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StartseiteUmwelt und VerbraucherWertschöpfung durch Wind und Sonne02.09.2013

Wertschöpfung durch Wind und Sonne

Greenpeace stellt Studie zur Wirtschaftskraft der erneuerbaren Energien vor

Greenpeace verteidigt die Energiewende, das überrascht nicht. Jetzt hat sich die Umweltorganisation argumentative Schützenhilfe durch eine Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung in Berlin geholt. Sie besagt: Trotz Krise in der Solarbranche sorgen erneuerbare Energien für Wachstum in Deutschland.

Von Gerhard Schröder

Windkraftanlagen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und sorgen für Wachstum. (Stock.XCHNG / Florian K)
Windkraftanlagen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und sorgen für Wachstum. (Stock.XCHNG / Florian K)

Erneuerbare Energien sorgen für Wachstum, Jobs und zusätzliche Steuereinnahmen, sagt Andre Böhling von der Umweltorganisation Greenpeace. Zwar ist die Zahl der Beschäftigten in der Branche im vergangenen Jahr um zehn Prozent gesunken. Die Wertschöpfung aber ist auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Eine Verbesserung um zehn Prozent gegen über dem Vorjahr. Das geht aus einer Studie des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung hervor, die Greenpeace heute vorstellt.

"Erneuerbare Energien, gerade Wind und Sonne, sind ein enormer Wirtschaftsfaktor für Deutschland. Und dieser darf nicht zu Lasten einer blinden Kostendiskussion gestoppt werden. Wir müssen die Kosten und den Nutzen vergleichen und stellen dann mit dieser Studie fest, dass der Nutzen bundesweit höher ist als die Kosten."

Die Bilanz fiele noch positiver aus, wenn die Solarbranche nicht unverhofft in eine schwere Krise geschlittert wäre. Die Konkurrenz chinesischer Billiganbieter hat deutschen Herstellern das Leben schwer gemacht. Einige Solarfirmen mussten Insolvenz anmelden. Greenpeace-Experte Andre Böhling:

"International haben wir die Situation, dass es bei den Herstellern Überkapazitäten gibt und dass gerade aus China enormer Wettbewerbsdruck auf die deutschen Hersteller gewirkt hat. Und dies und die Debatten über Ausbaustopp, Ausbaudeckel führen dazu, dass Investoren abgeschreckt werden."

Das hat nicht nur der Solarindustrie zugesetzt, auch die Biogasbranche hat schon bessere Zeiten erlebt. Die Folge: Die Zahl der Beschäftigten in der Ökostrombranche ist gesunken, laut Greenpeace-Studie insgesamt um zehn Prozent auf 166.000. Rechnet man noch die Zulieferer und Dienstleister hinzu, sind es insgesamt 377.000 Jobs, die durch Erneuerbare Energien gesichert werden. Trotz des Rückschlags im vergangenen Jahr sieht die Umweltorganisation gute Perspektiven für die Branche, auch für die krisengeschüttelte deutsche Solarbranche:

"Also die Solarindustrie ist in den letzten Jahren derart günstig geworden, wie es kein Experte vorausgesehen hat. Und vor diesem Hintergrund sehen wir eine sehr positive Perspektive in den nächsten Jahren für die Solarenergie und auch für deutsche Hersteller."

Ohnehin ist der Bau von Windrädern oder Solarpaneelen längst nicht mehr der wichtigste Geschäftszweig. Immer wichtiger werden Planung, Installation und Betrieb der Anlagen. Diese Firmen stellen inzwischen zwei Drittel der Jobs und erwirtschaften zwei Drittel der Wertschöpfung der Branche. Und anders als bei großen zentralen Kraftwerken profitieren nicht nur einige wenige. Das sei der Vorteil dezentraler Energieerzeugung, sagt Professor Bernd Hirschl, der Leiter der Studie.

Nicht nur die industriellen Ballungsräume erleben dadurch einen Aufschwung, sondern auch Gemeinden in entlegenen Gebieten. Und die Aussichten sind günstig. Bei gleichbleibendem Ausbautempo werden die Erneuerbaren Energien im Jahr 2030 197.000 Menschen Lohn und Brot bieten, 20 Prozent mehr als heute. Die Wirtschaftsleistung wird laut Studie um 50 Prozent steigen.


"Das heißt: Erneuerbare Energien werden weiter für mehr Beschäftigung, mehr Steuereinnahmen und mehr Einkommen und Beschäftigte sorgen können, gerade in den Kommunen. Und deswegen sollten wir den Ausbau vorantreiben. Aber natürlich auch, weil wir eine Energiewende für mehr Klimaschutz und für eine bessere Umwelt in Deutschland brauchen."

Voraussetzung - so Böhling – sei allerdings, dass die Politik den Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht blockiere, sondern den Ausbau wie geplant vorantreibe.

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