Donnerstag, 21.02.2019
 
Seit 12:30 Uhr Nachrichten
StartseiteKommentare und Themen der WocheBitte weiter forschen!23.01.2019

Wirbel um Feinstaub und StickoxideBitte weiter forschen!

Die Lungenärzte machen auf einen wichtigen Punkt aufmerksam, kommentiert Christian Floto: Statistische Zusammenhänge allein beschreiben die gesundheitlichen Gefahren durch Feinstaub und Stickoxide nur unzureichend. Die Wirkungen auf den Menschen müssen noch genauer untersucht werden.

Von Christian Floto

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Abgase kommen aus dem Auspuff eines Autos in Stuttgart (dpa-Bildfunk / Marijan Murat)
Feinstaub und Stickoxide machen krank? Einige Lungenärzte bezweifeln das (dpa-Bildfunk / Marijan Murat)
Mehr zum Thema

Umweltmedizinerin zu Luftschadstoffen "Damit wird eine erhebliche Krankheitslast ausgelöst"

Luftverschmutzung Feinstaub, NOX, CO2 - was ist eigentlich was?

Streit um NO2-Grenzwert Gefährlichkeit von Stickstoffdioxid bleibt umstritten

Wenn zwei sich streiten, staunt das Publikum. Dieses könnte sich Schenkel klopfend zurück lehnen und Kino spielen - wenn es nicht um ein so ernstes Thema ginge: die gesundheitliche Relevanz aktueller Grenzwerte für Stickoxide, sogenannte NOx, und Feinstaub – sowie den politischen Schlussfolgerungen, Grenzwertfestlegungen und Konsequenzen gerichtsfester Entscheidungen.

Die Studien - und die Kritiker

Epidemiologische Studien haben Zusammenhänge zwischen entsprechenden Schadstoffkonzentrationen in belasteten Gebieten und einem erhöhten Erkrankungs- und Sterblichkeitsrisiko gefunden, auf die sich die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in ihren früheren Äußerungen stützte. Diese werden nun eingeholt von Klinischen Forschern, darunter eben auch der frühere Präsident genau derselben Fachgesellschaft, die in immer größerer Zahl darauf verweisen, dass es auch ganz andere, durchaus plausible Begründungen für derartige Unterschiede von Krankheit und Tod in verschiedenen Regionen geben könnte. Denn sie selbst hätten als Fachärzte in ihrem klinischen Alltag noch nie einen wirklich direkten Zusammenhang erkennen können.

Was nun? Fachleute uneins, Politik irritiert, Bevölkerung verunsichert?`

Eine Ursache, eine Wirkung - diese Erklärung reicht nicht

Gerade in den letzten Jahren, als die Grenzwerte längst politisch festgelegt waren, ist das Verständnis für epidemiologische Befunde deutlich gewachsen. Wenn aus "big data" sog. "small data" werden, also ein Zahlenberg Struktur bekommt, dann können zwar statistische Zusammenhänge, also Korrelationen, deutlich werden. Doch deren Deutung erfordert Vorsicht: Korrelation bedeutet nun mal nicht auch gleich Ursache. Erkrankungen und sogar Tod von einem so komplexen Organismus wie dem Menschen lassen sich nicht ohne Weiteres auf eine einzige Beobachtungsgröße zurückführen. Immer wieder werden deshalb heute bei allen Studien, ob zu  Ernährung, Demenzrisiko ober eben Umwelt, Zusammenhänge etwa mit dem Lebensstil oder anderen nicht miterfassten Einflussgrößen diskutiert. Deshalb hütet sich die Fachwelt mehr als früher, auch noch so offenkundige Zahlen nicht einfach als hinreichende Erklärung zu übernehmen.

Wir brauchen noch mehr Forschung

Klar ist aber: Feinstaub kommt aus vielen Quellen, und er hat genau wie Stickoxide gesundheitliche Auswirkungen, ganz besonders  sogar auf bestimmte Patientengruppen, etwa solche mit vorbelastetem, z.B. hyperreagiblem Bronchialsystem, von denen es viele gibt. Worauf der jetzt so irritierende Einwand zielt,  ist, dass es weiterer viel komplexerer Untersuchungen bedarf, um die tatsächliche Rolle dieser Einzelparameter neben möglichen Einflussfaktoren  genauer zu bestimmen. Das ist wissenschaftlich vernünftig. Die Frage von Grenzwerten ist aber eine ganz andere. Mit ihr hat man gerade in der Medizin recht unterschiedliche Erfahrung, siehe Grenzwerte zu Blutdruck oder Cholesterin , das ging mal rauf und dann wieder runter. Und nun? Bitte weiter forschen, aber keine öffentlichen Erkenntniskämpfe und dann: Vorhang zu, alle Fragen offen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk