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StartseiteThemaWelchen Erfolg hat die Covax-Initiative?01.05.2021

Weltweite Corona-ImpfstoffverteilungWelchen Erfolg hat die Covax-Initiative?

In vielen Industrienationen wurden längst viele Millionen Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Viele ärmere Länder warten bis heute auf die begehrten Vakzine. Die Covax-Initiative sollte für eine gerechtere Verteilung sorgen - doch eine weltweite Teilhabe ist noch weit entfernt. Ein Überblick.

Karte zeigt Anteil an der Gesamtbevölkerung, der mindestens eine Impfstoffdosis erhalten hat. (Deutschlandradio / Our World in Data)
Mindestens eine Impfstoffdosis erhalten haben im April 2021 viele Millionen Menschen in den reicheren Ländern - während der Anteil in den ärmeren Ländern immer noch sehr gering ist (Deutschlandradio / Our World in Data)
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Schon lange bevor die ersten Notzulassungen für Impfstoffe gegen das Coronavirus erteilt worden waren, sicherten sich viele reiche Länder Hunderte Millionen Dosen potenzieller Vakzine von verschiedenen Herstellern. Entwicklungs- und Schwellenländern drohte das Nachsehen. Um das zu verhindern und weltweit einen gerechten Zugang zu den Vakzinen zu ermöglichen, gründeten im April 2020 die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Globale Impf-Allianz GAVI und die Coalition for Epidemic Preparedness CEPI die Impfstoffplattform Covax. Die Idee war bestechend einfach: Alle Staaten der Welt sollten in einen gemeinsamen Fonds einzahlen. Mit diesem Geld sollte dann gebündelt Impfstoff für alle eingekauft werden. Dieser Plan aber ging nicht auf, weil reiche Staaten lieber bilaterale Verträge schlossen. 

Welche Ziele verfolgt die Covax-Initiative?

Covax ist eine Einkaufsgemeinschaft für Impfstoffe, an der sich mehr als 190 Nationen und Territorien beteiligen. Das Besondere: Reiche Länder treten Covax bei und zahlen für ärmere Länder mit. Rachel Silverman, Analystin vom US-amerikanischen Think-Tank Center for Global Development, sagte im Dezember 2020:

"Covax besteht aus zwei Elementen. Da sind zum einen die allerärmsten Länder, die grundsätzlich kostenlose oder subventionierte Impfstoffe erhalten sollen. Dann gibt es Länder, die für den Zugang zu dem Covax-Vakzinportfolio zahlen. Außerdem nimmt Covax Spenden an. Allerdings sind die nicht so hoch wie erhofft, sodass sie für die Ambitionen derzeit jedenfalls noch nicht reichen."

Gemeinsam sollen bis Ende dieses Jahres zwei Milliarden Impfstoffdosen verteilt werden. Damit sollen weltweit als erstes das medizinische Personal und im nächsten Schritt die gefährdeten Gruppen geschützt werden. Maßgebliche Spender sind unter anderem die USA, die EU und aus dieser insbesondere auch Deutschland.

Warum ist eine gerechte Verteilung für alle Nationen wichtig?

Alle Beteiligten der Covax-Initiative haben betont: Die Welt ist erst sicher vor SARS-CoV-2, wenn die Impfungen überall greifen. Denn Mutanten können vor allem dort entstehen, wo der Impfschutz fehlt, wie zum Beispiel in Indien. 

Impfstoff-Entwickler und Curevac-Gründer Ingmar Hoerr im Schlosslabor Tübingen vor einer Darstellung einer DNA (dpa) (dpa)"Es ist zu kurz gedacht, wenn wir nur die westliche Welt immunisieren" 
Um mit Impfungen auch die Mutationen des Coronavirus in den Griff zu bekommen, müssten auch die Länder Impfstoff bekommen, aus denen die Mutationen stammen, betont Curevac-Gründer Ingmar Hoerr.

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Dessen ungeachtet kommt die Entwicklungshilfeorganisation ONE in einer Untersuchung der Impfverträge zu dem Schluss, dass derzeit kein einziges Land und kein einziger Hersteller eine global gerechte Verteilung von Impfstoffen priorisiert.

Das könne den Westen auch wirtschaftlich noch teuer zu stehen kommen. Denn die global vernetzte Wirtschaft der Industrieländer ist für die Auswirkungen der Pandemie im Rest der Welt besonders anfällig. Aber klar ist auch: Um wirklich zwei Milliarden Impfdosen bis Ende des Jahres ausliefern zu können, muss sich sehr schnell noch mehr bewegen.

Wie ist der Stand der Impfstoffverteilung?

Während die Impfkampagne in Deutschland und in anderen Staaten Fahrt aufnimmt, steht Indien angesichts dramatisch hoher Infektionszahlen mitten in der Katastrophe. Auch in anderen Entwicklungs- und Schwellenländern sieht es nicht viel besser aus. Von einer global gerechten Verteilung ist momentan nicht viel zu sehen: Deutschland und andere reiche Länder haben sich 80 Prozent der verfügbaren Impfdosen gesichert. Länder wie Israel oder die USA legen Vorräte an für eine dritte, vierte Impfung. Die ärmsten Staaten hingegen haben bis heute gerade mal 0,3 Prozent der verfügbaren Vakzine bekommen.

