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StartseiteSonntagsspaziergangAuf den Spuren des Bourbons in Louisville02.10.2016

Whiskey-Tour durch KentuckyAuf den Spuren des Bourbons in Louisville

Bei einer Fahrt übers Land vom US-Bundesstaat Kentucky finden sich viele Hinweise auf Whiskey-Destillerien. Auch am Ohio River in Louisville ist das sogenannte flüssige Gold allgegenwärtig: Produktion und Geschichte von Kentucky Bourbon kann hier auf Touren entdeckt werden.

Von Rita und Rudi Schneider

Ein Whiskey-Glas vor einem Fenster. (imago/Westend61)
Das flüssige Gold von Kentucky: Whiskey. (imago/Westend61)
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Flüsse waren schon immer der Grund für Ansiedlungen. Auf ihnen waren die ersten Entdecker unterwegs und auf ihnen kamen die ersten Siedler und das Material, mit denen sie die ersten Siedlungen bauten. So war es auch hier am Ohio River in Louisville, Kentucky.

An der Pier liegt die "Bell of Louisville", ein Schaufelraddampfer, der schon im frühen 20. Jahrhundert Fracht und Passagiere transportierte. Eines der Güter, die sie transportierte, waren ganz sicher auch Whiskey-Fässer, denn bereits fünf Jahre nachdem die ersten Siedler kamen und 1778 hier am Ohio River die Stadt Louisville gründeten, hatte Evan Williams in der Mainstreet die erste kommerzielle Destillerie in Kentucky aufgebaut.

In der Mainstreet pulsierte das Leben. Der Ohio River liegt so zentral in Amerika, dass sich Louisville, so sagt man, schnell zum Herz des Bourbon Whiskeys entwickelte. Wer diesem Herzschlag folgen will, kann auch heute noch die Evan Williams Distillery in der Mainstreet finden. In der alten Eingangstür wartet eine junge blonde Dame mit einem einladenden Lächeln auf uns.

"Mein Name ist Elly Sauer, das ist sehr deutsch. Sauer, wie Sauerkraut. Da bin ich sehr stolz drauf, wirklich, mit einem kleinen Kentucky Klang im Sauer."

Deutsche Auswanderer unter den ersten Siedlern

Elly ist nicht die Einzige, die hier einen deutschen Hintergrund hat. Unter den ersten Siedlern von Louisville gab es eine ganze Reihe deutscher Auswanderer. Die Whiskey Herstellung war schon bald so erfolgreich, dass die Mainstreet im Volksmund "Whiskey Row" genannt wurde.

"Der Grund für den Spitznamen 'Whiskey Row', den man um 1890 der Mainstreet gab, war die Tatsache, dass es entlang von 14 Blocks um die 50 Firmen gab, die ihr Geld mit Alkohol und Whiskey verdienten. Zu dieser Zeit gab es alleine im Jefferson County 47 Whiskey-Brennereien und zwölf Brauereien."

Heute zeigt Evan Williams in der Mainstreet Nr. 528 einen Destillen-Aufbau, wie er damals konfiguriert war, und Besucher können in der Anlage eine Reise in die Vergangenheit unternehmen. Wir starten unsere Zeitreise in der Brennerei an einem lebensgroßen Diorama, das uns nochmals ans Ufer des Ohio Rivers führt.

Elly Sauer: "Wir stehen hier am Ohio River und beobachten diese Szene, als Evans erster Kupferkessel geliefert wurde. Er kam stromabwärts auf einem Schiff von Pittsburg. Man sieht sehr schön, wie der Lademeister den Transport überwacht. Hier kann man auch wunderbar sehen, wie es mitten im Herzen von Louisville zuging, genau wo unser Gebäude heute steht. Wir stehen in der Straße, die dann die Mainstreet wurde. Und die nannte man dann später Whiskey Row."

Produktion von Whiskey

In der Whiskey Row siedelten sich sehr schnell weitere Destillerien an, die zum Teil auch heute noch dort sind. Hier bei Evan Williams kann man nicht nur in die Zeitgeschichte eintauchen, sondern auch eine Destille in all ihren Produktionsbereichen erleben. Charlie Downs ist der Master Distiller, und er erklärt uns, welche Dinge für den Bourbon das Fundament sind.

