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StartseiteVerbrauchertippWie sich Unfälle vermeiden lassen07.11.2018

Wildwechsel vorausWie sich Unfälle vermeiden lassen

Besonders in der dunklen Jahreszeit häufen sich wieder Verkehrsunfälle, die durch Wildwechsel entstehen. Doch wie können diese vermieden werden? Und was tun, wenn es doch geschehen ist?

Von Peter Dickmeyer

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Ein Reh steht an einer Straße in Berlin-Konradshöhe am 03.07.2011, während ein Auto vorbei fährt. In den Grünflächen und Wäldern der Hauptstadt sind Wildtiere häufig an Menschen und Fahrzeuge gewohnt und zeigen wenig Scheu. Foto: Bernd von Jutrczenka | Verwendung weltweit (dpa/ Bernd von Jutrczenka)
Wildtiere sind häufig an Menschen und Fahrzeuge gewohnt und zeigen wenig Scheu (dpa/ Bernd von Jutrczenka)
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Etwa alle zwei Minuten kommt es im Herbst und Winter auf deutschen Straßen zu einem Zusammenstoß mit Wildtieren. Dabei sind zwar nicht unbedingt mehr Tiere unterwegs - aber: Wir Menschen begegnen ihnen jetzt häufiger, erklärt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel.

"Sie sind dämmerungsaktiv. Das heißt, sie gehen in der Dämmerung auf Nahrungssuche. Und da derzeit sowohl der morgendliche, als auch abendliche Berufsverkehr in die Dämmerung fällt, ist die Gefahr eines Wildunfalls jetzt einfach größer als normalerweise."

Ein Hinweis auf einem Holzschild in Form eines Wildschweines mit dem Schriftzug Wildunfälle. (imago/Imagebroker/Frank Somnariva)In Deutschland gab es im vergangenen Jahr gut 2.500 Wildunfälle. (imago/Imagebroker/Frank Somnariva)

Dazu kommt, dass der Wahrnehmungsbereich der Verkehrsteilnehmer im Dunkeln begrenzt ist - auf den vom Lichtkegel beleuchteten Bereich. Baldur Neubauer, offizieller Jagdberater des Oberbergischen Kreises, rät auch tagsüber zur erhöhten Aufmerksamkeit. Schließlich sind nicht alle Tiere ausschließlich Nachts auf Nahrungssuche.

"Rehwild ist auch tagaktiv und hat einen Äsungs-Rhythmus von drei bis vier Stunden. Und so sucht es auch immer Äsungen auf der einen oder anderen Seite."

Wenn ein Tier am Straßenrand auftaucht: Bremsen und warten

Und dabei überqueren die Rehe auch gerne mal die Fahrbahn. Andreas Hölzel weiß, wie man sich zu verhalten hat, wenn man ein Tier am Straßenrand sieht. "Wenn ein Tier auftaucht, dann muss ich bremsen und warten, bis es über die Straße gelaufen ist oder wieder im Wald verschwunden ist. Erst danach darf ich langsam weiter fahren."

Ein Warnschild vor Wildwechsel, aufgenommen an einer Landstraße bei Radeberg (dpa / picture alliance / Arno Burgi)Ein Warnschild vor Wildwechsel, aufgenommen an einer Landstraße bei Radeberg (dpa / picture alliance / Arno Burgi)

Spontaner Sprung auf die Fahrbahn: Lenkrad festhalten 

Ganz anders ist die Situationen, wenn ein Wildtier spontan auf die Fahrbahn springt. Wer hier erschreckt das Lenkrad herum reißt, riskiert gefährliche Unfälle.

"Ausweichmanöver können einfach sehr schnell im Gegenverkehr oder an einem Baum enden. Läuft ein Reh oder ein Wildschwein oder ein anders Tier unvermittelt über die Straße, dann darf man auf gar keinen Fall ausweichen, sondern muss stark abbremsen, das Lenkrad festhalten und notfalls auch einen Zusammenstoß in Kauf nehmen."

Hält man sich daran, kommt in der Regel die Versicherung für den entstandenen Schaden auf. Sollte es zu einem Wildunfall gekommen sein, muss als erstes die Unfallstelle gesichert werden.

"Ganz wichtig ist es natürlich, die Polizei zu verständigen. Notfalls auch den Notarzt. Dem verletzten oder getöteten Tier sollte man sich besser nicht nähern oder es anfassen. Das übernimmt dann der Förster, der von der Polizei über den Unfall informiert wird."

Unfall melden, Schäden durch Fotos dokumentieren

Baldur Neubauer ergänzt, dass es nie verkehrt ist, einen solchen Unfall zu melden. Zumal es in einigen Bundesländern sogar eine Meldepflicht für Wildunfälle gibt. Und das aus gutem Grund.

"Gegebenenfalls kann dann das Tier auch erlöst werden vom jagdausführenden Pächter. Wenn es noch lebt. Denn die Polizei ist meisten nicht ausgebildet dafür. Dazu kommt noch, dass auch die Versicherungen auch noch Bestätigungen haben wollen, wann und wo denn der Wildunfall war, der dann geltend gemacht wird, bei der Versicherung über die Teilkasko."

Nach einem Unfall sollte man die Schäden am Auto zum Beispiel durch Fotos dokumentieren. Erst dann darf das Fahrzeug gewaschen oder in die Werkstatt gebracht werden. So kann der Unfall nachvollzogen werden.

Vergleichsweise glimpflich gehen häufig Unfälle mit Schwarzwild, sprich mit Wildschweinen, aus. Obwohl die mit bis zu 130 kg ziemlich schwer werden, gibt es hier vor allem Blechschäden.

"Die größten Tiere, die für Fahrzeuge gefährlich werden können, ist mit Sicherheit Rotwild. Weil die mit den Läufen hoch stehen. Die prallen nicht vorne gegen die Motorhaube. Die rutschen über die Motorhaube bis ins Führerhaus rein. Weil sie so hoch stehen."

Aber besser ist es natürlich, wenn es erst gar nicht zum Unfall kommt: "Autofahrer sollten deshalb im Wald das Tempo drosseln, den Straßenrand im Blick behalten und stets bremsbereit sein."

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