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StartseiteInterview"Wissen kann man nie genug"15.01.2010

"Wissen kann man nie genug"

Deutschlandradio-Intendant Willi Steul zum Start von DRadio Wissen

Montagmorgen geht es los! Mit DRadio Wissen habe man ein Programm für junge Erwachsene konzipiert, das die Welt und was sie im Innersten zusammenhält, nahebringe, sagt Willi Steul. Bislang gebe es kein solches Programm.

Willi Steul im Gespräch mit Gerwald Herter

DRadio Wissen (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)
DRadio Wissen (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)
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DRadio Wissen

Gerwald Herter: Dass sich im Kölner Funkhaus des Deutschlandradios immer etwas tut, dürfte Ihnen klar sein. Hier wird schließlich das Programm des Deutschlandfunks gemacht. Seit einigen Monaten aber tut sich noch mehr, denn Anfang nächster Woche, ab nächsten Montag geht DRadio Wissen um sechs Uhr morgens auf Sendung, und auch dieses neue Programm entsteht hier in Köln. Es wird nicht nur, aber vor allem von jüngeren Journalisten gemacht.

O-Ton Lena Stärk: Ich bin Lena Stärk, Planungsredakteurin hier, seit September mit dabei, und eigentlich ist der Stand der Planung schon ganz gut. Trotzdem werde ich langsam wirklich ein bisschen aufgeregt und nervös.

O-Ton Norman Wollmacher: Ich bin Norman Wollmacher und arbeite als Techniker. Wir lernen zwar alle noch, auch aus unseren Fehlern, die wir gemacht haben und wahrscheinlich auch noch machen werden, aber ich denke, wir werden alles in den Griff bekommen.

O-Ton Anja Stöcker: Ich bin Anja Stöcker, Online-Redakteurin und Bloggerin für DRadio Wissen, und der Stand ist im Moment, dass wir natürlich die letzten Sachen an der Website vornehmen, das Blog vorbereiten, das morgen online geht, und jede Menge zu tun ist.

O-Ton Simone Buntschuh: Simone Buntschuh und Sachbearbeitung. – Die Stimmung ist super, klappen wird natürlich auch alles.

O-Ton Verena von Keitz: Mein Name ist Verena von Keitz, ich bin Moderatorin hier bei DRadio Wissen, und mir geht es doch auch erstaunlich gut. Ich dachte am Anfang bei den Vorbereitungssendungen, das könnte ja eine ganze Menge Holz werden mit vielen, vielen Themen, die wir bearbeiten und die wir dann auch noch selber fahren müssen.

O-Ton Stephan Beuting: Stephan Beuting, freier Mitarbeiter bei DRadio Wissen. – Also der Montag sieht schon ganz gut aus und eine Idee für Dienstag gibt es auch schon, und dann gucken wir mal weiter.

O-Ton Wolfgang Schiller: Wolfgang Schiller, Planungsredakteur. Ich bin eigentlich total entspannt, weil es kommt wie es kommt.

O-Ton Utz Dräger: Utz Dräger, Moderator hier. – Ich finde sehr interessant, dass hier mit sehr viel Mut an den Start gegangen wird, da auch so eine gewisse Vielfältigkeit und Bandbreite loszulassen. Grenzen als Moderator sind mir hier nicht großartig gesetzt worden. Natürlich weiß ich, was sich gehört und was sich nicht gehört, aber alles andere ist, glaube ich, ein langer großartiger Findungsprozess, und es ist toll, dass man so was mal machen kann.

Herter: Hirn will Arbeit! Das Team von DRadio Wissen will zu allererst jüngeren Leuten Informationen bieten. Zu diesem Team gehört auch der Intendant des Deutschlandradios, Dr. Willi Steul. Er ist für dieses neue Programm DRadio Wissen verantwortlich, wie bisher schon für Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur. In welche Richtung es gehen wird und was noch zu tun bleibt, das habe ich ihn vor der Sendung gefragt. – Guten Morgen, Herr Steul!

Willi Steul: Guten Morgen, Herr Herter!

Herter: Warum brauchen wir neben Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur jetzt ein drittes Programm?

