Mittwoch, 19.12.2018
 
Seit 09:30 Uhr Nachrichten
StartseiteCampus & KarriereWie schreibt man eine Telenovela?07.10.2005

Wie schreibt man eine Telenovela?

Die Messe "Scriptforum" als wichtige Kontaktsbörse für Drehbuchautoren

Während Regisseure und Schauspieler durch einen erfolgreichen Film ins Rampenlicht geraten, bleiben sie meistens im Hintergrund: die Drehbuchautoren. Obwohl ohne sie gar nichts geht beim Film, kennt man selten ihre Namen. Um das Selbstverständnis der Filmautoren zu stärken, den Nachwuchs zu fördern und die Macher besser zu vernetzen, findet derzeit in Berlin die Fachmesse für Drehbuch und Stoffentwicklung statt. Organisiert von der Master School Drehbuch will die Messe ein Kommunikationsforum sein und Kontakte zwischen Drehbuchautoren, Producern, Redakteuren und anderen Filmschaffenden befördern.

Von Marie Wildermann

Viel fernsehen gehört zum Job des Drehbuchautors. (Stock.XCHNG / Andre Lubbe)
Viel fernsehen gehört zum Job des Drehbuchautors. (Stock.XCHNG / Andre Lubbe)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast

" Es ist schon so, dass man als Autor sehr genau Fernsehen gucken muss, man muss sich klar sein, was will ich schreiben, will ich ein Fernsehspiel schreiben, eine Komödie, ein Drama schreiben, will ich in die Serienlandschaft oder will ich in die Telenovela. Und dann muss man sehr genau aufpassen, was läuft da auf dem Abspann. Welche Namen stehen da, welche Firma steht da. Und dann muss ich mir diese Firmen merken und muss mir sagen, die kontaktiere ich mal, denn das Format, das ich gerade gesehen hab, ist genau das, wofür ich auch gerne für schreiben will. Und dann muss er das Format sehr gut kennen. "

Gerwin Dahm ist ein alter Hase im Filmgeschäft. Er produzierte die Serie "St. Angela", 235 mal rauschte die über den Bildschirm, sieben Jahre lang. "Den Markt kennen", ergänzt er, "ist nur der erste Schritt." Das Sesam-öffne-dich der Branche heißt Kontakte. Um die herzustellen, gibt es das Scriptforum, mittlerweile im sechsten Jahr. Diese Messe hat sich im deutschsprachigen Raum zur wichtigsten Kommunikationsforum im Bereich Drehbuch entwickelt. Hier erfährt man, welche Serien bei ARD und ZDF angesagt sind, welche Formate Sat1 plant und mit welchen Produzenten von RTL man unbedingt Kontakt aufnehmen muss. Das sind auch die Erwartungen, mit denen das Fachpublikum zum Scriptforum kommt.

"Ich sehe es ganz klassisch auch als Verkaufsmesse, ich hab ein paar neue Projekte in der Tasche, das sind vor allem Dinge, die ich gerade schreibe, Dinge, die noch in einem früheren Stadium sind, die noch nicht bei Partnern untergebracht sind. "

" Man muss ganz stark auch in Kontakt mit der Filmszene sein, damit man auch weiß, wo es hingehört, und dazu muss man Leute kennen. "

" Ich habe wirklich einen Stoff mitgebracht. Ich habe zwar ein paar Namen aufgeschrieben, aber ich kenne die Gesichter nicht dazu, ich muss die erst mal finden. Ich muss versuchen, die zu interessieren mit einem kleinen mündlichen Pitch, ob die Interesse haben an dem Stoff, ich kenne die Szene zu wenig, das ist ja die Schwierigkeit, wenn man in Österreich lebt, dass man den deutschen Markt zu wenig kennt."

Doch wie steht es tatsächlich um den Markt? Um die Chancen von Drehbuchautoren? Gerwin Dahm:

" Es gibt sicher eine Handvoll oder zwei Hände voll super Autoren in Deutschland, die sehr viel schreiben, vor allem im Serienbereich sehr viel schreiben. Dann kann man mit dem Beruf auch richtig wohlhabend werden. Aber es gibt eben viele Autoren, die vielleicht eben nur den Auftrag für ein Fernsehspiel im Jahr bekommen, und die haben schon - sagen wir mal - zu knapsen. "

Ein Fernsehspiel - das heißt zirka 20.000 Euro. Brutto. Es liegt auf der Hand, dass viele Autoren auf die Serie ausweichen bzw. auf die Telenovela, die gerade voll im Trend liegt. Die Telenovela ist im Grunde nichts anderes als ein verfilmter Groschenroman. Die Sender überbieten sich derzeit in der Produktion dieses kostengünstigen Formats. Um das Genre bedienen zu können, gründete die Potsdamer Produktionsfirma Grundy-Ufa eigens eine Serienschule.

Andererseits führen die Sparmaßnahmen bei anderen Formaten zu einem enormen Kostendruck. Monika Schmid vom Verband der Deutschen Drehbuchautoren:

" Es ist auch üblich geworden, wenn ein Produzent neue Stoffe sucht, dass er dann mehrere Autoren gleichzeitig anruft und dieses Thema anbietet und dann schreiben unter Umständen 10 Autoren gleichzeitig an derselben Idee und einer davon wird eben ausgewählt.

Es hat früher immer Geld gegeben für, Exposés, die man geliefert hat. Auch das hat sich geändert. Entweder sind die Honorare dafür gesunken oder man muss auch das Exposé zunächst mal umsonst schreiben. "

Um auf dem harten Markt bestehen zu können, rät die gestandene Autorin den Nachwuchstalenten:

" Wenn man sich zusammentut mit anderen Kollegen, und das beobachte ich in den letzten Jahren, ist bei den Nachwuchsautoren mit größerer Selbstverständlichkeit der Fall, sich nicht mehr als Allein-Autor zu begreifen, sondern zu sagen, mit den Kollegen, mit denen ich studiert habe, wir bilden jetzt gleich mal eine Gruppe und wir bilden jetzt gleich mal eine Produktion - das halte ich für einen sehr gangbaren Weg."

Ob allein oder im Autorenteam: Drehbuchschreiben ist ein hartes Brot. Die Budgets für Produktionen werden immer weiter heruntergefahren. Nicht selten schreibt ein Autor 4, 5 oder 6 verschiedene Drehbuchfassungen, weil zu viele mitreden. Doch das letzte Honorar fließt erst bei Abnahme der endgültigen Fassung. Da braucht es neben einem gesunden Geschäftssinn vor allem eine gehörige Portion Beharrlichkeit und Stehvermögen.

Infos


Scriptforum - alles über die Messe, die Netzwerke, die Kooperationspartner

Verband der Deutschen Drehbuchautoren. Bei dem Interessenverband für Film- und TV-Drehbuchautoren findet man eine Verzeichnis seiner Mitglieder (u.a. Felix Huby), Infos über die Wege, wie man Drehbuchautor wird, welche Seminare es zu speziellen Aspekten des Drehbuchschreibens gibt und Ratschläge zu Rechten der Autoren, Honoraren oder Verträgen.

Master School Drehbuch

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk