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StartseiteForschung aktuellZahl der Tumortoten steigt13.09.2018

Weltweite Krebsdaten 2018 Zahl der Tumortoten steigt

Krebs. Keine andere Diagnose löst wohl solche Ängste aus. Und es sieht so aus, als ob die Tumorzahlen weiter nach oben gehen. Das zumindest legt der globale Krebsbericht 2018 nahe, den die Internationale Agentur für Krebsforschung in Lyon gerade vorgelegt hat.

Volkart Wildermuth im Gespräch mit Uli Blumenthal

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Diagnose Lungenkrebs: Ein Arzt zeigt auf einem Röntgenbild auf einen Tumor. (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)
Lungenkrebs ist laut globalem Krebsbericht vor allem in Ländern des ehemaligen Ostblocks weit verbreitet (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)
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Die Wissenschaftler der Internationalen Agentur für Krebsforschung haben Statistiken aus 185 Ländern analysiert und sich mit 36 verschiedenen Krebsarten beschäftigt und global betrachtet lautete ihr Ergebnis: Ja, die Zahlen steigen, die Forscher schätzen, dass dieses Jahr rund 18 Millionen Menschen mit der Diagnose Krebs fertig werden müssen, und rund 10 Millionen Menschen werden an Tumoren sterben. Das sind die bislang höchsten Werte. Anders ausgedrückt, bei einem von acht Männern und einer unter elf Frauen wird als Todesursache Krebs auf dem Totenschein stehen. Das heißt aber auch, andere Krankheiten spielen nach wie vor eine größere Rolle. In den Ländern des globalen Südens sind das vor allem die Infektionskrankheiten, in Industrienationen wie in Deutschland die Herz-Kreislaufleiden.

Uli Blumenthal: Also sind andere Todesursachen wichtiger und die Angst vor Krebs vielleicht doch übertrieben?

Volkart Wildermuth: Nein sagen die Forscher aus Lyon. Denn wenn man sich die sogenannten vorzeitigen Todesfälle anguckt, also Menschen, die vor dem 70sten Lebensjahr verstorben sind, dann kommt den Tumoren gerade in den Industrienationen eine besondere Bedeutung zu. Herz-Kreislaufleiden fordern in den höheren Lebensjahren ihren Tribut. Bei den unter 70 jährigen in Europa, in Nordamerika und Australien, aber auch in Japan stehen die Tumoren an erster Stelle.

Blumenthal: Welche Tumoren sind besonders gefährlich?

Wildermuth: Die Statistik der Sterblichkeit der Tumoren führt ganz klar der Lungenkrebs mit weltweit 1,8 Millionen Todesfällen an. Das liegt daran, dass Lungenkrebs einerseits besonders häufig ist und andererseits nur schlecht zu behandeln. Der Magenkrebs, das Kolorektalkarzinom und Lebertumoren fordern danach die meisten Opfer. An fünfter Stelle folgt dann der Brustkrebs. Für Frauen ist das die häufigste Tumortodesart.

Bei Frauen ist Brustkrebs, bei Männern Lungenkrebs am häufigsten

Blumenthal: Sie haben es schon angesprochen, gibt es denn große Unterschiede zwischen den Geschlechtern?

Wildermuth: Ganz klar. Bei Frauen ist der Brustkrebs fast überall auf der Welt die häufigste Krebserkrankung und das sogar zunehmend. Das liegt zum einen an der besseren Ernährung und damit an einem früheren Eisnetzen der Menstruation aber auch an dem weltweiten Trend weniger und später Kinder zu bekommen. Bei den Männern ist die Situation nicht so einheitlich. Im ehemaligen Ostblock dominiert der Lungenkrebs, in den Ländern Amerikas und in Europa das Prostatakarzinom und in Indien der Krebs der Mundhöhle. Wenn man sich die Sterblichkeit anguckt, sehen die Daten ein wenig anders aus. Bei den Männern ist es so, dass der Prostatakrebs durch die vielen Früherkennungsprogramme sehr häufig diagnostiziert wird, aber nicht jeder dieser Tumoren wächst auch aggressiv. Deshalb ist als Todesursache bei den Männern der Lungenkrebs viel wichtiger.

Bei den Frauen ist es so, dass es große Fortschritte bei der Behandlung des Brustkrebses gegeben hat. Deshalb gibt es zum Beispiel Bei den Frauen in Nordamerika und in Australien mehr Tote durch Lungenkrebs. Das gilt auch für China, da nimmt man an, dass die Lunge vieler Frauen durch die Abgase von Holzkohleöfen geschädigt wurde.

Blumentahl: Das Beispiel zeigt, dass es große Unterschiede zwischen den Ländern gibt. Konnten die Forscher aus Lyon da globale Trends ausmachen?

Wildermuth: Erst einmal: Krebs spielt in Ländern mit hohem Entwicklungsstand gemessen an Einkommen, Bildung und Lebenserwartung eine relativ größere Rolle. Das liegt vor allem daran, dass dort die Infektionskrankheiten zurückgedrängt werden konnten. Das bezieht sich jetzt auf die Häufigkeit von Tumoren. Was die Sterblichkeit betrifft, sind die Unterschiede nicht so groß, weil in reicheren Ländern zwar mehr Tumore auftreten, aber dafür auch die Behandlungsmöglichkeiten besser sind. Ganz klar ist, auch im globalen Süden wird die Bedeutung der Krebsleiden zunehmen.

Ansteigen der Krebserkrankungen auch bei Frauen

Blumenthal: Sind das jetzt Entwicklungen, die einfach so geschehen werden, oder kann man da auch aktiv gegensteuern?

Wildermuth: Das kann man und die Rezepte sind ja bekannt. Rauchen ist nach wie vor der wichtigste Risikofaktor für den tödlichsten Krebs, den Lungenkrebs. Leider steigen hier die Erkrankungszahlen gerade bei Frauen noch an. Das sind sozusagen Spätfolgen von der Gleichberechtigung in Sachen Rauchen, wobei beide Geschlechter inzwischen seltener zum Glimmstängel greifen und das wird sich dann in einigen Jahren auch in der Krebsstatistik widerspiegeln.

Es gibt noch weitere effektive Vorbeugungsstrategien vor allem Impfungen gegen Papillomviren, die für den Gebärmutterhalskrebs entscheidend sind und gegen Hepatitis B Viren. Hier haben Impfkampagnen in Südostasien schon Auswirkungen auf die Leberkrebsfälle gehabt. Auch Screening kann effektiv sein auch hier ist wieder der Gebärmutterhalskrebs zu nennen. Und nicht zu vergessen die Ernährung. Übergewicht spielt bei vielen Krebsarten eine Rolle, gepökeltes und rotes Fleisch, insbesondere wenn es schwarz angebraten wird. Also man kann selbst etwas tun, um sein Krebsrisiko zu senken. Aber leider ist es so, dass gerade beim Krebs auch viel von zufälligen Mutationen abhängt und das heißt einen sichere Schutz gibt es nicht und niemand ist schuld an seinem Krebs.

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