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StartseiteVerbrauchertippIgel richtig über den Winter bringen07.11.2019

WildtiereIgel richtig über den Winter bringen

Im Herbst sind viele Igel unterwegs, um Futter zu suchen und sich ein sicheres Quartier für den Winterschlaf einzurichten. Meistens schaffen sie das allein - manchmal aber brauchen sie auch Unterstützung. Mit einer igelfreundlichen Gestaltung des Gartens ist den Wildtieren schon gut geholfen.

Von Thomas Wagner

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Ein Baby-Igel liegt in einer Hand und streckt die Pfoten in die Höhe (picture alliance / dpa /  Anadolu Agency / Ozan Efeoglu)
Igel sollten nicht mit ins Haus genommen werden (picture alliance / dpa / Anadolu Agency / Ozan Efeoglu)
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"Jetzt ist gerade die Jahreszeit, wo die Leute sagen: Ach, ich hab ein Igele gefunden, der kann nicht über den Winter kommen. Der muss doch irgendwie unterkommen und ein warmes Plätzchen haben."

Wenn Wilma Jegler, Vorsitzende des Tierschutzvereins Überlingen am Bodensee solche Anfragen bekommt, versucht sie zunächst, die Anrufer zu beruhigen. Ihr Ratschlag: Den Igel in Ruhe lassen und auf keinen Fall ins Haus nehmen.

"Ein Igel braucht keinen warmen Platz wie eine Katze oder einen Hund im Winter. Ein Igel ist ein Wildtier und bleibt ein Wildtier."

Tiere nicht mit ins Haus nehmen

Das bestätigt auch Naturschutzexperte Thomas Giesinger vom BUND Baden-Württemberg. Seine Empfehlung:

"Am allerbesten die Tiere dort lassen, wo man sie gesehen und gefunden hat."

Entdeckt man einen Igel an einer Straße, droht allerdings Gefahr.

"Wenn das auf einer Straße ist, dann zum nächsten Garten, der auch etwas grün hat und nicht Beton, aber in aller Regel nicht ins Haus nehmen. Die Fachleute sagen: Wenn ein Igel über 400 Gramm wiegt, dann wird er es schaffen über den Winter."

Dennoch können ihm Menschen bei der Vorbereitung aufs Überwintern und bei der Quartiersuche für den Winterschlaf ein wenig helfen – beispielsweise durch entsprechende Gartengestaltung. Wilma Jegler vom Tierschutzverein Überlingen und BUND-Experte Thomas Giesinger:

"Ihm auf der Wiese einen Unterschlupf machen, mit Blättern, Papier – einfach eine Kiste hinstellen, wo er hineinkann."

"Ganz ideal sind Reisig-Haufen und Komposthaufen oder auch Laub im Garten, mit dem sie ihre Nester dann auskleiden, wärmer machen, wärmer gestalten können. Auch Hohlräume unter Holzstößen oder unter Treppen sind für überwinternde Igel ganz hervorragend geeignet."

Garten igelfreundlich gestalten

Das Füttern der stacheligen Tiere sehen die Fachleute kritisch. Sie halten es nur dann für sinnvoll, wenn ein Igel deutlich weniger als 400 Gramm auf die Waage bringt.

Wenn in solchen Fällen dann doch gefüttert wird, dann "vor allem nicht mit Milch. Der Magen von Igeln ist nicht auf Milch eingestellt."

BUND-Experte Thomas Giesinger empfiehlt stattdessen "eine Mischung aus Katzenfutter, Rührei, Igelfutter, das man im Laden kriegt, wobei man dieses Igelfutter, das in der Regel Trockenfutter ist, mit dem anderen mischen soll. Trockenfutter alleine soll man Igeln nicht füttern."

Vor Wintereinbruch nicht füttern

Auf keinen Fall sollten die Tiere kurz vor dem Wintereinbruch gefüttert werden. Dann nämlich müssen sie zwangsläufig hungrig sein, um gut über den Winter zu kommen. Denn das Hungergefühl gilt als entscheidender Impuls, um in den Winterschlaf zu fallen.

"Wenn es Schnee hat oder die Temperaturen unter fünf Grad sinken, dann sollte man nicht weiter füttern, sondern dann begeben sich die Igel zur Ruhe, und das Füttern kann dazu führen, dass sie diesem Trieb nicht Folge leisten, sondern weiter wach bleiben. Und das ist nicht gut für den Igel."

Zeigt ein Igel deutliche Krankheitssymptome, die sich durch apathisches Verhalten mitteilen, sollte man Fachleute zurate ziehen. Die sind beispielsweise auf der Webseite "pro-igel.de" zu finden, aber auch bei Naturschutzämtern und Naturschutzorganisationen.

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