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StartseiteInterviewWiederaufbau und Wettlauf um libysches Öl25.08.2011

Wiederaufbau und Wettlauf um libysches Öl

Wintershall-Sprecher: "Wir waren auch schon vor Gaddafi in Libyen tätig"

Für die BASF-Tochter Wintershall habe der libysche Bürgerkrieg trotz Produktionseinstellung im Land geringe Auswirkungen, sagt Unternehmenssprecher Stefan Leunig. Sobald die Sicherheitslage es zuließe, wolle man die Förderung wieder aufnehmen. Gespräche mit den Rebellen habe es bereits gegeben.

Stefan Leunig im Gespräch mit Friedbert Meurer

Die Wintershall-Ölpumpen in Libyen sollen baldmöglichst wieder fördern (AP)
Die Wintershall-Ölpumpen in Libyen sollen baldmöglichst wieder fördern (AP)

Friedbert Meurer: Der Bürgerkrieg in Libyen scheint entschieden, trotz letzter Gefechte. Die Rebellen haben die Hauptstadt Tripolis weitgehend eingenommen. Damit geht ein Bürgerkrieg dem Ende entgegen, der vermutlich Tausenden Menschen das Leben gekostet hat. Genaue Zahlen kennen wir allerdings nicht. Der Krieg hat allerdings auch der Wirtschaft des Landes schwer geschadet. Für einige Monate konnte kein Öl produziert und exportiert werden und Öl ist doch das mit weitem Abstand wichtigste Exportgut Libyens. Die internationalen Konzerne prüfen nun langsam ihre Rückkehr, auch die deutschen Konzerne.
Wichtigster Ölproduzent Deutschlands in Libyen ist also die BASF-Tochter Wintershall. Sie betreibt mehrere Ölfelder in Libyen und die Arbeit dort ruht. Viele Mitarbeiter - Sie erinnern sich vielleicht - sind in einer spektakulären Aktion aus einem Wüstencamp Ende Februar von der Bundeswehr ausgeflogen worden. - Stefan Leunig ist Sprecher des Unternehmens Wintershall und ihn habe ich gefragt, wie sieht es im Moment an den Ölfeldern aus.

Stefan Leunig: Wir haben aus Sicherheitsgründen ja Ende Februar unsere Produktion in der libyschen Wüste eingestellt, wir haben die Produktion heruntergefahren, sicher eingeschlossen, und seitdem produzieren wir dort kein Öl mehr, haben, wie Sie es erwähnt haben, unsere internationalen Mitarbeiter ausgeflogen. Wir haben aber in Libyen noch rund 350 lokale libysche Mitarbeiter, teilweise eben auch Mitarbeiter, die unsere Produktionsstätten jetzt in der Wüste betreuen.

Meurer: Werden diese Mitarbeiter irgendwie konfrontiert mit dem Bürgerkrieg?

Leunig: Genaue Informationen, wie es jetzt ausschaut in unseren Produktionsstätten, habe ich nicht, aber natürlich, wir haben auch noch etliche Mitarbeiter in Tripolis, die dort vor Ort sind, die dort arbeiten, wir haben dort ein Büro, und denen gilt auch unsere Sorge weiterhin und wir hoffen natürlich, dass die gewaltsamen Auseinandersetzungen schnellstmöglich beigelegt werden, und beobachten deswegen natürlich auch die Entwicklung vor Ort sehr aufmerksam.

Meurer: Ihre Ölfelder in Libyen sind ja, glaube ich, 1000 Kilometer südlich von Tripolis. Ist es da ruhig geblieben?

Leunig: Es ist relativ ruhig geblieben. Das kann man, glaube ich, schon so sagen. Wir haben auch immer Kontakt gehalten natürlich mit unseren Kollegen dort in den Produktionsstätten als auch mit denen in Libyen, in Tripolis, und man kann sagen, dass es dort zumindest in der Wüste relativ ruhig war.

Meurer: Wie intakt, Herr Leunig, sind Ihre Anlagen noch vor Ort?

Leunig: So weit ich es weiß, könnten wir grundsätzlich die Produktion dort innerhalb von einigen Wochen wieder aufnehmen unter den normalen gängigen technischen Bedingungen, aber so einfach ist das nicht. Wir müssen auch gucken, dass externe Faktoren da eine ganz große Rolle spielen. Das heißt für uns zu allererst, wir brauchen eine stabile Sicherheitslage im Land, und zum anderen müssen wir auch gucken, was in der nachgelagerten Infrastruktur ist, was mit der ist, also mit den Pipelines, die dann zum Hafen führen, wo die Lager sind, wo die Verladehäfen sind, was mit diesen Pipelines ist, denn wenn sozusagen die Infrastruktur nicht in Ordnung ist, dann können wir auch noch nicht produzieren.

Meurer: Dann gibt es auch noch einen dritten Punkt, nämlich werden die Rebellen denn Ihnen überhaupt die Lizenzen gewähren und weiterhin geben?

Leunig: Also was wir gehört haben, man liest ja auch viel in den Medien, da, glaube ich, sind wir gut dabei. Das heißt, wir sind auch ein Unternehmen, das seit mittlerweile fünf Jahrzehnten, seit 1958 im Land ist. Wir haben viel investiert im Land, wir haben sehr enge Verbindungen auch insbesondere auf lokalem Bereich und wir gehören einfach sozusagen in das Land, wir glauben an das Land. Insofern blicken wir optimistisch da in die Zukunft.

Meurer: Müssen Sie damit rechnen, dass die Rebellen auf Sie zukommen und sagen, ihr habt mit Gaddafi zusammengearbeitet, ihr habt dem Gaddafi-Clan Geld gegeben für die Lizenzen, mit euch wollen wir nicht mehr zusammenarbeiten?

Leunig: Wir waren auch schon vor Gaddafi in Libyen tätig und haben dort Öl und Gas gefördert.

Meurer: Verhandeln Sie schon mit den Rebellen?

Leunig: Wir haben Gespräche geführt, aber vor allen Dingen ging es darum in den vergangenen Wochen, dass unsere lokalen Mitarbeiter, aber auch unsere Anlagen zu schützen sind, und darüber haben wir eben so weit es dann die Sicherheitslage zugelassen hat auch notwendige Gespräche geführt.

Meurer: In der Branche macht man sich so seine Gedanken. Was wird denn jetzt aus den deutschen Konzernen in Libyen? Deutschland hatte sich bekanntermaßen der Stimme enthalten im UNO-Sicherheitsrat, sich am Krieg der NATO nicht beteiligt. Müssen Sie das jetzt ausbaden?

Leunig: Wir rechnen damit, wir sind ein Teil von Libyen, wir sind seit langer Zeit in Libyen aktiv, dass wir auch in Zukunft da aktiv sind, und dementsprechend werden wir auch unsere Aktivitäten da weiter fortsetzen und planen.

Meurer: Wie groß ist die Gefahr, dass zum Beispiel die italienische Regierung oder die französische Regierung Druck auf die neue Regierung ausüben werden und sagen, bitte bevorzugt unsere Unternehmen, wir haben euch immerhin geholfen, den Krieg zu gewinnen?

Leunig: Ja, das ist so eine Themenlage, die ist im Moment sehr, sehr spekulativ in den Medien, wahrscheinlich mehr außerhalb Libyens als in Libyen. Ich denke, da kann man im Moment auch noch nicht viel mehr zu sagen, als dass wir sozusagen etablierter Partner sind in Libyen.

Meurer: Was wären denn Ihre Argumente gegenüber den Rebellen, was haben Sie denn zu bieten?

Leunig: Ja ich glaube, dass wir in diesem Falle gar keine Argumente offenlegen müssen, sondern dass unsere Historie da schon interessant genug ist. Das heißt, wir haben über zwei Milliarden US-Dollar im Land investiert, wir haben über 150 Erdölbohrungen abgeteuft, also in die Erde gebracht, wir produzieren Erdöl und Erdgas, und ich denke, wir haben auch das technische Know-how, das weiterzuführen.

Meurer: Wie groß sind die Verluste, die Wintershall bisher entstanden sind, dadurch, dass sie seit Ende Februar kein Erdöl mehr in der libyschen Wüste produzieren können?

Leunig: Wir haben zuletzt 100.000 Barrel Öl pro Tag produziert in Libyen, haben dann wie gesagt die Produktion herunterfahren müssen. Insgesamt im letzten Jahr haben wir im Ergebnis nach Steuern in Libyen 70 Millionen Euro gemacht. Bei rund 920 Millionen Euro für das gesamte Ergebnis der Wintershall ist das da eher ein kleiner Betrag.

Meurer: Das war Stefan Leunig, Sprecher des Erdölproduzenten Wintershall, zur Situation rund um die Ölfelder Libyens.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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