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StartseiteKommentare und Themen der WocheFalsche Themen in Davos22.01.2019

WeltwirtschaftsforumFalsche Themen in Davos

Mehr als 3000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind im schweizerischen Davos dabei. Doch mit Donald Trump, Theresa May und Emmanuel Macron fehlen nicht nur wichtige Akteure. Auch inhaltlich sei das Weltwirtschaftsforum dieses Mal schlecht aufgestellt, meint Klemens Kindermann.

Von Klemens Kindermann

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Blick auf eine Fensterscheibe mit dem Logo des Weltwirtschaftsforums.  (Dietrich Karl Mäurer / Deutschlandradio )
Abgeschirmt - das Tagungszentrum (Dietrich Karl Mäurer / Deutschlandradio )
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Wer braucht eigentlich noch das Weltwirtschaftsforum in Davos? Wie selbstverständlich staunen wir auch dieses Jahr wieder über Hubschrauber, die sich durch die verschneiten Schweizer Alpen kämpfen, durch den Schnee stapfende Manager mit wichtigen Mienen und dieses Jahr sogar über einen Sonderbahnhof der Rhätischen Bahn mit vier Halten pro Stunde. Aber wozu das alles? Die eigentlich wichtigen globalen Wirtschafts-Themen werden in Davos gar nicht mehr verhandelt.

Handelskonflikt und Brexit zweitrangig?

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China, der die gesamte Weltwirtschaft in eine Krise stürzen könnte, steht ebenso wenig im Mittelpunkt wie der Brexit, der das Zeug hat, Europa zu spalten. Vor allem aber: das größte globale Risiko, der Klimawandel, ist ebenfalls nicht das Thema von Davos 2019. Statt dessen geht es um "Globalisierung 4.0", noch genauer: um die "Suche nach einer globalen Architektur im Zeitalter der Vierten Industriellen Revolution." Klarer gesagt: es geht darum, wie man künftig möglichst gute Geschäfte in  Zukunftsindustrien wie der Künstlichen Intelligenz machen kann. Und wie der Ordnungsrahmen darum am besten aussehen könnte, damit die Geschäfte möglichst ungestört von statten gehen können.

Kommerz statt Klimaschutz

Diese verfehlte Themensetzung ist umso schwieriger zu verstehen, als die Experten des Weltwirtschaftsforums in ihrer 114 Seiten starken Studie, die traditionell eine Woche vor dem Beginn von Davos vorgelegt wird, selbst zu einem ganz anderen Ergebnis kommen. Von allen Risiken sei es bei der Umwelt am offensichtlichsten, dass die Welt in eine Katastrophe schlafwandele, heißt es da. Gemeint sind das Versagen beim Klimaschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel sowie die daraus folgenden Naturkatastrophen und Wetterextreme. Für die Weltwirtschaft der Zukunft lauern hier die größten Gefahren, die sich jetzt vielleicht erst in den Bilanzen einiger Rückversicherer zeigen, in wenigen Jahren aber schwere ökonomische Schäden rund um den Erdball verursachen werden, sofern sich nichts tut.

Doch die Organisatoren haben statt auf den Klimaschutz auf den kurzfristigen Kommerz gesetzt. Industrie 4.0 und wie die künftig laufen könnte – das ist allerdings mittlerweile täglich bei unzähligen Kongressen Thema. Dafür braucht es Davos nicht. Dass die Regierungschefs der USA, Großbritanniens und Frankreichs abgesagt haben, und auch Chinas erster Mann fehlt, ist vielleicht doch kein Zufall. Davos hat sich überholt. Die 64.000 Schweizer Franken für den Sonderhalt der Rhätischen Bahn – hinausgeworfenes Geld.    

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

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