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StartseiteCorso„Utopien sind denkbar schlechte Spielarenen“18.11.2019

Wie Games die Zukunft entwerfen„Utopien sind denkbar schlechte Spielarenen“

Die meisten Computerspiele, die von der Zukunft handeln, entwerfen ein dystopisches Bild der Welt. Utopien kommen in Games sehr viel seltener vor. Dafür gibt es gute Gründe, erklärte Game-Experte Benjamin Beil im Dlf. Der Anreiz zum Spielen fehlt: „Es gibt in der Utopie keine Welt zu retten.“

Benjamin Beil im Corsogespräch mit Juliane Reil

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Ausschnitt aus dem Computerspiel "Death Stranding": Am Eingang einer Höhle ist die Silhouette eines Mannes zu erkennen. (IGDB/ Kojima Productions)
Bei Computerspielen überwiegt oft der pessimistische Blick in die Zukunft wie in dem Spiel "Death Stranding", Utopien kommen selten vor. (IGDB/ Kojima Productions)
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Naturkatastrophen, Hungersnöte, der nukleare GAU, religiöse Konflikte, Kriege - das ist nur ein kleines Arsenal von Themen in Computerspielen, die in der Zukunft spielen. Dabei sind Dystopien eindeutig stärker vertreten. Utopien mit einem optimistischen Bild der Zukunft kommen dagegen seltener vor. 

Kein Konflikt, kein Wettbewerb

Dafür gebe es gute Gründe, sagte der Medienkulturwissenschaftler und Game-Experte Benjamin Beil im DLF. Der Spielanreiz würde fehlen. Wenn man davon ausgeht - so Beil weiter - dass die Utopie der bessere Ort ist, wo es alles im Überfluss gibt, dann sei das auf Dauer auch ein langweiliger Ort mit wenig Konfliktpotential. Der Gedanke des Wettbewerbs würde in einem solchen Szenario obsolet: "Es gibt in der Utopie keine Welt zu retten."

Wir haben noch länger mit Benjamin Beil gesprochen - hören Sie hier die Langversion des Corsogesprächs

Dementsprechend gebe es keine rein utopische Spielwelt nach Aussage des Medienkulturwissenschaftlers. Wenn man eine Utopie jedoch nicht als vollkommenen Ort, sondern als Hoffnung und Spieleprinzip deuten würde, dann ließen sich in Spielen eine Reihe von interessanten Beispielen dafür finden, die man als utopisch bezeichnen könnte. Das Verbessern einer dystopischen Spielwelt sei so ein Beispiel, erklärte Beil: "Es gibt aber auch den Bereich der Serious-Games, der Lernspiele, der Gamification und der Ludification, die versuchen die Welt ein wenig besser - ein wenig utopischer - zu machen."

Gamer-Szene eher rückständig als zukunftsweisend

Spiele selbst würden oft als das Medium der Zukunft verkauft werden, sagte Beil. Dabei seien die Arbeitsbedingungen in diesem Bereich nach wie vor sehr viel schlechter als in vielen anderen Branchen. Das müsse sich ändern: "Aber es ist ein sehr langsamer, mühsamer Wandel noch."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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