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StartseiteForschung aktuellEin Plan gegen Schlangenbiss23.05.2019

WHO-Strategie für Afrika Ein Plan gegen Schlangenbiss

Jedes Jahr sterben in Afrika zehntausende Männer, Frauen und Kinder am Biss einer Schlange. Die Weltgesundheitsorganisation will das Problem jetzt angehen. Aufklärung, Ausrüstung und innovative Lösungen sowie mehr finanzielle Mittel seien dazu nötig. Bis 2030 soll sich die Zahl der Todesfälle halbieren.

Von Volkart Wildermuth

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Eine kleine Peringuey Otter bewegt sich im Sand und hinterlässt Spuren, aufgenommen im Hartmannstal im noerdlichen Kaokoveld im Norden von Namibia. (picture alliance / dpa / Thomas Schulze)
Besonders betroffen ist die Landbevölkerung in entlegenen Gebieten. Im Bild: Peringuey Otter, sie kommt in Namibia vor. (picture alliance / dpa / Thomas Schulze)
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Afrika braucht Antiserum Schlange, Gift und Tod

"Diese kleine unauffällige Schlange nennen wir auf Haussa 'Der Morgen ist weit'. Einer von fünf Gebissenen stirbt noch vor dem nächsten Tag. Er blutet aus den Augen, aus dem Mund. Blut ist im Urin, im Stuhl. Unter der Haut."

An der Klinik der Bayero Universität im nigerianischen Kano leitet Abdulrazaq Habib ein wichtiges Zentrum der afrikanischen Giftschlangenforschung. Jeder hier in der Gegend hat schon einen Bekannten oder Verwandten durch einen tödlichen Biss verloren. Für die Menschen in Nigeria sind die Schlagen ein drängenderes Problem als AIDS oder Tuberkulose. Betroffen sind die Ärmsten der Armen, Kleinbauern, Fischer, die kaum Zugang zu einer effektiven Behandlung haben. Marco Alves von Ärzte ohne Grenzen:

"Gerade in besonders entlegenen Gebieten ist das sehr, sehr schwierig, wenn die Gesundheitsstationen mit Beatmungsgeräten beispielsweise nicht ausgestattet sind; möglicherweise dort Schlangengegengifte da sind, die massive Nebenwirkungen haben, weil die Qualität einfach extrem schlecht ist. Und da muss auf ganz vielen Ebenen etwas getan werden."

WHO-Plan beruht auf vier Säulen

Der Plan der Weltgesundheitsorganisation zur Halbierung der Todesfälle durch Giftschlangen bis 2030 beruht auf vier Säulen. Zum einen geht es um Aufklärung.

"Beispielsweise in unserem Projekt in Äthiopien ist das ein sehr wichtiger Aspekt, die Bevölkerung aufzuklären über einfache Möglichkeiten sich zu schützen. Und da geht es auch darum, beispielsweise nachts Taschenlampen zu benutzen, bei Feldarbeit Schuhe anzuziehen. Dass Feldarbeitende eben nicht im Feld übernachten, wo sie völlig schutzlos den Schlangen ausgeliefert sind, und da braucht es einfach eine Aufklärungsarbeit."

Es gilt auch, wieder Vertrauen in die Gesundheitsstationen vor Ort zu schaffen, denn allzu oft können die derzeit gar nicht helfen. Es fehlt an bezahlbaren und wirksamen Gegengiften. Große Unternehmen haben sich aus der Produktion zurückgezogen, die Alternativprodukte sind oft von schlechter Qualität. Abdulrasaq Habib hat deshalb eine internationale Kooperation zur Produktion neuer Antiseren für Nigeria angestoßen.

Afrika braucht eine eigene Produktion für Antiserum

"Wir haben diese Antiseren erprobt. Das war die weltweit größte klinische Studie mit mehr als 400 Schlangenbissopfern und wir konnten belegen, dass diese Produkte wirklich sehr, sehr effektiv sind."

Solche Studien sind dringend erforderlich. Gerade hat der Welcome Trust 80 Millionen Pfund für die Erprobung von Antiseren zur Verfügung gestellt. Die Studien werden gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen organisiert. Das dritte Element des WHO-Plans ist die Stärkung der Gesundheitssysteme vor Ort. Marco Alves.

"Da geht es um aus unserer Sicht hier in Deutschland beispielsweise sehr banale Aspekte. Also um einfache Atemgeräte, um diagnostische Geräte oder Laborkapazitäten, die geschaffen werden müssen, um überhaupt feststellen zu können, welche Schlange hat da zugebissen und um welches Gift handelt es sich?"

Neben der Ausstattung geht es auch um innovative Lösungen. In Kenia und Nepal bringen inzwischen speziell ausgebildete Motorradfahrer Bissopfer schnell zur nächsten Gesundheitsstation und verbessern so deren Überlebenschancen. Die letzte Säule des WHO-Plans ist schließlich eine enge Kooperation zwischen verschiedenen Gesundheitsanbietern und unterschiedlichen Ländern.

"Und ganz klar, so etwas kostet auch Geld. Wir erhoffen uns auch von der deutschen Bundesregierung, bei diesem Event vor Ort zu sein, und auch da eine Unterstützung anzukündigen."

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