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StartseiteCampus & KarriereNoch hapert es an der Umsetzung09.11.2018

Wertbezogene Bildungs- und Erziehungsziele Noch hapert es an der Umsetzung

Eltern und Lehrkräfte finden das Thema Werte wichtig - das ist ein Ergebnis einer Studie des Verbandes Bildung und Erziehung. Bisher hapert es aus Sicht der Befragten aber noch an der Umsetzung im Unterricht. Das Thema "Wertevermittlung" will der Verband deswegen jetzt offensiver angehen.

Von Dieter Nürnberger

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Der Bundesvorsitzende des Lehrer-Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann (picture-alliance / dpa / Hendrik Schmidt)
Der Bundesvorsitzende des Lehrer-Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann (picture-alliance / dpa / Hendrik Schmidt)
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Die Schulgesetze der Länder und auch die Landesverfassungen haben wertbezogene Bildungs- und Erziehungsziele längst formuliert. Und vieles ist weitgehend Konsens - etwa der Erwerb sozialer Kompetenzen, der friedliche Umgang mit Konflikten oder natürlich auch die Förderung selbstständigen Lernens. Aus diesen Vorgaben wurden 16 Bildungs- und Erziehungsziele formuliert und in einer bundesweiten, repräsentativen Umfrage Lehrern und Eltern vorgelegt.

Laut Verband Bildung und Erziehung die erste Erhebung, die somit einen Abgleich zwischen den Erwartungen der Eltern und den Einschätzungen der Lehrkräfte ermöglicht. Erste Erkenntnis: Eltern und Lehrkräfte ziehen beim Thema Werte an einem Strang, so Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes, der die Untersuchung in Auftrag gegeben hat:

"Beide Gruppierungen machen deutlich, dass diese Bereiche für sie eine sehr hohe Bedeutung haben." 

So erreichen die meisten Bildungsziele eine Zustimmungsquote von mindestens 80 oder 90 Prozent. Auf der Rangliste ganz oben stehen die Werte des eigenverantwortlichen Handelns und die Förderung selbstständigen Lernens. Am unteren Ende der Skala die Ziele Orientierung an Leistungsfähigkeit und Förderung der Heimatverbundenheit. Die Untersuchung durchgeführt hat Peter Matuschek, Leiter der Politik- und Sozialforschung bei Forsa. Interessant sind für ihn die Details: Tendenziell schätzen Frauen die vorgegebenen Bildungsziele wichtiger ein als Männer. Auch der Bildungsgrad der Eltern habe Auswirkungen: Signifikant etwa bei der Einschätzung der Ziele Gleichberechtigung der Geschlechter oder Anerkennung von kultureller Vielfalt: Peter Matuschek:

"Die sind Eltern mit einem geringeren, formalen Bildungsgrad etwas weniger wichtig, als formal höher Gebildeten. Wir haben ähnliche Unterschiede - im Bereich von rund 10 Prozent - auch noch bei den Themen Einsatz für den Frieden und noch stärker beim Punkt Anerkennung von kultureller Vielfalt. Da gibt es ein gewisses Gefälle. Aber: Alle Ziele, die sich im oberen Bereich bewegen und somit Zustimmungsquoten von 80 Prozent oder mehr haben, zeigen wenig Unterschiede." 

Thema Demokratieerziehung oben auf der Agenda

Während den allermeisten Bildungszielen somit eine hohe Bedeutung zugemessen wird, hapert es aus Sicht der Befragten allerdings an der Umsetzung im Unterricht. Dass die Ziele überhaupt nicht erreicht werden, sagt zwar nur ein relativ geringer Anteil, doch maximal zwei Drittel geben an, dass die Ziele auch umgesetzt werden. Der Verband Bildung und Erziehung will deshalb mehr auf die Umsetzung drängen und verweist auch auf Forderungen der Kultusministerkonferenz. VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann:

"Ein wesentlicher Faktor ist, dass wir vor allen Dingen in den Schulen die notwendigen Zeitressourcen nicht haben. Wir wissen ja aufgrund der aktuellen Diskussion, dass auch KMK-Präsident Holter das Thema Demokratieerziehung hoch auf die Agenda gesetzt hat. Das lässt sich aber alles nur umsetzen, wenn ich auch die zeitliche Möglichkeit und die Mittel habe, es in der Schule erfahrbar und erlebbar zu machen."

Eltern sehen - übrigens mehr als die Lehrkräfte - vor allem auch zu große Klassenverbände als Hindernis bei der Vermittlung von Werten an. Auffällig zudem, dass bei der Frage der Umsetzung oder Nichtumsetzung jede fünfte Lehrkraft keine Angabe über die Gründe machen wollte.

Für den Auftraggeber der Studie, den VBE, müssten nun Konzepte entwickelt werden, die das Thema Wertevermittlung offensiver angehen. Gesellschaftlich sei der Ton längst rauer geworden, sagt Udo Beckmann, da komme der Schule eine besondere Verantwortung zu:

"Dass wir zusätzliche Unterstützung in den Schulen natürlich auch durch andere Professionen brauchen. Die müssen Lehrer bei der Umsetzung der Erziehungsarbeit zusätzlich unterstützen. Und vor allem brauchen wir einen politischen Diskurs über das Thema Werte."

Mut machen der Lehrergewerkschaft hier vor allem die meist hohen Zustimmungswerte bei den meisten der Bildungs- und Erziehungsziele. Sie deuten auf ein stabiles Wertebekenntnis in der Gesellschaft hin - auch wenn die Umsetzung im Unterricht schleppender verläuft als gewünscht.

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