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StartseiteForschung aktuellMilliardärs-Wettrennen um ersten privaten Flug ins All09.07.2021

Weltraum-MissionMilliardärs-Wettrennen um ersten privaten Flug ins All

Milliardäre liefern sich derzeit ein Wettrennen ins All. Richard Branson will es an diesem Wochenende gewinnen. Allerdings hat sein Plan einen Haken: Anders als Ex-Amazon-Chef Jeff Bezos wird er die 100-Kilometer-Grenze wohl nicht erreichen.

Von Guido Meyer

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Testflug von SpaceShipTwo des privaten US-Raumfahrtunternehmens Virgin Galactic am 13. Dezember 2018 in Mojave, Kalifornien (imago stock&people)
Testflug von Richard Bransons SpaceShip Two 2018 in Kalifornien (imago stock&people)
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Der britische Unternehmer hat seinen Flug für Sonntag, 11. Juli, angekündigt, mit der SpaceShipTwo seiner eigenen Firma Virgin Galactic. Also neun Tage vor dem von Bezos angekündigten Start der Trägerrakete New Shepard. Wie werden sie aussehen, die Milliardärsflüge ins All? Bei Blue Origin gab es im April bereis eine unbemannte Generalprobe.

"T-10 … 9 … 8 … 7 ... 6 ... 5 ... 4 ... 3 ... 2 ... 1 ... ", zählte eine Blue Origina-Sprecherin runter: "And we have lift off! Go New Shepard, go! Beautiful lift off from our launch site one in West Texas." Die einstufige Trägerrakete New Shepard schoss eine Kapsel auf eine Höhe von 100 Kilometern. Dort trennen sich beide. In der Kapsel herrscht dann für ein paar Minuten Schwerelosigkeit, bevor beide – Kapsel und Raketenstufe – zurück zur Erde fallen. "And touchdown! Welcome back, New Shepard!"

Probeflüge erfolgreich

Der Fall der Rakete wird dabei von ihren eigenen Triebwerken abgebremst. Sorgten sie beim Start noch für den nötigen Schub für den Aufstieg ins All, haben sie nun die Funktion von Bremstriebwerken. Sie ermöglichen ein vertikales, aufrechtes Aufsetzen der gesamten Raketenstufe auf ihren vier Füßen. Drei Fallschirme bremsen die Kapsel ab.

Die Landung erfolgte in West Texas. Das hat jetzt 14- von 15 Mal so gut geklappt, dass der 16. Flug bemannt werden soll. Ein großes Ziel. Denn: Wer die Kármán-Linie - jene gedachte Linie in 100 Kilometer Höhe, die die Luftfahrt von der Raumfahrt trennt – überquere, der werde zum Astronauten, so die Sprecherin von Blue Origin.

Erster Astronaut von Blue Origin wird nun der Chef der Firma, Jeff Bezos: "Die Erde aus dem All zu sehen – das verändert Dich. Es ändert Deine Einstellung zu diesem Planeten und zur Menschheit. Ich möchte bei diesem Flug dabei sein, denn es ist das, was ich mein ganzes Leben vorgehabt habe. Es ist ein Abenteuer. Und es bedeutet mir sehr viel."

Bezos Zweiter - aber höher

Jeff Bezos habe allen Grund, sein Unternehmen derart anzupreisen. Denn sein Konzept würde mehr bieten als der Konkurrent SpaceShipTwo, selbst wenn dieser Erster sei, findet Fabian Eilingsfeld, der für die Unternehmensberatung PRICE Systems in Rüsselsheim den Markt für den Weltraumtourismus analysiert. "Jeff Bezos macht ganz klar, wer mit mir fliegt, der fliegt auf über 100 km Höhe. Da beginnt der Weltraum."

Virgin Galactic verspricht das nicht. Weil die schaffen es performancemäßig nicht, auf 100 km Höhe zu fliegen, d.h. die Menschen, die bei Virgin Galactic fliegen und bezahlen, die werden im Vergleich zu Blue-Origin-Kunden halt nur Weltraumtouristen zweiter Klasse, weil sie es nicht auf die Mindesthöhe von 100 km schaffen. Da sehe ich Blue Origin klar vorne. Mit ihrem konservativen Ansatz. Weil der kann das. Der ist weniger komplex."

SpaceShip-Unglück 2014

Klar – Kapseln sind seit mehr als einem halben Jahrhundert erprobt. Sie sind billiger, und sie sind zuverlässig. Raketenflugzeuge hingegen sind kompliziert. Das musste Bezos Konkurrent Branson vor sechs Jahren feststellen, als das SpaceShipTwo seiner Firma Virgin Galactic bei einem Testflug verunglückte. Ein Pilot kam dabei ums Leben. Fabian Eilingsfeld: "Die zusätzlichen Sicherheitsfeatures, die nach dem Absturz des Prototypen 2014 nötig waren drücken halt auf die Performance. Da hängt ja alles sehr eng zusammen. Sie haben ja ein Trägerflugzeug. Und da muss das eigentliche Raketenflugzeug, also das Spaceship, ja reinpassen. Sie können nicht einfach das SpaceShipTwo größer machen."

Herausforderung Trägerflugzeug

Das Trägerflugzeug WhiteKnightTwo steigt mitsamt dem Raumschiff bis auf eine Höhe von 15 Kilometern. Dann klinkt sich das kleinere SpaceShipTwo aus, zündet seine eigenen Triebwerke und steigt nahezu senkrecht nach oben. Kleiner Schönheitsfehler: Es erreicht nur eine Höhe von 80 Kilometern. Um wirklich den Weltraum zu erreichen, sind die Motoren nicht leistungsstark genug, so Weltraumexperte Eilingsfeld: "Das fängt ja schon an mit dem Antrieb. Sie haben einen hybriden Antrieb. Sie haben halt einen festen Brennstoff und einen flüssigen Oxidator, das heißt: Sie können nicht Ihr Triebwerk beliebig vergrößern, weil das Raketenflugzeug selbst muss dann auch gleich größer werden. Und wenn das wächst, muss Ihr Trägerflugzeug größer werden. Und das geht nicht. Also die haben sich sprichwörtlich in die Ecke gemalt mit ihrem Design."

Hoch fliegende Touristen statt Astronauten

Wenn Bransons Flug am zweiten Juli-Sonntag also gelingt - die Nase vorne hat er damit nicht. Denn auf lange Sicht dürfte sich herumsprechen, dass die zahlenden Kunden von Bransons Virgin Galactic keine Astronauten werden, sondern eben nur hochfliegende Touristen. Das konservative aber leistungsfähigere Kapselkonzept von Blue Origin könnte sich somit auszahlen – vorausgesetzt, der bemannte Premierenflug von Jeff Bezos gelingt und die Crew kehrt wohlbehalten auf den Erdboden zurück.

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