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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Sparen ist die beste Abwehrhaltung gegenüber Banken"30.10.2014

Weltspartag"Sparen ist die beste Abwehrhaltung gegenüber Banken"

Die Skatbank in Deutschland hat beschlossen, ab einer Einlage von 500.000 Euro einen Negativzins auf Tagesgeldkonten zu erheben. Eine derartige Summe auf einem Tagesgeldkonto sei Unfug, erklärt Hermann-Josef Tenhagen vom Online-Portal Finanztip im DLF. Sowieso gebe es bessere Sparmöglichkeiten als das Tagesgeldkonto.

Hermann-Josef Tenhagen im Gespräch mit Jule Reimer

Die Miniatur-Figur eines Rentners, der die Arme verschränkt hat, sitzt auf einem Stapel Euromünzen. (picture alliance / Andreas Gebert)
Hermann-Josef Tenhagen vom Online-Portal Finanztip empfiehlt sein Geld unterschiedlich anzulegen: zum Beispiel als Festgeld, Immobilie oder Aktienfonds. (picture alliance / Andreas Gebert)
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(Deutschlandfunk, Hintergrund, 29.10.2013)

Jule Reimer: "Die schwäbische Hausfrau verliert", titelt heute - am Weltspartag - die "Süddeutsche Zeitung" und meint damit die Trias aus Sparbuch, Festgeldvertrag oder Lebensversicherung, mit der die sicherheitsbewussten Deutschen bislang über Jahrzehnte ihre kleinen und mittelgroßen Vermögen nicht üppig, aber solide mehrten. Doch wenn der Sparzins wie jetzt fast gegen Null geht, verliert auch das Vermögen an Wert. Jetzt hat die Skatbank in Altenburg als vermutlich erste Bank in Deutschland beschlossen, einen negativen Zins auf Tagesgeldkonten zu erheben - zwar erst ab einer Einlage ab 500.000 Euro. Aber werden andere Banken nachziehen, ist das der Dammbruch, frage ich jetzt Hermann-Josef Tenhagen, der übrigens jetzt nicht mehr Chefredakteur Finanztest bei der Stiftung Warentest ist, sondern beim Online-Portal Finanztip, das auch einen gemeinnützigen Anspruch hat? Ja, Herr Tenhagen, der Dammbruch?

Hermann-Josef Tenhagen: Nein, nicht der Dammbruch. 500.000 auf einem Tagesgeldkonto ist Unfug. Das muss man erst mal vorneweg so sagen. Weil auf ein Tagesgeldkonto, da gehören zwei Monatseinkommen hin, damit man nicht in den Dispo braucht, wenn das Auto und der Kühlschrank parallel kaputt gehen. Und wenn man ein hohes Monatseinkommen hat, dann eben zwei hohe Monatseinkommen. Dann mag das 10.000 oder 12.000 Euro sein. Ansonsten sollte man sein Geld ja sowieso anders anlegen, meinethalben einen Teil aufs Festgeld, meinethalben auch eine Immobilie oder eben Aktienfonds.

Reimer: Wenn man heute Morgen die "Süddeutsche" intensiv liest und denen glaubt, dann ist Festgeld überhaupt keine Option. Sie hingegen empfehlen das.

Tenhagen: Na ja, für einen Teil des Geldes. Man kann für drei Jahre bei den besten Angeboten bei Finanztipp 1,86 Prozent bekommen. Das ist immer noch nicht toll, aber das ist für einen sicheren Teil und auf drei Jahre in Ordnung, so was zu machen, und ist besser als viele Versicherungsprodukte, weil da bezahlt man ja erst mal die Provision vorneweg und sieht erst mal gar nichts, und es ist sehr, sehr sicher für die kurze und mittlere Frist. Für die etwas längere Frist, so ab zehn Jahre, würden wir immer sagen, größere Teile des Geldes in Aktien stecken, in einen Index-Fonds, oder man kauft eine Immobilie - bitte nicht zu teuer, aber das kann natürlich auch eine gute Option sein.

"Wir empfehlen internationale Aktienfonds"

Reimer: Was muss man bei Index-Fonds beachten, denn mit Aktien ist der eine oder andere ja wirklich auch schon auf die Nase gefallen. Ich erinnere an die Telekom zum Beispiel.

Tenhagen: Deswegen macht man ja einen Fonds. Das ist nicht eine einzelne Aktie, da müsste man sich um jede einzelne Firma kümmern. Wir empfehlen internationale Aktienfonds, MSCI World, da sind 1.600 verschiedene Titel drin. Wenn es da einer Firma mal schlecht geht, dann kompensieren die anderen das. Und Index-Fonds deswegen, weil die weniger Kosten haben. Die machen nur 0,2 Prozent Kosten. Ein klassischer Fonds, wenn Sie den bei der Bank, Sparkasse, Volksbank kaufen, dann ist der bei anderthalb bis zwei Prozent Kosten im Jahr, und vorneweg bezahlen Sie auch noch fünf Prozent Ausgabeaufschlag.

Reimer: Das heißt, ich gehe zu meiner Hausbank und sage, ich möchte diesen Fonds. Bieten das alle Banken an, für die Laien unter den Anlegern?

Tenhagen: Viele bieten es ungern an. Man muss dann schon mal insistieren und vielleicht auch mal aufstampfen, damit man die bekommt, weil das einfach die preiswerte Lösung ist, um am Aktienmarkt dabei zu sein, und eben nicht die teure, bei der Banken viel Provision einstreichen.

Reimer: Haben Sie noch was, was Sie den Anlegern mitgeben würden?

Tenhagen: Ja! Sparen ist eigentlich die beste Abwehrhaltung gegenüber Banken, die nicht funktionieren, weil dann braucht man nicht in den Dispo. Das ist der Kern von Sparen.

Online-Portal Finanztip

Reimer: Wir haben noch ein bisschen Zeit. Deshalb möchte ich Sie noch was fragen. Finanztipp ist ja jetzt eine andere Kiste als die Stiftung Warentest. Das wiederum war eine Stiftung. Jetzt denkt man, Sie sind ein Portal; auch ein Portal muss sich irgendwie finanzieren. Wir wissen, dass bei Portalen bestimmte Dinge unter Umständen vergütet werden. Können Sie sichergehen, dass wir bei Ihnen auch nicht kommerziell orientiert beraten werden?

Tenhagen: Wir sind gemeinnützig. Das heißt, bei uns ist das so, dass wir nur unsere eigene Arbeit finanzieren und dass da niemand Gewinne rausziehen kann. Was wir machen ist: Wir sagen den Leuten, wie sie richtig und am besten mit ihren Finanzen umgehen, und machen das nur im Internet. Und die Firmen, die wir dann gelobt haben, die haben, wenn sie so ein Programm haben, die Möglichkeit, das zu kompensieren, dafür was zu bezahlen. Das heißt dann Affiliate Management. Wenn die Firma kein Programm hat, dann kriegen wir auch kein Geld. Bei den Index-Fonds, von denen ich gerade redete, haben wir gerade drei empfohlen vor zwei Wochen. Von denen hat keiner ein Programm, da sehen wir leider in die Röhre. Aber wir finden das so wichtig, dass das passieren muss.

Reimer: Danke schön für diese Informationen an Hermann-Josef Tenhagen, jetzt beim Online-Portal Finanztipp.

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