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StartseiteForschung aktuellSprachverständnis von Vierbeinern30.08.2016

Wie Hunde aufs Wort hörenSprachverständnis von Vierbeinern

Hunde und Menschen haben eine lange, gemeinsame Geschichte. Sie haben gelernt einander zu verstehen. Es gibt Hunde, die hunderte von Worten kennen und in der Lage sind, passende Gegenstände zu holen. Eine bemerkenswerte Leistung, auf die ihr Gehirn eigentlich nicht vorbereitet ist. Forscher aus Ungarn berichten nun, wie das Hundehirn Menschensprache verarbeitet.

Von Volkart Wildermuth

Ein Mann spielt am 12.03.2014 in Berlin bei Sonnenuntergang mit seinem Hund. (picture alliance / dpa / Daniel Bockwoldt)
Hunde sind in der Lage, hunderte menschliche Wörter zu unterscheiden und danach zu handeln. (picture alliance / dpa / Daniel Bockwoldt)
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Ein Hirnscanner brummt im Labor für vergleichende Verhaltensforschung an der Universität Budapest. Eine Tiertrainerin versucht einen Hund dazu zu bringen, bewegungslos da zu liegen. Keine leichte Aufgabe. Attila Andics:

"Das Training dauert mehrere Monate. Wir bringen den Hunden alles Schritt für Schritt bei und loben sie immer wieder. Außerdem ist ein zweiter Hund dabei, das macht sie eifersüchtig."

Sie wollen dann mehr Aufmerksamkeit und lernen besser. Der Biologe Attila Andics arbeitet nicht mit Laborhunden, sondern mit Golden Retrievern, Schäferhunden und Collies, die ganz normal in Familien leben. Dort sind sie ständig von menschlicher Sprache umgeben und hören genau hin, was gesagt wird, um zu verstehen, was ihr Herrchen oder Frauchen will.

Sprachverarbeitung des Hundes ähnelt der von Menschen

Das ist eine Aufgabe, für die ihr Hundehirn eigentlich nicht vorbereitet ist. Um zu verstehen, wie es ihm trotzdem gelingt, die artfremden Signale zu interpretieren, spielte Attila Andics 13 Hunden im Scanner Worte vor. Dabei variierten sowohl Inhalt als auch Sprachmelodie. Es gab lobende Worte:

"Super, great!" Andics spricht die Worte einmal lobend und anschließend in neutralem Ton aus.

Und grammatische Worte, die keine inhaltliche Bedeutung haben:

"Although, nevertheless", auch hier einmal lobend ausgesprochen, dann neutral.

Bei der Analyse der Reaktion des Hundehirns auf die menschlichen Worte stellte sich heraus, dass die Haustiere Sprache in ähnlichen Regionen verarbeiten wie ihre Besitzer. Die linke Hirnhälfte beschäftigt sich mit dem Inhalt, dem Unterschied zwischen lobenden und neutralen Worten. Dagegen folgt ein Hörzentrum in der rechten Hirnhälfte der Sprachmelodie. Diese Arbeitsteilung der Hirnhälften bei der Sprachverarbeitung findet sich auch beim Menschen. Die Ähnlichkeiten gehen sogar noch weiter, so Attila Andics:

"Wir wollten herausfinden, wie die Hunde Worte verstehen. Und dabei zeigte sich das aufregende Ergebnis unserer Studie. Wir haben uns das Belohnungszentrum angesehen. Das reagierte auf die lobenden Worte, aber nur, wenn sie auch in einem lobenden Tonfall gesprochen wurden. Also bei der Interpretation der Worte achten die Hunde auf die Bedeutung und die Betonung, genau wie wir Menschen."

Menschliches Sprachvermögen: "Die neuronale Grundlage existierte schon lange vor der Sprache."

Das undatierte Handout des Berliner Zoos zeigt im Chor heulende Kanadische Wölfe. (picture alliance / dpa)Auch andere Tiere, wie hier die Wölfe im Berliner Zoo, kommunizieren miteinander. Sind die neuronalen Voraussetzungen des menschlichen Sprachvermögens auch bei anderen Säugetieren vorhanden? (picture alliance / dpa)

Der Befund ist deshalb so spannend, weil er zeigt: Das besondere Sprachgeschick des Menschen geht nicht auf eine einzigartige Verschaltung des Gehirns zurück. Wahrscheinlich können die meisten Säugetiere lernen, die Bedeutung von Worten zu verstehen. Zumindest wenn sie denn in einer Umgebung leben, in der menschliche Sprache für sie wichtig ist:

"Obwohl wir hier Hunde untersucht haben, wirft das auch ein Licht auf die Evolution der menschlichen Sprache. Es scheint hier keine großen Unterschiede in den neuronalen Verarbeitungswegen zu geben. Wir vermuten: Es gab da keinen großen Knall im Gehirn und plötzlich konnte es Worte verwenden. Es war eher eine Erfindung, ein kreativer Einfall, der zu den ersten Worten geführt hat. Die neuronale Grundlage existierte schon lange vor der Sprache."

Aber sie war verborgen, blieb ungenutzt, bis ein findiger Mensch auf die Idee kam, nicht nur über die Lautmelodie Emotionen auszudrücken sondern auch über die Lautfolge Bedeutungen zu übermitteln. Diese kreativen Möglichkeiten fehlen den Hunden, deshalb können sie ihren Besitzern zwar zuhören, aber selbst nicht bellen, dass sie jetzt Fleisch wollen und kein Trockenfutter.

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