Steul: Warum brauchen wir überhaupt Zeitungen, Radio und Fernsehen? – Deutschlandfunk mit seiner Konzentration auf Information und Kultur, Deutschlandradio Kultur mit seiner Konzentration auf Kultur und Information – wir sind ja auch nicht parallel überall zu hören -, und da passt in dieses Bouquet von Kultur und Information dieses spezielle Angebot Wissen, Wissen im weitesten Sinne, wunderbar dazu. Wissen heißt Bildung, Wissen heißt auch, durchaus Unnützes zu wissen, vieles zu wissen.

Brauchen? – Ach Gott, der Mensch braucht außer Wasser und Brot im Grunde genommen nur noch Liebe.

Herter: Brauchen junge Leute Wissen, denn dieses Programm richtet sich vor allem an junge Leute? Viele ältere Menschen glauben, dass Wissen und junge Leute nicht unbedingt in Zusammenhang steht. Wollen junge Leute im Radio nicht vor allem Musik hören?

Steul: Wir wissen aus der Nutzungspräferenz selbstverständlich von jungen Leuten, dass die sehr auf Musik aus sind. Nur: Musiksender gibt es genug. Es gibt in der Bundesrepublik Deutschland kein solches Angebot und wir finden, ich sage es noch einmal, das passt ideal zu den vorhandenen beiden Programmen, in eine Ergänzung, und Wissen, Herr Herter, kann man nie genug.

Herter: Also auch junge Leute wollen gut informiert werden. Wie soll das bei DRadio Wissen passieren? Geht man davon aus, dass diese jüngeren Menschen hart im nehmen sind, oder ist das auch locker?

Steul: Jüngere Menschen, damit kein Missverständnis entsteht: Wir wenden uns damit nicht an die 15- bis 19-Jährigen. Es ist ein Programm für junge Erwachsene, die sich mehr für das interessieren, was um sie herum in dieser Welt, auch in der Wissenswelt vorgeht, als der Durchschnitt der Bevölkerung, so wie wir ja durchaus mit Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur ein anspruchsvolles Angebot machen. Das muss von der Sprache her, das muss vom Zugang her, wie man so schön sagt, von der Anmutung her jedem zugänglich sein, auch dem formalen nicht Hochgebildeten, aber das Interesse an diesen Dingen findet man natürlich, wenn sie eine soziologische Untersuchung machen, eher doch da, wo auch der formale Bildungsgrad etwas höher ist, zumindest durchschnittlich. Wir denken, dass wir hier ein Programmangebot entwickelt haben, was sich an junge Erwachsene richtet, was sich auch an Studenten richtet, was sich an Menschen richtet, die diese Welt und was sie im Innersten zusammenhält vielleicht doch mehr beschäftigt, diese Frage, als andere Menschen sich damit beschäftigen.

Herter: Das Programm wird über Kabel, Satellit und DAB ausgestrahlt, ist also digital per Antenne zu empfangen. Welche Rolle spielt hier das Internet?

Steul: Ein modernes, heute startendes Programm dieser Art müssen sie von vornherein mit dem Internet denken. In unserer Gestaltung ist das Internet nicht der alleinige Träger, aber das Internet als Programmbegleitendes, Programmergänzendes, auch Zusammenspielendes. Es gibt zum Beispiel die "Redaktionskonferenz". Das ist eine Sendung am späten Nachmittag, 18 Uhr, wo Zuhörer sich über das Internet beteiligen können an der Diskussion, die die Redaktion untereinander führt. Es sind interaktive Elemente dabei und das Internet ist sozusagen von vornherein mitgedacht als komplementäres Element.

Herter: Das sieht man auch an der Website von DRadio Wissen. Die lässt sich nach thematischen Schwerpunkten ordnen unter DRadioWissen.de. Es gibt auch einen Blog der Redaktion, Blog.DRadioWissen.de, und die Hörer werden über Twitter auf dem Laufenden gehalten. Muss dieses Angebot, gerade dieses Internet-Angebot noch ausgebaut und weiterentwickelt werden?