"Das hier sehr wichtig ist, das ist das Wasser. Unser Wasser ist wegen des Kalksteins sehr rein, hat gute Minerale, und das wirkt sich sehr günstig auf den Geschmack des Bourbons aus, deshalb gibt es so viele Brennereien in dieser Region. Das meiste Getreide kommt aus einem 80 Meilen Radius rund um unsere Destillerie. Das sind die gleichen Anbauer seit vielen Jahren. Einige Roggen- und Weizensorten kommen aus Minnesota oder North Dakota. Bei Weitem das Meiste kommt allerdings von unseren örtlichen Farmern. Wir halten es lokal."

Dann zeigt uns Charlie, wie man den Maischebehälter mit dem Getreide befüllt. Ich nehme dazu einen der bereitstehenden Behälter und lasse das Getreide vorsichtig, so wie Charlie es gezeigt hat, in den Edelstahltrichter fließen.

"In dieser Destillerie wird pro Tag nur ein Barrel Bourbon produziert", erzählt Charlie, "und der ist alles andere als eine Massenproduktion."

"Das Rezept, das ich mit meinen Master Distillern entwickelt habe, wird exklusiv in dieser Brennerei produziert. Die Geräte und Kessel, die wir hier benutzen, unterscheiden sich sehr von denen in unserer großen Destillerie. Dort wird der gesamte Prozess computergesteuert. Hier machen wir alles von Hand und das wirkt sich deutlich auf den Geschmack aus. Dieser Whiskey wird auch nur hier im Haus verkauft."

Das Herz der Destille ist eine Augenweide. Die einzelnen Geräte, Leitungen und Manometer befinden sich auf überschaubarem Raum und sehen aus, als würden sie jeden Tag poliert. Steht man neben ihnen, fühlt man deutlich die Wärme im Innern. Jodie Filiatreau ist Assistant Distiller. Sein Vater, Großvater, Onkel und die Cousins arbeiten seit mehreren Generationen im Bourbon-Whiskey-Geschäft erzählt Jodie und prüft die Temperatur im Kessel.

"Wir haben hier zwei Kupferkessel, die jeden Tag in Betrieb sind. Und weil wir alles von Hand befüllen und steuern müssen, gibt uns das wirklich das Gefühl, dass man den ganzen Prozess wie in der alten Zeit vollständig im Sinne des Wortes in der Hand hat. Das ist sehr gut."

Mit jedem Brennvorgang wird das Kupfer wegen der Hitze immer dunkler erzählt Jodie. Deshalb hat James Cox immer nach einer Woche einen wichtigen Job.

"Man braucht acht Stunden, um beide Kessel innen und außen zu polieren. Ich mache das mit einer Art Bürste, auf der ich ein spezielles Polierkissen habe und einfacher Autopolitur.

Bis jetzt hatten wir gelernt, dass ein Bourbon gutes Wasser und gutes Getreide braucht. Jetzt zeigt uns Charlie ein drittes Element, das offensichtlich ebenso wichtig ist, das Fass."

"Es muss ein Fass aus amerikanischer Weißeiche sein. Jede Destillerie hat ihre eigene Methode, das Fass im Inneren auszubrennen. Das geht von wenigen Sekunden bis zu 50 Sekunden. Das nennen wir "Light Toast", "Toast" oder "Heavy Toast". Wir geben unsere Spezifikationen an die Küfer, die unsere Fässer herstellen. Das hängt auch sehr davon ab, wie viele Jahre wir den Whiskey lagern und ruhen lassen wollen. Beim Bourbon-Whiskey kommen 60 Prozent des Geschmacks aus dem Fass. Die Wahl des Fasses macht also einen großen Unterschied."

Mit Charlie versammeln wir uns vor dem Eichenfass, das gerade befüllt wurde. Rita darf ein letztes Mal mit dem Zeigefinger den Geschmack durch das noch offene Spundloch prüfen. Dann zeigt Charlie ihr, wie das Fass mit einem Holzstopfen, der hier "Bung" genannt wird, verschlossen wird. Der Bung wird mit einem wuchtigen Holzhammer mit einigen kräftigen Schlägen in das Spundloch des Bourbon-Fasses getrieben.

Charlie und Rita signieren das Fass Nummer 126 mit dem Datum und ihren Namen, dann ist es bereit zum Abtransport. Damals, so erzählt Elly, wurden die Fässer noch auf Pferdefuhrwerken und natürlich auf Schiffen abtransportiert. Heute geht das Bourbon-Barrel Nummer 126 auch auf eine kleine Reise.

