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StartseiteKommentare und Themen der WocheGeist des Multilateralismus21.07.2018

Widerstand gegen US-StrafzölleGeist des Multilateralismus

Während Donald Trump auf Protektionismus setzt, haben Japan und Europa ein Handelsabkommen unterschrieben. Auch China als bald größte Wirtschaftsmacht der Welt sucht Verbündete in Europa. Was hier an Handel zusammenwächst, kann den USA schon weh tun, kommentiert Marc Beise.

Von Marc Beise

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EU-Ratspräsident Donald Tusk, Japans Premier Shinzo Abe, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Juli 2017 bei der Ankündigung des geplanten Freihandelsabkommens Jefta. (dpa/pa/MAXPPP)
Allianz gegen Protektionismus: Japans Premier Shinzo Abe, EU-Ratspräsident Donald Tusk und Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach Unterzeichnung des Handelsabkommens. (dpa/pa/MAXPPP)
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Der Welthandel ist in Unordnung, es drohen regelrechte Wirtschaftskriege, und obwohl das immer noch besser ist, als wenn Menschen aufeinander schießen, ist es schlimm genug. Denn es geht, im Westen, um die Aufrechterhaltung des Wohlstandes. Natürlich hat das alles zentral mit Donald Trump zu tun, über dessen Verhalten man nur noch den Kopf schütteln kann, der selbst die verbündeten Europäer Gegner nennt und auch so behandelt. In der kommenden Woche nun reist EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach Washington, um den amerikanischen Präsidenten von dessen Strafzoll-Politik gegenüber der EU abzubringen. 

Wenn es stimmt, was John Kornblum sagt, der frühere US-Botschafter in Deutschland, dann kann sich Juncker die Reise eigentlich sparen. Für den Amerikaner Kornblum - einen der großen alten Männer der transatlantischen Beziehungen - nämlich hat die EU in diesem Konflikt kaum geeignete Druckmittel. "Die USA befinden sich auf dem Höhepunkt ihrer Macht", sagt Kornblum. "Es gibt keinen Bereich des öffentlichen oder privaten Lebens, wo man uns wehtun kann, das muss man leider so sagen." Zu versuchen, ein Freihandelssystem ohne die USA aufzubauen, sei "Selbstmord". Das EU-Handelsabkommen mit Japan sei zwar "nett", es bringe aber nichts, sagte Kornblum. "Die USA bleiben der Kern dieser Welt."

Russland hat Großteil seiner US-Staatsanleihen verkauft

Wenn er sich da nur mal nicht täuscht, der Herr Kornblum. Denn in der Tat wachsen gerade rund um den Globus kleine und größere Allianzen an den USA vorbei. Das Handelsabkommen zwischen Europa und Japan, das in dieser Woche unterschrieben worden ist, ist da nur ein Baustein und kein uninteressanter. In Europa und Japan leben fast doppelt so viel Menschen wie in den Vereinigten Staaten. Europa und Japan stehen für ein Drittel der globalen Wirtschaftsleistung. Was hier handelsmäßig zusammenwächst, kann den USA schon wehtun. Und spannend ist, wie sich die Chinesen, die bald die größte Wirtschaftsmacht der Welt sein werden, Verbündete suchen - auch in Europa. All das hält den Geist des Multilateralismus wach, das Prinzip, dass man sich gegenseitig den Handel erleichtern soll, nicht erschweren - und dass das Wohlstand schafft; während Trumps Protektionismus Wohlstand vernichten wird. 

Und dann passiert da gerade noch etwas, etwas vielleicht ganz Großes, dessen Umrisse noch gar nicht richtig zu erkennen sind - aber es passiert: Die USA sind ja bekanntlich der größte Schuldner der Welt, sie finanzieren ihren Wohlstand seit Langem maßgeblich dadurch, dass sie sich bei anderen Geld leihen. Überall liegen diese amerikanischen Staatsanleihen, also die Wertpapiere jener, die den USA Geld gegeben haben. Jetzt hat es erstmals ein Staat gewagt, die Kreditbeziehungen mit den USA weitgehend zu lösen. Ausgerechnet Russland, dessen Präsidenten Wladimir Putin Trump so sehnlich umgarnt, hat in den vergangenen Monaten den Großteil seiner US-Staatsanleihen verkauft. Putin ist also gewissermaßen Trump beim Gipfel in Helsinki sozusagen mit dem erhobenen Mittelfinger entgegengetreten: Ich brauch Dich nicht, merk Dir das!

USA haben 1.300 Milliarden Dollar Schulden in China

Nun ist Russland nicht der Nabel der Welt, hat trotz Putins Großmachtgetöse sogar an wirtschaftlicher Kraft verloren. Aber es ist ein Signal. Man stelle sich Trump am besten da entgegen, wo er verletzlich ist: beim Dollar. Noch ist das die Weltleitwährung, noch können die USA die Welt drangsalieren, weil die wichtigen Geschäfte in Dollar und häufig über den amerikanischen Finanzplatz abgewickelt werden. Aber nicht nur Russland, auch Europäer und China denken darüber nach, sich vom Dollar unabhängiger zu machen. Angeblich spielt Peking schon mal durch, was es bedeuten würde, wenn auch China US-Staatsanleihen verkaufen würde. Die USA sind bei China mit 1.300 Milliarden Dollar verschuldet.

Da kommt also etwas gerade in Gang, von dem man noch nicht absehen kann, wohin es uns führt. Aber eines muss klar sein: Deutschland, Europa, die Welt darf sich wehren gegen den amerikanischen Imperialismus des Donald Trump, ja, man muss sich wehren - und man hat Instrumente dafür. Und deshalb ist es gut und richtig, wenn Jean-Claude Juncker nach Washington fährt, selbst wenn er dort verhöhnt und verlacht werden sollte.

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