Donnerstag, 26. Mai 2022

Berühmter Astronom vor 200 Jahren geboren
Wilhelm Tempel, der "illegale" Astronom

"Er hatte Genie, aber kein Diplom", meinte der Maler Max Ernst über den Astronomen Ernst Wilhelm Leberecht Tempel, der heute vor 200 Jahren im sächsischen Niedercunnersdorf zur Welt kam. Max Ernst sah in ihm einen Seelenverwandten, der die Kunst des Sehens beherrschte.

Von Dirk Lorenzen | 04.12.2021

Einschlag der Sonde „Deep Impact“ in den Kometen Tempel 1
Einschlag der Sonde „Deep Impact“ in den Kometen Tempel 1 (NASA)
Diese Kunst war für Ernst Tempel Segen und Fluch zugleich. Er erlernte zunächst das Handwerk des Lithografen und ließ sich in Venedig nieder.
Seine äußerst detailgetreu erstellten Lithografien fanden große Anerkennung, vor allem bei Botanikern und anderen Naturwissenschaftlern.

Profiastronomen ignorierten ihn erst

1858 kaufte sich Ernst Tempel ein kleines Linsenfernrohr – und entdeckte damit einen Kometen und einen Reflexionsnebel in den Plejaden. Doch die Profiastronomen nahmen die Entdeckungen des Amateurs nicht zur Kenntnis.
Viele Jahre lang führte er aus astronomischer Begeisterung und wirtschaftlicher Not heraus ein Doppelleben: Tagsüber Lithograf, nachts Himmelsbeobachter.
Schließlich erhielt Tempel eine Anstellung an der Sternwarte Marseille. Trotz schlechter Bezahlung war er ungewöhnlich erfolgreich.
Er entdeckte zahlreiche Nebelflecken, fünf Asteroiden und mehr als ein Dutzend Kometen, darunter den Ursprungskometen der Leoniden-Sternschnuppen und Tempel-1, in den die NASA-Sonde Deep Impact eingeschlagen ist.
1889 ist Ernst Tempel im Alter von 67 Jahren in Italien gestorben. Die wohl beste Hommage ist das von Max Ernst verfasste Buch „Die widerrechtliche Ausübung der Astronomie“.

Leben und Werk von Ernst Wilhelm Leberecht Tempel
Die widerrechtliche Ausübung der Astronomie von Max Ernst