Seit 23:10 Uhr Das war der Tag

Montag, 25.03.2019
 
Seit 23:10 Uhr Das war der Tag
StartseiteForschung aktuellErster öffentlicher Auftritt von US-Wissenschaftberater Kelvin Droegemeier19.02.2019

Wissenschaftspolitik unter TrumpErster öffentlicher Auftritt von US-Wissenschaftberater Kelvin Droegemeier

Wissenschaftliche Fakten sind US-Präsident Donald Trump meist egal. Anfang Januar 2019 wurde nun die Stelle des Direktors des Büros für Wissenschafts- und Technologiepolitik des Weißen Hauses besetzt. Jetzt hat sich der Direktor erstmals auf dem Wissenschaftskongress AAAS vorgestellt.

Von Joachim Budde

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Kelvin Droegemeier ist seit Anfang Januar 2019 Direktor des Büros für Wissenschafts- und Technologiepolitik des Weißen Hauses (OSTP) (imago stock&people)
Kelvin Droegemeier ist seit Anfang Februar 2019 Direktor des Büros für Wissenschafts- und Technologiepolitik des Weißen Hauses (OSTP) (imago stock&people)
Mehr zum Thema

Back to Germany Junge Wissenschaftler und der Weg zurück nach Deutschland

USA US-Wissenschaftler kämpfen für Ende des Shutdowns

Brain Gain: Der Astrophysiker Bruce Allen Abstrampeln für die Forschung

Als Kelvin Droegemeier ans Mikrofon im Kongresszentrum tritt, macht er einen etwas nervösen Eindruck.                                   

"Good afternoon everyone, how is everybody doing? - Fantastic."

Die Veranstalter haben einen der größten Säle für den ersten öffentlichen Auftritt des frisch gekürten Direktors des Büros für Wissenschafts- und Technologiepolitik im Weißen Haus, kurz OSTP, reserviert. Und der ist fast voll besetzt.

Kelvin Droegemeier ist ein angesehener Meteorologie-Professor. Und er hat Erfahrung in Politikberatung. Neben seiner Professur an der University of Oklahoma war er zwölf Jahre lang Mitglied des National Science Boards, ein unabhängiges Beratungsgremium der Akademie der Wissenschaften für den US-Präsidenten und den Kongress. Am 11. Februar 2019 hat ihn Vizepräsident Mike Pence vereidigt.

"Ich hoffe, Sie werden nie vergessen, dass ich einer von Ihnen bin. Das ich aus Ihren Reihen komme. Ich bin ein Forscher, ich bin ein Lehrer - kein abgehobener Bürokrat in einem weit entfernten Büro."

Was kann Wissenschaftspolitik unter Präsident Donald Trump?

Viele Zuhörerinnen und Zuhörer im Saal sorgen sich darum, wie laut die Stimme der Wissenschaft im Weißen Haus noch ist, im Umfeld von Donald Trump - einem Präsidenten, dem Forschungsergebnisse offenbar egal sind und der auch vor offensichtlichen Lügen nicht zurückschreckt. Kelvin Droegemeier versucht, solche Befürchtungen zu entkräften.

"Ich kann Ihnen mit der Zuversicht eines Wissenschaftlers, dem diese Nation am Herzen liegt, sagen, dass Wissenschaft und Technologie in der Trump-Regierung wohlauf sind und dass mein Büro Wissenschafts- und Technologievorhaben von Beginn der Amtszeit an aktiv und deutlich vorangebracht hat."

Mehr privates Geld, weniger Regulierung, Steuern sparen

Dann umreißt er seine Pläne: Er strebe mehr Zusammenarbeit zwischen den Wissenschaftsdisziplinen an, wolle – wie er es nennt – Portfolios aus solchen Instituten zusammenstellen, die an verschiedenen Aspekten desselben Problems arbeiten. Dabei gehe es ihm aber nicht nur um bessere Forschungsergebnisse:

"Wir wollen die kollektive Kraft jedes Sektors unseres Forschungssystems durch innovative Partnerschaften in Schwung bringen, damit sie allen Menschen Nutzen bringen und Werte schaffen. Werte schaffen für die Steuerzahler in Amerika. "

Mehr privates Geld, weniger Regulierung, Steuern sparen - drei von Kelvin Droegemeiers wichtigsten Anliegen. 

"Wer gehofft hat, ich könnte eine große neue Forschungsinitiative verkünden, dürfte etwas enttäuscht sein. Habe ich Ideen dafür? Absolut! So wie Sie alle. Aber das ist nicht meine Aufgabe. Meine Rolle ist, mit Ihnen daran zu arbeiten, dass diese unglaubliche Forschungsunternehmung, an der wir uns in Amerika erfreuen, weiterhin gedeiht und wächst. "

Faktenbasiertes Denken in der US-Regierung voranbringen

Die Enttäuschung ist bei vielen Anwesenden noch größer, als Kelvin Droegemeier direkt nach seinem Vortrag schnellen Schrittes die Bühne und den Saal verlässt – ohne sich Fragen aus dem Publikum zu stellen, wie das bei solchen Gelegenheiten eigentlich üblich ist. Eine Frage, die vielen Zuhörern auf den Nägeln brennt: Wie will es Kelvin Droegemeier schaffen, dass ihm der amerikanische Präsident zuhört. Rush Holt, Generaldirektor der American Association for the Advancement of Science, glaubt, er muss mit Fingerspitzengefühl vorgehen.

"Ich hoffe, dass Doktor Droegemeier faktenbasiertes Denken in der Regierung voranbringt. Nicht nur beim Präsidenten selbst, sondern überall in der Exekutive. Wir brauchen das. Und ich hoffe, er wird das aggressiv und gleichzeitig wirkungsvoll tun. Wenn er zu aggressiv ist, werden die Leute in der Regierung ihn zur Seite schieben. Aber ich hoffe auch, er ist nicht zu behutsam."

Gretchen Goldman ist Forschungsdirektorin der Union of Concerned Scientists, der "Vereinigung besorgter Wissenschaftler". Sie sieht es so:

Öffentlicher Druck und Unterstützung für mehr Wissenschaft in US-Regierungsarbeit

"Wir werden beobachten müssen, wie sehr er für seine Positionen einsteht und in wieweit der Präsident seinem Rat folgt. Es ist wichtig, öffentlichen Druck aufrecht zu erhalten und sicherzustellen, dass er Unterstützung erfährt, wenn er den Einsatz von Wissenschaft in dieser Regierung voranbringen will."

Doch auch wenn er den Präsidenten selbst nicht erreichen wird, glaubt John Holdren, Physikprofessor und unter Präsident Barack Obama Wissenschaftsberater im Weißen Haus, kann Kelvin Droegemeier einen wichtigen Einfluss ausüben.

"Was ich vorhersagen kann: Im Büro für Wissenschafts- und Technologiepolitik wird viel gute Arbeit geleistet, und seine Rolle wird sein, die Kompetenzen zu Wissenschaft und Technologie aus der ganzen Regierung zusammenzuziehen und auf das zu richten, was dieses Land benötigt. Er kann eine Menge gute Arbeit leisten, auch wenn er letztlich keinen guten Zugang zu Präsident Trump hat."

Es scheint so, als habe Donald Trump dafür gesorgt, dass viele Menschen in den USA sich inzwischen schon mit ziemlich wenig zufrieden geben.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk