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StartseiteUmwelt und VerbraucherWindenergie boomt - zum Leidwesen der Windkraftgegner12.08.2002

Windenergie boomt - zum Leidwesen der Windkraftgegner

Was spricht gegen einen weiteren Ausbau?

<strong>Die Windkraft in Deutschland boomt; vor kurzem wurde die 10.000-Mega-Watt-Grenze durchbrochen. Das heißt: Die Windkraft erbringt mittlerweile die Leistung von drei Atomkraftwerken. Bereits 7 Prozent des Stromendverbrauchs wird durch die Windenergie gedeckt. Also alles in Ordnung, möchte man meinen. Doch ganz so ist es nicht: Denn gegen die Windkraft formiert sich Widerstand – wie auf der heutigen Wissenschaftskonferenz in Berlin deutlich wurde.</strong>

Von Nikolas Westerhoff

Mehr und mehr Strom wird aus Windkraft gewonnen. In Deutschland drehen sich mittlerweile genügend Windräder, um eine Stadt wie Berlin mit Strom zu versorgen. Doch so positiv sich das auch anhört, die Windkraft bekommt immer mehr Gegner: Über 300 Bürgerinitiativen haben sich bereits gegen die Windkraft formiert. Ihr Ziel: Den weiteren Bau von Windanlagen zu verhindern. Professor Mathias Freude, Präsident des Landesumweltamtes Brandenburg, kennt die Argumente, die gegen Windanlagen angeführt werden:

Schattenwurf, gerade morgens und abends, teilweise über einen Kilometer, das ist wirklich nicht angenehm, wenn man im Wohn- oder Schlafzimmer ein ständiges Auf und Ab von hell und dunkel hat. Der Geräuschpegel kommt dazu. Der zweite wichtige Punkt von Einwohnern: Das Landschaftsbild. Die "Verspargelung" ist ganz gewiss nicht von der Hand zu weisen, sie macht vor allem dann Probleme, wenn hier eine und dort eine und wenige hundert Meter die nächste Anlage steht, das hat ästhetisch ja eine Menge gegen sich.

Dass die Gegner der Windkraft in vielem recht haben, davon ist Mathias Freude überzeugt. Und so lautet seine Devise für Brandenburg: Windkraft ja, aber nur noch auf wenigen sorgsam ausgewählten Flächen, in sogenannten "Minimalrisikogebieten": Also dort, wo keine Anwohner belästigt werden - und wo vor allem weniger Vögel zu Tode kommen als das bisher der Fall war.

Wir haben selber einfach mal sporadisch in Brandenburg geschaut, was liegt denn das so rum unter den Windkraftanlagen – und wir haben richtig erschreckende Größenordnungen gefunden. Von 68 Zufallskontrollen hatten wir mittlerweile sechs tote rote Milane, zwei tote Schwarzmilane, zwei Mäusebussarde, drei Turmfalken und...und...und. Dann jede Menge Kleinvögel und Fledermäuse kamen noch dazu. Ich glaube, so etwas muss man einfach ernst nehmen.

Doch wie ernst solche Zahlen zu nehmen sind, darüber gibt es unterschiedlichen Ansichten. Thomas Löschmann vom Berliner Arbeitskreis Energie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, BUND:

Da gibt es sehr unterschiedliche Studien. Die einen sprechen von diesem Schreddereffekt, dass die Vögel zerschreddert werden, die anderen weisen kaum Veränderungen oder Beeinträchtigungen der Vögel nach. Ich denke, dass hier viel Ideologie, viel vorgefertigte Meinung mit ins Spiel kommt und dass es davon abhängig ist, wer die Studie in Auftrag gibt.

Tatsache ist: In Deutschland kommen weit mehr Vögel durch Stromleitungen zu Tode als durch Windanlagen. Und so sind für den BUND die Argumente der Windkraftgegner nur schwer nachvollziehbar: Schließlich habe die Branche "Windenergie" mittlerweile 40.000 Arbeitsplätze geschaffen. Viele Einwände sind aus Sicht von Thomas Löschmann deshalb einfach nur kleinlich. Ein Paradebeispiel dafür: Der Schattenwurf der Anlage, der so genannte Disko-Effekt. Denn:

Windanlagen müssen einen Mindestabstand von Gebäuden einhalten, der mehrere hundert Meter beträgt. Und dass man dann direkt im Schattenwurf der Anlage ist, das ist meiner Meinung nach Quatsch. Um es einmal deutlich zu sagen.

Doch ganz gleich wie die Gesetzesbestimmung sein mag: Es gibt nachweislich Häuser, die sich im Schattenwurf solcher Anlagen befinden. Und deshalb fordern die Bürgerinitiativen gegen Windkraft: Windanlagen müssen dort aufgestellt werden, wo sie niemanden belästigen. Und zumindest im dünn besiedelten Brandenburg müsste es möglich sein, dieser Forderung in Zukunft gerecht zu werden.

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