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StartseiteForschung aktuellChronobiologie-Forscher erhalten Medizin-Nobelpreis 02.10.2017

Wissenschaft Chronobiologie-Forscher erhalten Medizin-Nobelpreis

Für die Erforschung der Inneren Uhr erhalten drei US-Forscher den diesjährigen Medizin-Nobelpreis. Das verkündete das Nobelpreis-Komitee in Stockholm. Die Vergabe findet im Dezember statt.

Der Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees für Physiologie und Medizin, Thomas Perlmann, gibt in Stockholm die Träger des diesjährigen Medizin-Nobelpreises bekannt (auf dem Bildschirm von links nach rechts): Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young (Jonathan NACKSTRAND / AFP)
Die Träger des diesjährigen Medizinnobelpreises (auf dem Bildschirm, von links nach rechts: Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young) (Jonathan NACKSTRAND / AFP)
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Die drei US-Wissenschaftler Jeffrey C. Hall (Brandeis University, Waltham), Michael Rosbash (Brandeis University, Waltham) und Michael W. Young (Rockefeller University, New York City) erforschten die genetische Funktion des Tag-Nacht-Rhythmus bei Taufliegen. In der Begründung des Karolinska-Institus für die Verleihung des Medizin-Nobelpreises heißt es, die Entdeckungen zeigten, wie Pflanzen, Tiere und Menschen ihren biologischen Rhythmus an die Erdrotation anpassten.

Damit verleiht das Komitee den Preis an Wissenschaftler, die den zirkadianen Rhythmus erforschen. Zirkadiane Rhytmen sind physiologische Prozesse, die zirka 24 Stunden dauern. Der bekannteste ist der Wach-Schlaf-Rhythmus, aber auch die Hormonproduktion und die Körpertemperatur gehören dazu.

Es geht auch um Astronomie

Thomas Perlmann, der Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees für Physiologie und Medizin, erklärte in seiner Rede: "Das Wort zirkadian besteht aus dem lateinischen Wort 'zirka', das bedeutet Kreis. Und 'dies', das bedeutet Tag. Es geht in den Entdeckungen aber auch um Astronomie." Denn seit der Entstehung des Lebens vor rund vier Milliarden Jahren würden sich Lebewesen der Erdrotation anpassen.

Zirkadiane Rhythmen beeinflussen die Gesundheit

Der Chronobiologe Achim Kramer von der Berliner Charité erklärte im Gespräch mit dem Dlf, der Nobelpreis für dieses Forschungsgebiet bringe die steigende Bedeutung der Inneren Uhr für ein gesundes Leben zum Ausdruck. "Wir wissen mittlerweile, dass der ganze Stoffwechsel stark tageszeitlich reguliert ist", so Kramer. Schichtarbeit beispielsweise bringe die Innere Uhr des Menschen durcheinander, wodurch gesundheitliche Probleme auftreten könnten.

Die Entdeckung begann in den 80ern

Die diesjährigen Preisträger isolierten in den 1980er-Jahren Gene in der Taufliege, die den biologischen Rhythmus bestimmen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Gen für Proteine verantwortlich ist, die sich über Nacht ansammeln. Im Laufe des Tages werden diese abgebaut. Mittlerweile ist bekannt, dass auch die biologische Uhr anderer Mehrzeller, unter anderem die des Menschen, so funktioniert.

900.000 Euro Preisgeld

Der Medizin-Nobelpreis, die höchste Auszeichnung für Mediziner, ist in diesem Jahr mit einem Preisgeld von umgerechnet 900.000 Euro doziert. Die drei US-Forscher teilen sich die Dotierung. Im vergangenen Jahr hatte der japanische Zellbiologe Yoshinori Ohsumi den Nobelpreis für Medizin erhalten.

Bekanntgabe weiterer Preisträger

Mit der heutigen Auszeichnung beginnt die Bekanntgabe der diesjährigen Nobelpreise. Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt, am Donnerstag folgt die Bekanntgabe des Nobelpreisträgers für Literatur, am Freitag die des Friedensnobelpreisträgers. Kommende Woche Montag wird bekannt gegeben, wer den von der schwedischen Reichsbank gestifteten Wirtschaftsnobelpreis erhält.

Die feierliche Vergabe aller Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

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