Die Nachrichten

Deutschlandfunk24 Die Nachrichten

Die Nachrichten

Wissenschafts-FauxpasJournal veröffentlicht ausgedachte Studie

Toilettenpapierhalter mit einer leeren Rolle Klopapier (picture alliance / dpa)
Toilettenpapier-Studie war ein Scherz (picture alliance / dpa)

Konservative Politiker wischen sich den Hintern mit der linken Hand ab, Linksorientierte mit der rechten Hand. So steht es tatsächlich im Fachmagazin Psychology and Psychotherapy, obwohl rein gar nichts an dieser Behauptung belegt ist.

Gary Lewis, Psychologe an der Uni London, wollte sich einen Spaß machen und hat die Studie frei erfunden. Darin gab er vor zu untersuchen, ob die politischen Vorlieben eines Menschen einen Einfluss darauf haben, mit welcher Hand er sich auf der Toilette den Po abwischt. Dafür habe er britische Abgeordnete befragt: Unter anderem Boris Johnski, Teresa Maybe und Placido Domingo. Verpackt in feinster akademischer Fachsprache reichte er den Artikel ein und bekam eine Zusage.

Hintergrund ist ein möglicher Interessenskonflikt der sogenannten Predatory Journals. Sie haben ein Geschäftsmodell daraus entwickelt, dass Forscher heute stark unter Druck stehen, Fachartikel zu publizieren. Sie bieten ihnen die Publikation an, wenn die Forscher dafür zahlen. Auch Lewis sollte knapp 600 Dollar zahlen; er weigerte sich, bekam dann aber trotzdem die Zusage, den Artikel gratis veröffentlichen zu können.

Das Heft gibt an, vor der Veröffentlichung eine Qualitätsprüfung durchzuführen, die so genannten Peer Review. Dabei bewerten unabhängige Experten unter anderem Methodik und Ergebnisse. Das wiederum bedeutet im vorliegenden Fall, dass den Experten der Fake entweder nicht aufgefallen ist - oder die Studie wurde nie gegengelesen.

Diese Nachricht wurde am 10.07.2018 im Programm Deutschlandfunk Nova gesendet.