Eine ältere Marokkanerin erhält eine Impfung gegen Covid-19 in einem Impfzentrum in Sale in der Nähe von Rabat (FADEL SENNA / AFP) (FADEL SENNA / AFP)Impfgerechtigkeit bleibt eine Illusion 
Der Plan der WHO für eine faire globale Verteilung von Corona-Impfungen gilt schon als gescheitert. Die Industriestaaten beanspruchen einen Großteil der Impfdosen für sich, zu Lasten der ärmeren Länder in Afrika oder Lateinamerika.

Laut Elisabeth Massute von Ärzte ohne Grenzen hat die Covax-Initiative bisher nur rund ein Drittel der geplanten Impfstoffdosen verteilen können. Sie kritisiert eine Kluft zwischen den Zusagen der Länder und einer Umsetzung der weltweiten Impfinitiative Covax. Es sei besorgniserregend, dass lediglich 1,3 statt drei Prozent der Menschen in 140 Ländern über Covax beliefert werden könnten. Das Ziel von Covax sei eigentlich gewesen, ein globaler Einkaufs- und Verteilungsmechanismus zu sein - "es war kein Mechanismus, der gedacht war rein für ärmere Länder", so Massute. "Dann wurde das Ganze ja aber schon unterminiert dadurch, dass eben Länder wie die USA, Großbritannien, aber auch die EU und andere parallel bilaterale Abkommen geschlossen haben und den Markt quasi leer gekauft haben."

In vielen der mehr als 70 Einsatzländer von Ärzte ohne Grenzen konnte noch nicht einmal das Gesundheitspersonal gegen Covid-19 geimpft werden, geschweige denn die Risikogruppen.

Leere Transportboxen des Astrazeneca-Impfstoffes stehen am 4. März 2021 in Kitengela in Kenya in einer Covax-Einrichtung auf dem Boden.  (picture alliance / AP / Ben Curtis) (picture alliance / AP / Ben Curtis)Ärzte ohne Grenzen: Covax-Initiative verfehlt Ziele
Laut Elisabeth Massute von Ärzte ohne Grenzen hat die Covax-Initiative bisher nur ein Drittel der geplanten Impfstoffdosen verteilt. Es sei zu wenig Impfstoff bestellt worden, da reiche Länder zu viel für sich reserviert hätten. 

Wo liegen die Probleme und was müsste nun getan werden?

Nach Berechnungen von Ärzte ohne Grenzen fehlen Covax wegen aktueller Lieferengpässe in den kommenden drei Monaten 211 Millionen Impfstoffdosen gegenüber den ohnehin unzureichenden Planungen. Drei Schritte müssten nun schnellstmöglich vollzogen werden:

  • Impfstoffdosen abgeben
  • Technologien teilen und Produktionskapazitäten ausbauen
  • Patentschutz aufheben

Impfdosen abgeben

Als kurzfristige Lösung fordert Ärzte ohne Grenzen von Ländern, die sich sehr viele Impfstoffdosen gesichert haben, schnell einen Teil ihrer Dosen abzugeben und ärmeren Ländern zur Verfügung zu stellen. Mittel- und langfristig müsse aber vor allem mehr Impfstoff produziert werden.

Produktionskapazitäten ausbauen

Momentan liege die Last der Produktion auf einigen wenigen Hersteller-Schultern, die den globalen Bedarf so noch nicht decken könnten, so Elisabeth Massute von Ärzte ohne Grenzen. Mittelfristig müssten Produktionskapazitäten aus- und umgewandelt und langfristig auch neue Produktionskapazitäten geschaffen werden, vor allem im globalen Süden. Im besten Fall könne man dann lokal auf verschiedene Mutationen reagieren, vor allem mit der Technologie von mRNA-Plattform-basierten Impfstoffen – die auch kostengünstiger zu produzieren seien.

Patentschutz aufheben

Die Aufhebung des Patentschutzes sieht Ärzte ohne Grenzen als weiteres Puzzlestück in der Beschleunigung der weltweiten Pandemiebekämpfung. Dabei gehe es nicht nur um Impfstoffe, die Forderung beziehe sich auch auf Medikamente, Schnelltests, Beatmungsgeräte oder Schutzkleidung. Durch eine Patentaussetzung werde Rechtssicherheit für die Produzierenden im globalen Süden geschaffen, um bestimmte Stoffe produzieren zu können.

Elisabeth Massute: "Wir hoffen, dass die reichen Länder sich jetzt wirklich dazu bereit erklären, frühzeitig Dosen abzugeben, frühzeitig Technologie zu teilen und da auch weiter Druck auf die Herstellerfirmen gemacht wird, dass das tatsächlich auch schnell passiert. Weil sonst wird es so aussehen, dass wir die Pandemie künstlich in die Länge ziehen und dass es nicht dazu beitragen wird, dass wir weltweit schneller aus dieser Pandemie herauskommen."

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Quellen: Volkart Wildermuth, Dagmar Röhrlich, Sandra Pfister, Ärzte ohne Grenzen, Anne Demmer, Marc Engelhardt, Dunja Sadaqi

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