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21. Februar 2019Die Wirtschaftspresseschau

Durch die Insolvenz der Elsflether Werft ist die Sanierung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" inzwischen zu einem Wirtschaftskrimi geworden, den die Kommentatoren aufmerksam verfolgen.

Arbeiten am Segelschulschiff Gorch Fock in der Elsflether Werft (imago stock&people)
Arbeiten am Segelschulschiff Gorch Fock in der Elsflether Werft (imago stock&people)

Kaum ein Drehbuchautor hätte sich einen ähnlich holzschnittartigen Plot ausdenken können, findet der KÖLNER STADT-ANZEIGER:

"Als Stichworte fallen dabei: eine verstorbene Firmenerbin, eine Goldmine in der Mongolei, ein von der Werft mit Geld versorgter Beamter, der zufällig gerade ein Altersheim bauen lässt. Da kann einem das Schiff schon fast leidtun, das wehrlos herumliegt auf einem Trockendock, ohne Mast, Segel, Motor und ziemlich verrostet. Das Durcheinander bei der Werft aber ändert nichts daran: Ob die Gorch Fock weiter saniert oder abgewrackt wird, muss sich an der Wirtschaftlichkeit orientieren."

Für die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG spricht manches dafür,

"die 'Gorch Fock' jetzt unter neuer Führung der Werft nach einer Insolvenz in Eigenverwaltung und strenger Kostenkontrolle fertig zu bauen. Verteidigungsministerin von der Leyen allerdings muss sich die Frage gefallen lassen, warum diese ganze Geschichte von Misswirtschaft, Korruption und Untreue nie irgendjemandem aufgefallen ist. Es mussten schon Minister für weniger gehen."

Allgemein begrüßt wird die Zustimmung des Bundeskabinetts zum Konzept von Ernährungsministerin Klöckner gegen Lebensmittelverschwendung. "Siebzig Prozent des Frischwassers, das die Menschheit verbraucht, verbraucht sie bei der Herstellung von Lebensmitteln", notiert DIE WELT und fügt hinzu:

"Die Verschwendung von Lebensmitteln sollte weltweit um mindestens die Hälfte reduziert werden. In den Ländern des Überflusses könnten die Menschen wieder lernen, ihre Einkäufe zu planen. Es könnte die Idee für einen neuen Trend beim Lebensmittelkauf sein. Nicht möglichst viel bio kaufen, regional, nachhaltig, mit Tierwohl-Siegel. Sondern: möglichst sparsam."

Ähnlich sieht es die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG:

"Was einst die Rolex am Handgelenk, sind heute Lebensmittel; ein Instrument der Abgrenzung von der breiten Masse. Denjenigen, die diesem Trend folgen, mag es schmecken, dass der Staat seinen Bürgern bis in die Mülltonnen hinein hinterherschnüffelt. Gut, dass Julia Klöckner dieser Versuchung nicht erliegt. Schlecht, dass sie es dann doch bei Allgemeinplätzen und Absichtserklärungen in Sachen Reduktion der Lebensmittelverschwendung belässt. Dabei gibt es kleine, wirkungsvolle Maßnahmen, die jederzeit vorangetrieben werden könnten."