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StartseiteCorso"Der Konsument hat auf breiter Linie versagt"01.12.2018

Wiederentdeckung der Band Superpunk"Der Konsument hat auf breiter Linie versagt"

Superpunk aus Hamburg erschienen etwa zeitgleich mit Bands wir Tocotronic, Kettcar oder Tomte. Doch deren Erfolge erreichten sie trotz guter Kritiken in den 16 Jahren ihres Bestehens nie. Das Indie-Label Tapete würdigt die 2012 aufgelöste Band nun mit der Gesamtveröffentlichung aller Alben.

Carsten Friedrichs im Corsogespräch mit Fabian Elsäßer

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Superpunk 2010 (Markus Wustmann)
Männer, die auf Hits warten: Superpunk im Jahr 2010 (Markus Wustmann)
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Vielleicht waren sie zu alt oder zu schlau oder die Musik zu gut, vielleicht war es ein Musikvideo mit angeklebten Schnurbärten zuviel - Carsten Friedrichs fallen einige, nicht ganz ernst gemeinte Gründe ein, warum seine Band Superpunk nicht so erfolgreich war wie Zeitgenossen aus der Hamburger Szene. "Klar war ich damals neidisch auf die anderen", gibt der Sänger und Gitarrist im Corsogespräch zu.

Für eine Fankurve im Stadion hätte es gereicht

Bis 2012 nahmen Superpunk zehn Alben auf und gaben Hunderte von Konzerten. Eine Zeit, an die sich Friedrichs gerne erinnert, und die aus seiner Sicht viele kleine Erfolge mit sich brachte. Er habe sich gefreut, wenn von einem Album 3.000 Exemplare verkauft worden seien, auch wenn das der Plattenfirma zu wenig war: "3.000 Leute, das ist doch schonmal eine schöne Fankurve im Fußballstadion!"

Superpunk 1998 (Melle Mäcker)Superpunk 1998 (Melle Mäcker)

Nach der Auflösung von Superpunk gründete der Sänger und Gitarrist zusammen mit Bassist Tim Jürgens "Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen", die musikalisch und textlich an die Vorgängerband anschließt. Allerdings seien die Arrangements vielschichtiger als früher, so Carsten Friedrichs. Hier und da werde sogar ein H7Moll-Akkord auf der Gitarre angeschlagen.

Erinnerung an ein endgültig abgeschlossenes Kapitel

Die Idee zur Box mit allen Studioalben und einem bisher unveröffentlichten Mitschnitt des letzten Superpunk-Konzerts hatte Gunther Buskies. Der Inhaber des Hamburger Indie-Labels Tapete Records ist nicht nur der Chef von Carsten Friedrichs, sondern auch dessen Bandkollege als Keyboarder der "Liga". Anfangs fremdelte der ehemalige Superpunk-Sänger mit der Idee einer solchen Werkschau. Das sei aber lediglich eine typische Künstlerreaktion gewesen, denn eigentlich habe er sich sehr geschmeichelt gefühlt. "Der Konsument hat damals auf breiter Linie versagt, aber nun können viele Menschen Abbitte leisten", meint Friedrichs trocken.

Hin und weder bekommt er übrigens noch Anfragen von alten Fans nach einer Reunion von Superpunk. Doch dieses Kapitel ist mit dem Mammut-Sampler "Mehr ist mehr" aus seiner Sicht endgültig abgeschlossen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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