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18. Oktober 2018Die Wirtschaftspresseschau

Für viel Aufmerksamkeit sorgt die Analyse des Weltwirtschaftsforums, das Deutschland bescheinigt, das weltweit innovativste Land zu sein.

Stammzellenforschung (Imago)
Stammzellenforschung (Imago)

DER TAGESSPIEGEL aus Berlin bleibt skeptisch und fragt:

"Können wir uns also zurücklehnen und Strategiepapiere zur Verbesserung der Innovationskraft schreddern, Bildungsinitiativen einstellen, Programme für Forschungstransfers beenden? Keinesfalls. So ermutigend die Studie sein mag, sie verschleiert, dass wir derzeit Honig aus längst verblühten Landschaften genießen. Den Mut, in 'Sprunginnovationen' zu investieren, bringt in Deutschland kaum noch jemand auf."

Pessimistisch klingt auch das HANDELSBLATT:

"Mit der digitalen Revolution sind die Deutschen von Pionieren zu Nachzüglern geworden. Wenn die deutsche Wirtschaft ihren Spitzenplatz als Innovationsschmiede verteidigen will, muss sie künftig mehr tun, als Innovationsprozesse perfekt zu managen. Kulturell geht es vor allem darum, offener für disruptive Ideen und Einflüsse von außen zu werden. Gelingt dieser Innovationssprung nicht, ist Deutschland wie im Fußball der Weltmeister von gestern."

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG hingegen ist keineswegs der Ansicht, dass Deutschland ein behäbiges Industrieland und unfähig zur Erneuerung sei:

"Das kann vielleicht für die Autoindustrie und deren Zulieferer gelten. Aber die deutsche Wirtschaft ist deutlich mehr als Autos. Sie wird von weltweit erfolgreichen Konzernen aus ganz verschiedenen Branchen getragen. Vor allem besteht sie auch aus einer sehr breiten Basis mittelgroßer und großer Unternehmen, dem berühmten Mittelstand. Hier finden sich nach wie vor viele Stars im Verborgenen, sogenannte 'hidden champions', die in ihrem Sektor weltweit führend sind. Das fällt nur nicht so auf, weil sie nicht so spektakulär und auf Massenmärkten tätig sind wie Facebook, Amazon, Apple oder Google."

À propos Google: Nach der Milliarden-Kartellstrafe der EU hat der Internet-Konzern sein Geschäftsmodell beim Smartphone-Betriebssystem Android geändert. Hersteller sollen mehr Wahlmöglichkeiten haben, dafür aber auch Gebühren zahlen. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG sieht darin eine "Trotzreaktion":

"Google beschwört damit die Möglichkeit herauf, dass seine Partner wie Samsung oder HTC die zusätzlichen Kosten an ihre Kunden weiterreichen. Handys könnten also teurer werden. Und in dem Fall müsste sich die EU-Kommission nachsagen lassen, mit ihrer Härte gegen Google am Ende Verbrauchern geschadet zu haben."