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StartseiteSprechstundeQuälende Pusteln19.09.2017

Windpocken bei ErwachsenenQuälende Pusteln

Müdigkeit, Pusteln, starke Hals- und Kopfschmerzen – und hohe Ansteckungsgefahr: Wenn Erwachsene an Windpocken erkranken, verläuft die Kinderkrankheit häufig sehr schwer. Noch belastender für den Patienten ist, dass die Symptome oft gar nicht richtig erkannt werden.

Von Barbara Weber

Varizella-Zoster Virus, das beim Menschen Windpocken und Gürtelrose hervorruft. (Imago / Heather Davis)
Löst Windpocken aus: das Varizella-Zoster-Virus (Imago / Heather Davis)
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Viele unterschätzen es, was es heißt, als Erwachsener an einer Kinderkrankheit zu leiden. Barbara Weber sprach mit einer Patientin, die gerade genesen ist und sich kurz vor dem Interview noch einmal vergewissert hat, dass sie keinen mehr anstecken kann.

"Ich habe bemerkt, dass ich sehr, sehr müde war, und ich dachte, das ist echt nicht normal …"

Nach einigen Tagen beobachtete die 38-jährige Spanischlehrerin kleine Flecken und Bläschen.

"… eher so am Hals. Vor allem die ersten Flecken habe ich so hinter den Ohren am Nackenbereich, und das hat unglaublich wehgetan."

Kein Schmerzmittel half

Denn nicht nur die Pusteln schmerzten, sondern der gesamte Kopf. Das schlimme daran: kein Schmerzmittel half. Dann musste sie sich erbrechen. Die Hausärztin vermutete zunächst:

"Stress, auch weil ich vorher eine Erkrankung hatte, auch weil ich ein kleines Kind noch habe, die immer noch nicht ganz durchschläft in der Nacht."

Noch bevor das Ergebnis des Bluttests eintraf, verschlechterte sich die Erkrankung an einem Wochenende so stark, dass die Patientin in die Notaufnahme der Kölner Uniklinik fuhr.

"Dann kam so die erste Untersuchung. Da war der Arzt nicht so sicher. Oh – das sieht nach Masern oder so aus. Dann wurde der Dermatologe gerufen. Nach dem ersten Blick meinte er: 'Hm, das sieht nicht so gut aus, Masern, da bin ich nicht so sicher, eher Windpocken.' Aber er war auch nicht so sicher, weil er noch nie Windpocken bei Erwachsenen gesehen hat, hatte er eher bei Kindern gesehen, und das sieht ein wenig anders aus."

Über zwei Wochen im Isolierzimmer

Da die Ärzte auf die Schnelle nicht genau klären konnten, was hinter den geschwollenen Pusteln stand, wollten sie lieber auf Nummer sicher gehen.

"Ich wurde auf ein Isolierzimmer gebracht, und da bin ich fast fünfzehn Tage geblieben."

Auch wenn sie heute noch dankbar ist dafür, dass die Ärzte und Schwestern auf der Station sehr nett und bemüht waren, denkt sie ungern an die Zeit zurück.

"Die ersten Tage waren definitiv schrecklich. Ich fühlte mich richtig krank. Ich konnte das Essen nicht ertragen, hatte richtige Kopfschmerzen, Halsschmerzen. Es tut unglaublich weh. Ich konnte nicht mehr schlucken, es hat unglaublich wehgetan, wenn ich Wasser getrunken habe. Dazu habe ich Bläschen bekommen im Mundbereich, aber vor allem der Juckreiz. Das hat mich verrückt gemacht, wahnsinnig gemacht. Ich glaube, das war das Unerträglichste überhaupt."

Den Ehemann angesteckt

Neben den körperlichen Beschwerden kamen große Sorgen, denn was war, wenn sie ihre 22 Monate alte Tochter angesteckt hatte?

"Und dann hat mein Mann sofort den Kinderarzt angerufen und Bescheid gesagt, dass ich krank bin. Der hat ihn beruhigt und gesagt, keine Sorge, bis jetzt hat ihre Tochter alle Impfungen bekommen, auch die gegen Windpocken, das heißt, sie ist außer Gefahr."

Ihre Tochter hatte Glück – ihr Mann hingegen hat sich angesteckt, auch wenn er die Wohnung desinfiziert und ihre Wäsche bei 90 Grad gewaschen hat.

Empfohlen, keine Pflicht: Impfung gegen Windpocken

Aber warum war sie nicht geimpft? Eine Erklärung der Kolumbianerin: "Damals war die Impfung sehr teuer, es war nur privat".

Inzwischen sind die meisten Impfungen gegen Kinderkrankheiten in Kolumbien kostenlos, und es besteht im Land die Pflicht, seine Kinder impfen zu lassen.

"Es ist für mich unvorstellbar, dass in Deutschland, so ein Land, so ein Führungsland, nicht ihre Kinder impfen zu lassen, eine Pflicht ist. Es ist Pflicht, zur Schule zu gehen, aber nicht ihre Gesundheit zu schützen? Finde ich nicht nachvollziehbar. Bei uns, im Entwicklungsland, ist es eine Pflicht, definitiv."

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