Steul: Ein Aspekt – ich kann ja als Intendant leider nicht aktiv an der täglichen Entwicklung von so etwas teilnehmen, aber was ich immer wieder eingespeist habe in die Redaktion war: Legt euch nicht fest, blockiert euch nicht. Nichts ist fertig, alles ist experimentell, ihr könnt jeden Tag Neues hinzufügen und wieder abbauen. Ich habe dem Programmchef, der sogar noch ein bisschen älter ist als ich, gesagt: "Lass die jungen Wilden von der Kette!" Es muss die Erwachsenen geben in einem solchen Programm, die aufpassen, dass kein Unfug getrieben wird, aber die jungen Leute, auch mit ihrer Fantasie, die Generation, die dieses Internet und auch diese modernen Verbreitungsformen anderer Art sozusagen im Bauch haben – ich habe sie bestenfalls im Kopf -, die müssen wir als Macher gewinnen und wie gesagt die jungen Wilden von der Kette lassen, damit wir auch die da draußen erreichen, die genauso denken wie sie.

Herter: "Hirn will Arbeit", diesen Satz werden wir in den nächsten Tagen wohl öfters zu hören bekommen. Ist das der Claim, die Botschaft, das Motto des neuen Programms DRadio Wissen?

Steul: Ja! Man muss sich ja immer einen Spruch ausdenken. Ich finde "Hirn will Arbeit" ganz gut. Wir verkümmern ja auch, wenn das Hirn keine Arbeit bekommt. Und das Programm soll auch Lust machen auf selber denken. Der Erfinder der Tütensuppe wird im Porträt vorgestellt. Nun ja, das ist hübsches Wissen, das ist beiläufiges Wissen, das ist nicht so wichtig. Aber alles Wissenswerte über neue Elementarteilchen, so dargebracht, dass auch ich es verstehe, das ist schon spannendes Wissen und das führt auch dazu, dass man noch mal nachdenkt.

Herter: Auch eine Frage wird im Programm eine wichtige Rolle spielen: Was habe ich heute gelernt? Herr Intendant, was haben Sie gelernt bei der Arbeit mit den jungen Machern von DRadio Wissen?

Steul: Ich habe gelernt, dass ich auf sie hören muss. Ich habe gelernt – gut, das wusste ich schon vorher, aber ich habe noch einmal gelernt, dass ich immer noch lernen kann, und ein Tag ohne zu lernen ist sowieso ein verlorener Tag.

Herter: Politische Frage: Die Politik setzt der Entwicklung öffentlich-rechtlicher Anbieter immer wieder mal Grenzen. Ist es auch deswegen ein wichtiges Signal, dass ein neues Programm auf den Sender geht?

Steul: Die Politik setzt uns Grenzen und ich finde das durchaus auch in Ordnung, denn wir haben ein duales System. Die Politik setzt uns Grenzen dort, wo es um die Abgrenzung zu wirtschaftlichen, durchaus legitimen Interessen von kommerziellem Rundfunk geht. Da gibt es manchmal Gezänk darüber, das muss es auch geben, denn man will uns manchmal Dinge untersagen, wo wir sagen, nein, nein, da sind wir nicht damit einverstanden. So ist das in einer demokratischen Auseinandersetzung. Es ist ein Signal, dass ein neues Programm auf Sender geht, was in dieser Form von einem kommerziellen Konkurrenten nicht finanzierbar wäre. Ein solches Programm ist nicht ein Massenprogramm, es wäre Unfug, ein solches Programm über Werbung zu finanzieren. Deshalb ist es klassisch öffentlich-rechtlich und da setzt man uns keine Grenze. Im Gegenteil: Die Konferenz der Ministerpräsidenten, die für den Rundfunk zuständig ist, hat uns beauftragt und hat ja gesagt, dass wir dieses Programm machen.

Herter: Der Intendant des Deutschlandradios, Dr. Willi Steul, über DRadio Wissen, das neue Programm für junge Leute, die sich gut informieren wollen. Am nächsten Montag geht DRadio Wissen auf den Sender. Herr Steul, vielen Dank für das Gespräch.

Steul: Danke.

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