence suggests a discernible human influence on global climate."

Vorsitzender des IPCC ist zu dieser Zeit der schwedische Meteorologe Bert Bolin.

"Trotz aller Unsicherheiten können wir sagen: Es gibt eine Veränderung des Klimas, erkennbar verursacht durch die Treibhausgas-Emissionen des Menschen."

In ihren Computermodellen simulieren die Klimaforscher mittlerweile auch die Wirkung von Schwebstaub aus den Schloten von Kraftwerken und Industrieanlagen. Diese Aerosole reflektieren die Sonnenstrahlung und kühlen so das Klima. Ulrich Cubasch arbeitet damals im Deutschen Klimarechenzentrum in Hamburg - und auch für den IPCC.

 "Und wenn man jetzt die Aerosole berücksichtigt, sieht man deutlich über Industriegebieten keine Erwärmung, über Nicht-Industriegebieten eine Erwärmung. Und diese unterschiedliche Erwärmung ist ein deutlicher Fingerabdruck."

Anthropogener Fingerabdruck

Als Vater der Fingerabdruck-Methode gilt Klaus Hasselmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie. Mit 95prozentiger Wahrscheinlichkeit hält er den Menschen für überführt:

"Wenn wir heute 95 Prozent sagen, möchte ich sagen, dass in fünf bis zehn Jahren also keiner mehr ernsthaft darüber diskutieren wird, dass wir eine anthropogene Klimaänderung sehen."                                                                        

Also eine vom Menschen verursachte. Was also sagt der dritte Weltklima-Bericht, der sechs Jahre später erscheint, 2001?

"Es gibt neue und stärkere Belege dafür, dass die Erwärmung in den letzten 50 Jahren menschlichen Aktivitäten zuzuschreiben ist."

Die Rechenleistung von Supercomputern nimmt inzwischen sprunghaft zu. Dadurch können Forscher wie Ulrich Cubasch jetzt die natürlichen Klimafaktoren in ihren Modellen genauer abklopfen:

"Was macht die Sonne? Was machen andere Spurengase? Was macht Ruß? Auch wenn man diese ganzen Sachen reinpackt, kommt man wieder auf denselben Schluss."

Nämlich dass es der Mensch ist, der an der Klima-Schraube dreht.

"Bisher gibt es nichts, was dem widerspricht"

Grönland und Antarktis schmelzen

Noch so ein berühmter Satz: Dass sich das Klima erwärmt, sei mittlerweile unzweideutig.

Die Kernaussage von IPCC-Bericht Nummer vier, zitiert von der US-Forscherin Susan Solomon. Die Wissenschaftler äußern sich jetzt auch dezidierter zu den Folgen des Klimawandels:

"Das Schmelzen von Schnee und Eis. Der Meeresspiegel-Anstieg. Höhere Salzgehalte im Ozean, stärkere Niederschläge und intensivere Hitzewellen. All das sind Veränderungen in den letzten Jahrzehnten - genauso, wie man sie auch erwarten kann, wenn sich die Welt erwärmt."

Immerhin: Die Eismassen der Antarktis wähnt der IPCC zu diesem Zeitpunkt noch stabil. Und auch die Lage in Grönland scheint noch nicht so bedrohlich. Mit einer unumkehrbaren Gletscherschmelze rechnet der Weltklimarat hier frühestens bei einer globalen Erwärmung um zwei Grad Celsius.

Doch spätere Studien rütteln an diesen Befunden. Der Schweizer Umweltphysiker Thomas Stocker und die anderen IPCC-Autoren revidieren ihre Einschätzung im fünften Weltklima-Bericht 2013.

"Sowohl Grönland wie auch die Antarktis nehmen ab in ihrer Masse und das sind diejenige Komponenten, die sich am stärksten beschleunigen."                                           

Der IPCC schließt den Verlust des grönländischen Eispanzers jetzt schon ab einem Grad Celsius nicht mehr aus.

Es ist die beunruhigendste Passage im bisher jüngsten Report des Weltklima-Rates. Denn bei ein Grad Celsius ist die globale Erwärmung schon heute angekommen.

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