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StartseiteComputer und KommunikationWerbung unerwünscht!07.05.2011

Werbung unerwünscht!

Browserhersteller rüsten sich gegen Verfolgung im Netz

IT-Sicherheit.- Ob auf eigene Interessen zugeschnittene Werbung oder individuell an ihre Opfer angepasste Betrüger-Mails: Sogenannte Tracking-Technologien erlauben es, über jeden Internetnutzer Informationen zu sammeln. Aber damit soll bald Schluss sein.

Von Wolfram Koch

Beim Öffnen einer Internetseite lädt der Computer automatisch Tracking-Pixel herunter.  (Jan-Martin Altgeld)
Beim Öffnen einer Internetseite lädt der Computer automatisch Tracking-Pixel herunter. (Jan-Martin Altgeld)
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Jeder Ausflug ins Internet hinterlässt seine digitalen Spuren. Nicht nur im Netz, sondern auch im Speicher des Computers. Sie erlauben eine nahezu lückenlose Verfolgung - das Tracking - eines Nutzers. Cookies sind dafür die wohl bekannteste Methode. Diese kleinen Dateien dienen dem Austausch zwischen Computer und einer Internetseite. Beispielsweise wann der Nutzer sie besucht und welche Einstellungen er vorgenommen hat.

Zählpixel oder auch Tracking-Pixel dagegen sind winzig kleine Bilder. Sie sind in der Hintergrundfarbe der jeweiligen Oberfläche gehalten und deshalb unsichtbar. Beim Öffnen einer E-Mail oder einer Internetseite lädt der Computer sie automatisch aus dem Netz. Daraus kann ein Registrier-Server im Netz Rückschlüsse auf Betriebssystem, Browser sowie Rechner ziehen und sogar den Standort ermitteln.

Zusammen mit weiteren Verfahren können Server dann einen bestimmten Benutzer gezielt im Netz tracken. Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein, erklärt der Chefentwickler des Internet Explorers, Dean Hachamovitch von Microsoft:

"Tracken heißt verfolgt werden. Es gibt erwartetes und unerwartetes Tracking. Erwartetes Tracking ist was zum Beispiel beim Internet-Buchhändler passiert: Aufgrund der Suchhistorie bekommt man ständig Empfehlungen. Man ist sich dessen bewusst und hat es unter Kontrolle. Unerwartetes Tracking ist so etwas wie Stalking. Es passiert, wenn Programme im Netz ohne Wissen und Einverständnis des Benutzers das Verhalten im Web aufzeichnen, analysieren und dann Entscheidungen in seinem Namen treffen."

Diese erwartete Verfolgung soll dem Surfer Komfort bringen. Internetseiten erinnern sich an Nutzer und deren Einstellungen. Sie präsentieren basierend auf der Verhaltensanalyse unaufgefordert Inhalte von anderen Quellen. Etwa Börsenticker oder Sportergebnisse. Wer einen Kinderwagen angesehen hat, dem zeigen die Banner der Tageszeitung im Netz automatisch Werbung von Babynahrung und Windeln.

Die meisten Anbieter von Tracking-Technologie ermöglichen zwar diese zielgerichtete Werbung, lassen aber nicht zu, dass Nutzerinformationen an Dritte weitergegeben werden, weiß Thomas Caspers vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.:

"Allerdings gibt es da natürlich auch einen Schwarzmarkt mit Kriminellen, die versuchen aufgrund des Verhaltens auf bestimmten Webseiten Rückschlüsse zu ziehen, die dann dazu führen, dass man gezielt Schadsoftware bereitstellen kann. Zum Beispiel indem man weiß, von welcher Bank sie Kunde sind. Bei einem späteren Besuch auf der Seite kann man dann gezielt angreifen und einen Trojaner unterschieben, der dann genau Ihr Online-Banking-Portal über Ihr System angreift."

Neue Internetbrowser sollen die Verfolgung im Netz verhindern. So setzt Microsoft mit dem Internet Explorer 9 auf Tracking-Protection. Dafür muss man - wie derzeit üblich - aber keine Zusatzsoftware mehr installieren, so Dean Hachamovitch:

"Der Benutzer klickt auf einen Link und ist vor der Verfolgung geschützt. Internetexplorer lädt dann eine Liste mit Internetseiten, deren Inhalte künftig blockiert werden. Es handelt sich um den Inhalt, der zum Tracken genutzt werden kann wie Tracking Pixels oder Web Beacons."

Um sich keinen unnötigen Verdächtigungen auszusetzen, möchte Microsoft diese Listen aber nicht selbst erstellen. Internetprovider wie die Telekom oder unabhängige Institutionen sollen das erledigen. Die Tracking-Protection-Technologie hat Microsoft veröffentlicht und lädt Programmierer anderer Browser zur gemeinsamen Nutzung ein. Das Ziel ist ein einheitlicher Standard, den es derzeit noch nicht gibt. Während Google ein Cookie verteilt, das den Surfer vor Werbung schützen soll, setzt Mozilla mit dem neuen Firefox 4 auf ein "Do not Track"-Zeichen.

Dieses kann der Anwender im Browser aktivieren. Es wird fortan bei jedem Seitenaufruf an den Server übermittelt und signalisiert den Wunsch, nicht verfolgt zu werden. Das ist vergleichbar mit dem "Keine-Werbung"-Aufkleber für den Briefkasten. Ob er respektiert wird oder nicht, bleibt dahingestellt.

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