Die Nachrichten

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5. Juni 2020Die Wirtschaftspresseschau

Neben dem von der Regierungskoalition beschlossenen Konjunkturpaket wird die Entscheidung der Europäischen Zentralbank kommentiert, ihre Anleihekäufe noch einmal auszuweiten. Die Meinungen darüber gehen stark auseinander.

Die Spitzen der großen Koalition haben im Bundeskanzleramt über ein Konjunkturpaket beraten. (picture alliance/dpa -  Christophe Gateau)
Die Spitzen der großen Koalition haben im Bundeskanzleramt über ein Konjunkturpaket beraten. (picture alliance/dpa - Christophe Gateau)

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG findet es

"... falsch, dass die EZB jetzt, wo sich die Anzeichen für eine allmähliche Belebung der Wirtschaft verdichten, das Anleihekaufprogramm ohne jede Not um 600 Milliarden Euro aufstockt. Und es ist grotesk, wenn Teilnehmer an den Finanzmärkten mit Blick auf sehr niedrige Inflationsprognosen für 2022 schon jetzt eine weitere Aufstockung des Programms herbeireden wollen. Der hektische Aktionismus, den nicht nur die EZB, sondern auch andere Zentralbanken immer noch an den Tag legen, ist der Situation nicht mehr angemessen."

"Richtig ist das", meint dagegen DER TAGESSPIEGEL aus Berlin:

"Wir erleben derzeit die schlimmste Wirtschaftskrise seit der Nachkriegszeit. Da können wir nicht noch eine Eurokrise riskieren. Zu genau der würde es aber ohne das Eingreifen der EZB kommen: Die Risikoaufschläge auf Staatsanleihen etwa aus Italien würden rasant steigen, das Land vor der Pleite stehen und der Euro vor seinem Zusammenbruch. Deshalb ist es nur konsequent, dass die EZB auf diese historische Krise mit einem historischen Hilfsprogramm reagiert."

Von den Beschlüssen der Groko sind die meisten Kommentatoren grundsätzlich angetan. Das HANDELSBLATT schreibt:

"Die befristete Mehrwertsteuersenkung hatte kein Beobachter erwartet, und genau deshalb wirkt sie als starkes Signal an alle: Geht jetzt einkaufen! Ob das funktioniert oder ob die Händler den Steuervorteil einstreichen, wissen die Ökonomen mangels entsprechender Forschung nicht. Die Hoffnung besteht aber, dass die Verbraucher in den Läden auf der Preissenkung beharren und dann auch langlebigere Konsumgüter anschaffen. Und: Die Steuersenkung bevorteilt keine Branche, auch der Luxus-SUV bekommt wie jedes Produkt indirekt eine Kaufprämie."

Auch die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG äußert sich erfreut:

"Die Autobranche wird behandelt wie alle anderen auch. Es gibt zwar noch einen Corona-Bonus für elektrifizierte Fahrzeuge. Aber die sind bei vielen Automanagern eher ungeliebt, lässt sich mit ihnen doch sowieso kaum Geld verdienen. Kurzum, das Paket ist durchaus nicht so hübsch, wie es die Autoindustrie erwartet hat. Tatsächlich ist das Ausbleiben einer Vorzugsbehandlung eine Zeitenwende in diesem automobilfixierten Land."