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StartseiteVerbrauchertippGroße Unterschiede bei Bankgebühren28.10.2019

WertpapiereGroße Unterschiede bei Bankgebühren

Beim Handel mit Aktien und Wertpapieren verdienen Banken kräftig mit. Bei den Gebühren fürs Kaufen und Verwalten von Depots gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede, wie die Stiftung Warentest nun ermittelt hat. Dementsprechend groß ist das Sparpotenzial für Anleger.

Von Dieter Nürnberger

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Erinnerung in einem Terminkalender zur Eröffnung eines Wertpapierdepots (imago images / Steinach)
Bei Wertpapierdepots lohnt sich ein Vergleich der Gebühren, rät die Stiftung Warentest (imago images / Steinach)
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In den vergangenen Monaten haben einige Banken bei den Depot- und Orderkosten mehr oder weniger kräftig an der Gebührenschraube gedreht. Gleichzeitig gibt es nach US-amerikanischem Vorbild inzwischen auch einige Geldinstitute, die eine Art Flatrate bei einzelnen Gebühren eingeführt haben. Konditionen und Preismodelle bei Wertpapierdepots waren schon immer schwer zu durchschauen, sagt Michael Beumer, Anlageexperte bei der Stiftung Warentest. Doch in dieser Untersuchung fielen vor allem hohe Preisunterschiede auf.

"Wenn Sie ein Depot haben und bezahlen in dem einen Fall 80 Euro und in dem anderem Fall 800 Euro jährlich, dann ist das einfach viel Geld, welches Ihnen verlorengeht. Deshalb lohnt es sich, beim Depot auf die Kosten zu achten."

Depotgebühren und Orderkosten im Auge behalten

Die Grundregel lautet: Für Anleger, die mit ihren Wertpapieren wenig handeln, sind vor allem die Depotgebühren für das Verwahren der Anlagepapiere entscheidend. Jene, die relativ häufig zu- oder verkaufen, sollten hingegen vor allem die Orderkosten im Blick haben.

In der Untersuchung mit verschiedenen Modelldepots stellte sich heraus, dass vor allem Direktbanken vergleichsweise günstige Depots anbieten. Diese müssen aber rein übers Internet verwaltet werden. Einige Direktbanken verzichten sogar auf jährliche Depotgebühren, bei anderen ist dies an Bedingungen geknüpft, etwa an die Einrichtung eines Sparplans oder an eine Mindestanlagesumme.

Direktbanken meistens günstiger als Hausbank

Bei den Orderkosten sollten Kunden auf Festpreise achten, sogenannte Flatfees. Aufgrund dieses Preismodells lag die "Onvista Bank" bei allem Modelldepots vorn:

"Bei 'Onvista' ist es so, dass man immer eine feste Gebühr von sieben Euro zahlt. Während bei anderen Banken es häufig so ist, dass man prozentual auf die Anlagesumme zahlt. Wenn man also hohe Anlagesummen hat, etwa über mehrere tausend Euro, dann fährt man mit diesen sieben Euro deutlicher günstiger, egal wie viel Aktien gekauft werden."

Bei den meist teureren bundesweiten Haus- oder Filialbanken sind "Targobank" und "Postbank" am günstigsten. Bei den Orderkosten haben Filialkunden jedoch auch hier die Möglichkeit zu sparen. Zumindest dann, wenn sie keine Beratung durch einen Anlageberater benötigen. Warentester Micheal Beumer:

"Den Auftrag, ein Wertpapier zu kaufen oder auch zu verkaufen, geben Sie dann nicht mehr dem Bankberater, sondern Sie machen es selber am Computer. Denn jedes Wertpapier hat eine eindeutige Identifikationsnummer und die müssen Sie online entsprechend in die Ordermaske eingeben. Und dann wird diese gekauft oder verkauft."

Hohe Gebühren machen Depotwechsel attraktiv

Da sich Preise und Gebühren für ein Wertpapierdepot von Bank zu Bank so deutlich unterschieden, rät die Stiftung Warentest dazu, gegebenenfalls einen Wechsel zu erwägen. Für den Kunden sei es einfach, weil sich die neue Bank um die Abwicklung kümmert. Nur wenige Punkte seien zu dabei beachten:

"Man sollte gucken, ob die Kaufzeitpunkte der Wertpapiere auch richtig übermittelt werden. Weil das später bei der Abgeltungssteuer wichtig ist. Und wer Verluste mit seinen Aktien gemacht hat, sollte darauf achten, dass er sich von der alten Bank den Verlustübertrag bescheinigen lässt. Denn dann kann er das beim Finanzamt mit späteren Gewinnen verrechnen."

Und bei einem Depotwechsel können Anleger nicht selten von Sonderaktionen profitieren. Denn Banken bieten ihren Neukunden mitunter Rabatte oder sogar Geldbeträge zur Gutschrift an. Solche Aktionen sind befristet, die aktuellen Konditionen finden Neukunden auf den Internetseiten der Banken.

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