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StartseiteSprechstundeWenn die Gelenke mit 15 Jahren höllisch schmerzen04.06.2013

Wenn die Gelenke mit 15 Jahren höllisch schmerzen

Reportage: Rheuma bei einer jungen Frau

Entzündliches und chronisches Rheuma ist selten bei jungen Menschen, statistisch gesehen ist es eine Alte-Leute-Krankheit. Doch es gibt solche Fälle: Diese Menschen stoßen auf viel Unwissen.

Von Thomas Liesen

Rheuma macht viele Dinge im Alltag sehr schmerzhaft. (Stock.XCHNG / Matthew Bowden)
Rheuma macht viele Dinge im Alltag sehr schmerzhaft. (Stock.XCHNG / Matthew Bowden)
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"Also, um mir den Alltag ein wenig zu erleichtern, auch beim Kochen und um die Gelenke zu schonen, habe ich mich ein bisschen eingedeckt mit so ein paar Hilfsmittelchen. Ja, das sind glaube ich Sachen, die würde ich sonst nicht hinbekommen, mit einem normalen Dosenöffner wäre ich glaube ich ziemlich verloren."

Sarah Schubert ist Ende 20 und ihre chronisch entzündeten Gelenke machen die einfachsten Dinge des Alltags manchmal zur Qual. So muss die Studentin Bleistifte mit einer Art Gummigriff umhüllen, damit sie sie halbwegs schmerzfrei halten kann. Auch das Tippen auf der Tastatur ist immer nur minutenweise möglich. Angefangen hat alles schon mit 14 Jahren.

"Bei mir war es wirklich so: Ich bin abends ins Bett gegangen, da ging es mir noch gut und am nächsten Tag, als ich aufgewacht bin, hatte ich wahnsinnige Schmerzen in den Füßen. Ich konnte auch nicht mehr laufen."

Sie ging sofort zum Arzt, doch Rheuma bei Jugendlichen ist selten, daher wurde es zunächst nicht richtig diagnostiziert.

"Dementsprechend lang ging diese Zeit dann auch, wo ich dann immer bei den Ärzten war, bei verschiedenen Orthopäden, die irgendwelche Fehlstellungen in den Füßen festgestellt haben, die angeblich da sein sollten. Und dass es Rheuma ist, darauf habe ich hinterher den Arzt hingewiesen, weil er halt meinte, es könne kein Rheuma sein, weil die Finger nicht geschwollen waren. Und nachdem ich ihn dann darauf aufmerksam gemacht habe, dass die Handgelenke doch aber ziemlich dick sind, hat er halt ein bisschen unsanft gesagt: Dann wird es wohl Rheuma sein."

Fast schlimmer noch als das anfängliche Unverständnis vieler Ärzte traf sie die Reaktion mancher Mitschüler.

"Die meisten Menschen denken nach wie vor, das wäre eine Alte-Leute-Krankheit und dementsprechend gleitet das auch schnell ins Lächerliche. Das ist dann die, die eine Alte-Leute-Krankheit hat. Es wurde dann auch schon manchmal recht fies. Ich habe da wirklich schön einstecken müssen, noch zusätzlich zu den emotionalen und körperlichen Sachen, die man dann sowieso in dem Alter hat."

Das Rheuma verschlimmerte sich weiter. Aggressive Schübe griffen vor allem die Handgelenke an. Mittlerweile wurden ihr an beiden Händen künstliche Handgelenke eingebaut. 15 Jahre sollen die erst einmal halten. Aber die Fingergelenke sind weiterhin entzündet. Es ist daher für die junge Frau nicht einfach, den Mut zu bewahren.

"Kämpfen, man muss viel kämpfen. Ich habe jetzt noch das Glück, dass ich zumindest noch eine Familie hinter mir habe, die mich sehr unterstützt. Also ich stehe nicht ganz alleine da."

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