"Diese Fässer werden nach Bardstown, Kentucky, transportiert, das ist 45 Minuten von hier. Dort werden sie in großen offenen Fässerspeichern gelagert. Während der Lagerung sorgt die Mutter Natur durch Temperatur und Luftdruck dafür, dass sich die Fässer ausdehnen und zusammenziehen. Dadurch wird der Whiskey in das Holz gepresst und zieht sich auch wieder zurück. Nach viereinhalb Jahren beginnen wir, den Whiskey zu testweise zu verkosten. Bis er dann fertig ist, sollte er nicht jünger als acht Jahre sein. Wir sind dann sehr gespannt, wie er geworden ist."

Prohibition und Geheimbar

Mit Elly verlassen wir den Produktionsbereich der Destille und begeben uns auf den Weg in die Vergangenheit der "Whiskey Row", die in den Räumlichkeiten der Evan Williams Experience mit ihren typischen Fassaden und Inneneinrichtungen sehr anschaulich nachgebildet wurde.

In einem geschmackvoll im Stil der 30er-Jahre eingerichteten Raum kann man die feinen Geschmacksunterschiede der verschiedenen Spirits über Nase und Gaumen kennenlernen. Elly weiß so manch lustige und interessante Geschichte dazu. Aber sie erzählt auch von der Prohibition, die auch die "Whiskey Row" in Louisville damals kalt erwischte.

"Als die Prohibition kam, wurden alle Geschäfte über Nacht geschlossen und das war dann hier eine Geisterstadt."

Die Prohibition scheint aber auch ein Treibsatz für ein Ideenfeuerwerk gewesen zu sein, wie man trotzdem an Alkohol kam.

"Das ist die Apotheke, die sich während dieser Zeit genau gegenüber auf der anderen Seite der Mainstreet befand. Es gab nur wenige Möglichkeiten, während der Prohibition noch legal an Alkohol zu kommen. Eine davon war die Apotheke. Man brauchte allerdings ein Rezept seines Arztes. Das hier sind die medizinischen Alkoholika, die es auf der anderen Straßenseite gab."

Und die Artefakte dieser Prohibitionsumgehung wurden gleich nebenan gefunden.

"Als man dort die Erde für einen Parkplatz aushob, fanden sie ganze Körbe voll von diesen medizinischen Alkoholflaschen. Sie waren in einer Zisterne versteckt. Für uns ist das ein fantastisches Material für unser historisches Archiv, das wir gerne auf unserer Tour zeigen."

Die Apotheke ist natürlich nicht die einzige Idee gewesen, die Prohibition auszutricksen. Mit Elly steigen wir in den Keller des Gebäudes und landen vor einer der schweren Tresortür eines begehbaren Panzerschranks, so sieht es zumindest aus. Diese Tür hat jedoch ein kleines Fenster, das sich öffnet und die Parole wird abgefragt.

"Wenn die Gäste herunter kamen, mussten sie das richtige Passwort wissen, um durch diese Tresor Tür zu kommen. Wir haben einen Historiker, sein Name ist Rick Bell. Er spielt den Barkeeper von damals, sein Name ist dann 'Jake'. Jake ist natürlich zeitgemäß gekleidet, so um 1930, und er erzählt seinen Gästen dann sehr spannend, was damals hier Downtown in Louisville los war."

Und dabei sitzen die Gäste an einem typischen Tresen der damaligen Zeit, nippen an ihrem Bourbon und lauschen dem alten Grammophon, das an der Wand steht und der Geschmacksnote des Bourbons die passende akustische Klangfarbe beimischt.

Charlie Downs hat es auch ohne "Parole" in diese Geheimbar aus der Prohibition geschafft, und während wir eine seiner "Handarbeiten" einem Geschmackstest unterziehen rundet er unsere Entdeckungsreise zu den Anfangstagen der Bourbon-Geschichte mit einem weisen Vergleich ab.

"Hier machen wir alles von Hand, wir nennen es den Old Time Way. Wir arbeiten so, wie wir es früher gemacht haben. Es wie ein Gemälde. Der Künstler kontrolliert jeden Pinselstrich bis zum fertigen Gemälde. So wie er sein Bild perfektioniert, so perfektionieren wir hier unseren Bourbon."

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