16. Juni 2020Die Wirtschaftspresseschau
Die Post-Brexit-Verhandlungen und der Einstieg des Bundes beim Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac sind heute die Schwerpunkte in den Kommentaren.

- Das Tübinger Unternehmen CureVac sucht nach einem Corona-Impfstoff (dpa/Sebastian Gollnow)
Nach Ansicht der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG ist die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs derzeit fraglos von größtem Interesse:
"Doch um dieses Vorhaben voranzutreiben, bedürfte es nicht unbedingt einer direkten Beteiligung des Staates. Das Gefährliche ist nicht die Beteiligung selbst, es ist das Signal, das von ihr ausgeht. Soll sich die Bundesregierung künftig an jedem Unternehmen beteiligen, das sich sonst womöglich ausländische Geldgeber suchen könnte? Und wer könnte es dann anderen Ländern verübeln, wenn sie deutsche Investoren auf Abstand hielten? Langfristig würde Deutschland eine Staatswirtschaft mehr schaden als nutzen."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG dagegen hält den Einstieg für...
"legitim in einer Zeit, in der alle Staaten gleichermaßen nach Impfstoffen gieren. Denn in diesem Wettlauf winkt dem Sieger das große Geld – ein sagenhaftes Monopol mit entsprechenden Erlösen. Der staatliche Einstieg bei Curevac kann, sollte sich die Firma durchsetzen, dazu beitragen, Auswüchse zu verhindern; und das nicht allein im deutschen, sondern auch im europäischen Interesse."
Die britische Weigerung, nach dem EU-Austritt die Übergangsfrist zum Aushandeln der künftigen Beziehungen über das Jahresende hinaus zu verlängern, wird in Brüssel als Indiz dafür gewertet, dass London einen 'No-Deal-Brexit' anstrebe. Doch das Gegenteil treffe zu, meint die TAGESZEITUNG - TAZ:
"London will den Deal und setzt daher eine klare Frist. Denn nur diese erzeugt einen Druck, sich zu einigen. Großbritannien braucht den freien Warenverkehr mit dem Kontinent. Kontinentaleuropa braucht den freien Zugang zum Finanzplatz London. Die gemeinsamen Interessen überwiegen, auch weltpolitisch. Nun ist Weitsicht und Größe gefragt. Hat jemand welche?"
Das HANDELSBLATT rät dem britischen Premier Johnson zu "ein bisschen mehr britischem Understatement":
"Nicht nur würde ein 'No Deal' viele Unternehmen auf beiden Seiten des Ärmelkanals zusätzlich belasten und möglicherweise in den Ruin stürzen. Noch verheerender wäre das politische Signal: Die Beziehung zwischen der EU und Großbritannien wäre auf Jahre gestört. Sollte sich in den nächsten Monaten herausstellen, dass die Zeit für eine Einigung nicht ausreicht, muss Johnson über seinen Schatten springen und eine Verlängerung der Übergangsperiode beantragen."