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StartseiteKommentare und Themen der WocheUSA versagen auf ganzer Linie24.11.2018

Wirtschaftsschäden durch KlimawandelUSA versagen auf ganzer Linie

Die renommiertesten Wissenschaftler der USA warnen: Die Klimakrise wird zunehmend zur Gefahr für die Wirtschaft. Mit seiner Ignoranz gegenüber der Klimaerwärmung sei US-Präsident Trump dabei, seinen Amtseid um ein Viel­faches zu verletzen, kommentiert Jule Reimer.

Von Jule Reimer

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US-Präsident Trump spricht mit Anwohnern von zerstörten Häusern in Kalifornien infolge eines verheerenden Waldbrandes (picture alliance/AP Images)
US-Präsident Trump spricht mit Anwohnern von zerstörten Häusern in Kalifornien infolge eines verheerenden Waldbrandes (picture alliance/AP Images)
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Der Zug fährt schnell, aber er rast noch nicht. Die Wand, die er frontal ansteuert, ist in der Ferne jedoch bestens sicht­bar: Künftig könnten die jährlichen Verluste in den Vereinig­ten Staaten durch den ungebremsten Klimawandel hun­derte Milliarden Dollar betragen. Einige Folgen des Klimawan­dels seien jetzt schon sichtbar.

Hunderte Milliarden Dollar Klimaschäden bis 2050! An klaren Worten lässt der Bericht des National Climate Assess­ment nicht zu wünschen übrig. Die renommiertesten Wissenschaftler der USA haben die 1.000 Seiten schwe­re Studie erstellt. Doch Donald Trump fällt nichts Besseres ein, als sich über die Bedrohung lustig zu machen. Er glänzt durch grandioses Nichtwissen. Die wichtigste und mäch­tigste Nation der Welt wird durch einen Mann regiert, der nicht gewillt oder in der Lage ist, die Begriffe Wetter und Klima auseinanderzuhalten. Ja, es kann zu Thanks­giving in diesem Jahr sehr kalt in den USA sein, auch an Weihnachten oder Silvester. Das nennt sich Wetter. Das ändert aber nichts daran, dass sich weltweit die mittlere Erdtem­peratur seit Beginn des industriellen Zeitalters um nunmehr 1 Grad gesteigert hat. Das nennt sich Klima-Veränderung.

Die Erwärmung der Ozeane fällt übrigens deutlich höher aus, weil sie Wärme zusätzlich speichern. An den Meeren der Welt lässt sich gut studieren, welchen Unterschied jedes Zehntelgrad ausmachen wird. Noch ein halbes Grad mehr und die Korallenriffe werden welt­weit zu 70 Prozent absterben. Landen wir bei insgesamt plus 2 Grad, sind diese Kinderstuben der Meere futsch. Mausetot.

Trump bricht seinen Amtseid

US-amerikanische Präsidenten leisten einen Eid darauf, Schaden abzuwenden. Mit seiner Ignoranz gegenüber der Klimaerwärmung ist Trump dabei, diesen Amtseid um ein Viel­faches zu verletzen. US-Farmer können sich nicht mehr auf die Jahreszeiten verlassen, Gletscher schmelzen auch in den USA. Das Mississippi-Delta säuft ab, Küstengroßstädte wie Miami stellen sich schon jetzt kostspielig auf den Anstieg des Meeresspiegels ein. Ohne drastische Gegenmaßnahmen verstärken Rückkop­pelungen jenseits der US-Grenzen die Schäden: Die Klimaerwärmung in andere Ländern werde sich vermehrt auf Handel und Wirtschaft der USA, einschließlich Import- und Exportpreisen sowie Lieferketten auswirken, warnen die Wissenschaftler. Ganz zu schweigen, was es für die Migrations- und Flüchtlingsbewegungen heißt, wenn in Mittelamerika die Agrarerträge einbrechen. 

Viele in Trumps Regierungsmannschaft wissen ganz genau, wie es um die Erde steht. An der Erstellung des US-Klimaberichts war auch das US-Verteidigungsmi­nis­terium beteiligt, düpiert nun durch das Weiße Haus. Eine Sprecherin von US-Präsident Trump unterstellte den Wissenschaftlern direkt, nur Extremszenarien herauszustellen – man werde den nächsten Bericht auf der Basis verlässlicherer Daten erstellen.

Deshalb ist davon auszugehen, dass der Bericht absichtlich vorzeitig und fast unangekündigt zwischen Thanksgiving und am Black Friday veröffentlicht wurde. Das eigentliche Drama jenseits politischer Rankünen ist jedoch: Der Zug, der gegen die Wand steuert, nimmt mit jedem Tag etwas mehr Fahrt auf: Heftige Hurrikans mit tagelangem Abregnen, extreme Dürren in der Kornkammer Nordamerikas, Buschbrände an der kalifornischen Küste mit einer mehrstelligen Anzahl von Toten sind Zeugen. Und ausgerechnet die USA, die wirklich alles hätten, Sonne, Wind, Kapital und Pioniergeist, um wirtschaftlich erfolgreich eine Energiewende umzusetzen, versagen auf der ganzen Linie.

Jule Reimer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Jule Reimer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Jule Reimer, Redakteurin in der Abteilung Wirtschaft und Gesellschaft des Deutschlandfunk, spezialisiert u. a. auf internationale Handels-, Rohstoff-, Agrar-, Energie- und Umweltpolitik. Studium der Volkswirtschaft und Portugiesisch an der Universität zu Köln, journalistische Ausbildung in der "Kölner Schule" und bei der Deutschen Welle. Kurzzeitkorrespondentenvertretung der ARD für das südliche Afrika. Neben der Leidenschaft für Globalisierungsthemen ein tiefe Zuneigung zur lusophonen Welt. Deshalb immer mal wieder Kommentare zu und Reportagen aus Brasilien, Angola, Mosambik.

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