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StartseiteWirtschaft und GesellschaftFreiwilligkeit statt Verbote27.02.2019

Weniger Plastikverpackungen im SupermarktFreiwilligkeit statt Verbote

Eingeschweißte Äpfel, Zitronen im Netz: Vor allem Obst und Gemüse werden im Supermarkt vielfach in Plastik verpackt. Das will Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ändern – und nimmt neben dem Handel auch die Industrie in die Pflicht.

Von Barbara Schmidt-Mattern

Frische Lebensmittel, Obst und Gemüse einzeln in Plastikfolie verpackt. (Imago / Jochen Tack)
In einigen Supermärkten gibt es fast kein Gemüse oder Obst, das nicht in Plastik verpackt ist (Imago / Jochen Tack)
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Am Anfang war die Tüte, jetzt legt Svenja Schulze nach. Dass inzwischen zwei Drittel aller Plastiktüten Geld kosten, wertet die Bundesumweltministerin als Beleg für erste Erfolge im Kampf gegen den Kunststoffmüll. Seit Januar ist außerdem ein neues Verpackungsgesetz in Kraft, dass die Abfälle eindämmen soll. Bleibt die Frage, wie sich von vornherein Plastik einsparen lässt. Sozialdemokratin Schulze nennt ein Beispiel:

"Wir wollen Plastik bei Obst und Gemüse möglichst vermeiden, dass wir Obst und Gemüse stärker mit Mehrwegnetzen und weniger mit Plastik nach Hause transportieren", erklärt die Ministerin am Rande eines Runden Tisches, zu dem sie am Vormittag Vertreter der Supermarkt-Ketten und der Lebensmittelkonzerne, sowie Umwelt- und Verbraucherschützer eingeladen hat.

Grüne fordern Verpackungsmüll bis 2030 zu halbieren

Die Bundesregierung will unter anderem, dass Kunden im Supermarkt mehr über recycelte Produkte erfahren und über ihren Transportweg. Denn je länger und weiter ein Produkt durch die Welt geflogen wird, desto mehr Verpackung ist in der Regel nötig.

"Die Kunden verändern sich im Moment. Und das haben wir auch sehr intensiv diskutiert, dass unsere Kunden immer mehr Fragen an uns stellen zur Nachhaltigkeit von Verpackungen und Produkten und haben dort eine Aufgabe, der wir gerecht werden wollen als Händler", erklärt Sebastian Bayer, Geschäftsführer des Drogiekette dm und Teilnehmer des Runden Tisches. Um Einweg-Plastik zu vermeiden, setzt die Bundesumweltministerin allerdings auf Freiwilligkeit:

"Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir hier mehr schaffen, als wir nur über Verbote schaffen", meint Schulze. Neue Regularien – also Vorgaben vom Gesetzgeber – würden mehr Zeit  kosten als freiwillige Selbstverpflichtungen. Die Partei Die Linke sieht das ganz anders, ebenso Anton Hofreiter, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Bundestag:

"Was wir jetzt brauchen, sind verbindliche Reduzierungsziele – und zwar notwendig ist, den Verpackungsmüll bis 2030 zu halbieren, was des Weiteren dafür notwendig ist, ist dass die Menge des Recycelns deutlich erhöht wird und die Qualität der recycelten Produkte erhöht wird."

Verpackungs-Produzenten müssen sich umstellen

Kein Land in der Europäischen Union produziert derart viel Plastikmüll wie Deutschland, pro Kopf und Jahr sind es 220 Kilogramm, Tendenz steigend. Auch Olaf Tschimpke vom NABU - Naturschutzbund Deutschland e.V. [*] fordert mehr Verbindlichkeit, das könne den Unternehmen sogar helfen, besser zu planen:

"Einige, für die ist das eine Existenzbedrohung, das ist ja klar. Und die brauchen Umstellungszeiten, nehmen wir mal diejenigen, die über viele Jahre Strohhalme hergestellt haben, die müssen neue Maschinen beschaffen, müssen sich auf andere Produktionswege, für die ist es schon wichtig, dass es eine Frist gibt. Das kann man ein bisschen verstehen. Andererseits ist dort auch notwendig, dass ein Endzeitpunkt gegeben ist durch die EU, dass das dann auch umgesetzt wird."

Anders als Bundesregierung setzt Brüssel schon längst auf klare Vorgaben und Verbote: Bestimmte Einwegprodukte wie Plastiktrinkhalme, Besteck und Teller sind nur noch zwei Jahre erlaubt. Eine andere EU-Richtlinie legt den Verbrauch von Plastiktüten fest – auch hier war also erst Druck aus Brüssel nötig, bevor die Bundesregierung reagierte. Bis zum Herbst will Svenja Schulze nun weitere konkrete Vereinbarungen mit Händlern und Herstellern treffen.


[*] Wir haben im Manuskript den Namen der Umweltorganisation, deren Präsident Olaf Tschimpke ist, korrigiert. Das Audio wurde gelöscht.

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