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StartseiteVerbrauchertippBei Ferngläsern genau hinschauen24.07.2019

Widrige SichthilfenBei Ferngläsern genau hinschauen

Schadstoff-Probleme haben laut Stiftung Warentest Ferngläser sämtlicher Preisklassen. Von 18 bis über 400 Euro. Die Belastungen wurden in den Augenmuscheln, den Handflächen und bei den Trageriemen der Testmodelle nachgewiesen.

Von Dieter Nürnberger

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Ein Fernglas (picture alliance / dpa / Foto: Friso Gentsch)
Im Ferngläser-Test gab es zahlreiche schlechte Bewertungen (picture alliance / dpa / Foto: Friso Gentsch)
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Ein so negatives Gesamturteil einer Warentest-Untersuchung lässt natürlich aufhorchen: Wenn 16 von 17 Testprodukten die Bewertung "mangelhaft" bekommen, dann liegt grundsätzlich etwas im Argen.

So geschehen bei der aktuellen Untersuchung von Ferngläsern, sagt Markus Bautsch von der Stiftung Warentest.

Schadstoffe können vom Körper aufgenommen werden

"Es gibt schon noch deutliche Unterschiede bei den optischen Eigenschaften - von 'sehr gut' bis 'mangelhaft'. Aber: 16 von 17 Ferngläsern sind bei den Schadstoffen mit 'mangelhaft' bewertet worden und deshalb auch im Test-Qualitätsurteil 'mangelhaft'."

Die Untersuchung zeigt: Schadstoff-Probleme hatten Ferngläser sämtlicher Preisklassen. Von 18 Euro bis über 400 Euro. Die Belastungen wurden in den Augenmuscheln, den Handflächen und bei den Trageriemen der Testmodelle nachgewiesen. Allesamt sensible Bereiche, die mit der Haut des Nutzers in Berührung kommen, die Schadstoffe können somit vom Körper aufgenommen werden. Gefunden wurden vor allem Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK.  

"Von vielen wissen wir, dass sie Krebs erzeugen, andere stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Und wir sind der Meinung, wenn die entsprechenden Grenzwerte überschritten sind, dass das mit 'mangelhaft' zu bewerten ist. Es gab vereinzelt auch noch Weichmacher, die sogenannten Phthalate und kurzkettige Chlorparafine, die wir gefunden haben. Aber das Gros der Schadstoffe waren diese PAKs."

Die Stiftung Warentest macht darauf aufmerksam, dass für die Bewertung nicht die EU-Grenzwerte ausschlaggebend waren. Sie seien nicht streng genug, so Markus Bautsch.

"Es gibt gesetzliche Grenzwerte, die in der EU bei Stoffen gelten, von denen wir wissen, dass sie Krebs erregen. Es gibt aber auch Stoffe, die im Verdacht stehen - da gibt es noch keine gesetzlichen Grenzwerte.

Serienweise Grenzwerte gerissen

Weshalb sich die Stiftung Warentest an den strengeren Maßstäben eines deutschen Verbrauchersiegels orientiert hat.

Es gibt aber das GS-Zeichen für Geprüfte Sicherheit. Wo bestimmte Geräte, die man länger in der Hand hält - wie beispielsweise auch Ferngläser - eben bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten sollen. Und die wurden serienweise gerissen."

Und so wurden auch sechs Ferngläser, die bei den optischen Eigenschaften eine gute Benotung erreichten, auf "mangelhaft" abgewertet. Vier weitere Modelle, die als wasserdicht deklariert waren, überstanden das Tauchbad nicht, denn danach waren die Objektive undurchschaubar trüb. Nur das teuerste Modell in der Untersuchung erhielt am Ende kein "mangelhaftes" Qualitätsurteil.

Warentester Markus Bautsch: "Ein sehr interessantes Produkt von 'Canon'. Das ist nämlich das einzige Gerät in unserem Test, was zu der normalen Optik auch noch eine elektronische Bildstabilisierung hat. Und dadurch ein besonders ruhiges Bild gewährleistet. Und die Optik und die Handhabung sind gut. Allerdings: Mit rund 460 Euro auch nicht ganz billig."

Natürlich wurden nach der Untersuchung auch die Hersteller über die negativen Ergebnisse informiert. Vorbildlich reagierte das Unternehmen "Vanguard" - gegen Vorlage des Kassenbons ist ein Umtausch oder eine Preiserstattung möglich. Und "Steiner" und "Zeiss" wollen zumindest die von Schadstoffen betroffenen Trageriemen umtauschen.

"Wir können den Verbrauchern nur empfehlen, sich an die Anbieter zu wenden und nachzufragen. Und wir hoffen natürlich auch, dass kommende Generationen der Ferngläser dann sehr viel weniger Schadstoffe beinhalten."

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