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StartseiteCorsoWarum wir gerne an Mythen glauben29.04.2019

Wissenschaft versus WahnWarum wir gerne an Mythen glauben

Die Mondlandung war eine Filmkulisse und Hitlers Anhänger leben noch heute in der Antarktis: Seit jeher glauben Menschen an Verschwörungen. Doch "heute wird Verschwörungsglauben viel stärker politisch instrumentalisiert, als noch vor zehn Jahren", sagte der Wissenschaftler Holm Gero Hümmler im Dlf.

Holm Gero Hümmler im Corsogespräch mit Susanne Luerweg

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Astronaut Buzz Edwin Eugene Aldrin (USA) neben der amerikanischen Fahne auf dem Mond während der Mission Apollo 11. (Imago Stock & People)
Alles nur erfunden? Das glauben zumindest Verschwörungstheoretiker*innen über die Mond-Landung (Imago Stock & People)
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Die Mondlandung hat nie stattgefunden, die Anschläge vom 11. September – alles Lüge, und ohnehin arbeiten Großmächte stetig daran, uns mit so genannten Chemtrails zu vergiften. Unzählige Bücher führen Beweise für die oben genannten Behauptungen an, das Internet ist voll mit kruden Geschichten über vermeintlich falsche Ereignisse - und obwohl viele der genannten Verschwörungstheorien wissenschaftlich widerlegt sind, glauben immer mehr Menschen trotzdem daran. 

Nährboden für Rechtsextremismus

Verschwörungstheorien, so der Wissenschaftler und Autor Holm Gero Hümmler, "gab es schon immer, aber heute sind sie zum Politikum geworden und haben sehr viel mehr mit Rechtsextremismus zu tun, als noch vor zehn Jahren". Den Mächtigen zu mißtrauen, sei nicht per se schlecht, so Hümmler im Dlf, das habe unseren Vorfahren das Überleben gesichert. Heute würden allerdings häufig immer nur die Quellen bemüht, die die ohnehin vorgefasste Meinung bedienten.

Hümmler selbst ist Anhänger der Skeptikerbewegung, die sich stark am wissenschaftlichen Denken orientiert, rational und nicht emotional geprägt ist. In seinem Buch unterscheidet er "False Flag Operations" von "Verschwörungsmythen. Erstere sind von Regierungen initierte Angriffe, die so nicht stattgefunden haben, wie beispielsweise die Attacken auf Grenzstationen in Polen, die von SS-Leuten selbst ausgeführt wurden und nicht, wie von der deutschen Regierung behauptet, von Polen.

Wir haben noch länger mit Holm Gero Hümmler gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs

Typisch für moderne Verschwörungstheorien hingegen seien Ereignisse, die wir über die Medien wahrgenommen hätten, die so komplex seien, dass wir sie nicht verstünden, so Hümmler. Häufig beeinflussten sie den politischen Diskurs, und rechte Theorien würden inzwischen mit Hilfe von Verschwörungstheorien in die linke Szene getragen. 2014 habe sich die so genannte Friedensbewegung über die "Chemtrails" positioniert. Mit Verschwörungstheorien versuche man, die Ränder zusammenzuführen, sagte Hümmler im Dlf.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Holm Gero Hümmler: "Verschwörungsmythen. Wie wir mit verdrehten Fakten für dumm verkauft werden"
S. Hirzel Verlag Stuttgart, 2019. 223 Seiten, 19,80 Euro.

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