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StartseiteKalenderblattWissenschaftsstar aus Dänemark14.08.2007

Wissenschaftsstar aus Dänemark

Vor 230 Jahren wurde der Physiker Hans Christian Oersted geboren

Er war umfassend gebildet: naturwissenschaftlich wie philosophisch. Die Physiker haben ihm die Entdeckung grundlegender Zusammenhänge des Elektromagnetismus zu verdanken. Der am 14. August 1777 im dänischen Rudkoebing geborene Hans Christian Oersted war ein Genie seiner Zeit.

Von Kay Müllges

Ein automatisches Messsystem für Elektromagnetische Felder. Hans Christian Oersted leistete dazu Pionierarbiet. (AP)
Ein automatisches Messsystem für Elektromagnetische Felder. Hans Christian Oersted leistete dazu Pionierarbiet. (AP)

Frage: Kennen Sie einen berühmten Dänen mit dem Vornamen Hans Christian? Klar doch, werden Sie wahrscheinlich antworten, Hans Christian Andersen. Der populäre Märchenschriftsteller selbst sah das ganz anders. Er beschrieb sich immer als den kleinen Hans Christian. Der große Hans Christian, das war für ihn sein väterlicher Freund Hans Christian Oersted. Der Autor der "Kleinen Meerjungfrau" beschrieb die Beziehung zu Oersted in einem Brief so:

"Vom ersten Moment an, mit ständig wachsender Sympathie, die in seinen späten Jahren zu wirklicher Freundschaft wuchs, war Oersted um mich besorgt. Sein Haus wurde früh ein Heim für mich. Mit seinen Kindern habe ich gespielt, als sie klein waren, habe sie aufwachsen sehen. In seinem Haus habe ich meine ältesten und besten Freunde gefunden."

Doch wer war dieser große Hans Christian? Geboren wurde er heute vor 230 Jahren, als Sohn eines kleinen Apothekers in dem Dorf Rudkoebing auf Langeland. Schon mit 16 Jahren bestand er die Aufnahmeprüfung an der Universität Kopenhagen. Eingeschrieben war er zwar für das Studium der Naturwissenschaften und der Pharmazie, doch seine Interessen waren wesentlich weiter gefasst. 1797 wurde er für einen Aufsatz über die Grenzen von Poesie und Prosa ausgezeichnet, und seine Dissertation befasste sich mit der elementaren Metaphysik der Natur. Wie viele Gelehrte seiner Zeit war auch Oersted stark von der romantischen Naturphilosophie geprägt. Deren Zielsetzung formulierte einer ihrer Hauptvertreter, der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, so:

"Mit der Naturphilosophie beginnt, nach der blinden und ideenlosen Art der Naturforschung, die seit dem Verderb der Philosophie durch Bacon, der Physik durch Boyle und Newton allgemein sich festgesetzt hat, eine höhere Erkenntnis der Natur; es bildet sich ein neues Organ der Anschauung und des Begreifens der Natur."

In der romantischen Naturphilosophie ist die Natur ein komplexes, zusammenhängendes System, ein Organismus, in dem immer und überall gegensätzliche Kräfte wirken. Sie stoßen sich ab, um nach Wiedervereinigung zu streben. Oersted lernte Schelling und andere prominente Naturphilosophen auf einer ausgedehnten Studienreise kennen, die ihn in den Jahren 1801 – 1803 nach Deutschland, Frankreich und in die Niederlande führte. Zurück in Kopenhagen, nahm er eine rege Vorlesungstätigkeit an der Universität auf und beschäftigte sich mit physikalischen und chemischen Problemen.

Doch seine größte Entdeckung machte er im Frühjahr des Jahres 1820 eher zufällig. In einer Vorlesung wollte er die Erwärmung eines Drahtes durch elektrischen Strom demonstrieren und einige magnetische Experimente durchführen. Dafür stellte er einen Kompass auf einem Holzständer bereit. Während er seine Versuche durchführte, bemerkte er zu seiner Überraschung, dass jedes Mal, wenn der elektrische Strom eingeschaltet wurde, die Kompassnadel ausschlug. Später schrieb er über diese historische Stunde:

"Der Effekt war sicherlich unverkennbar. Aber mir erschien er so konfus, dass ich eine weitere Untersuchung auf später, wenn ich mehr Zeit haben würde, verschob."

Im Sommer 1820 führte er dann eine Reihe von Experimenten durch, die zeigten, dass elektrischer Strom ein Magnetfeld produzieren kann, wenn er durch einen Draht fließt. Am 21. Juli 1820 veröffentlichte er seine Ergebnisse. Die wissenschaftliche Welt war von diesem neuen Phänomen des Elektromagnetismus buchstäblich elektrisiert. Physiker wie André-Marie Ampère und Michael Faraday stürzten sich mit Feuereifer auf das neue Gebiet, Oersted wurde mit Ehrungen in vielen Ländern überhäuft. Auch in seinen späteren Jahren leistete er noch bedeutende Beiträge zur Wissenschaft, so stellte er beispielsweise als erster Aluminium her. Hans Christian Oersted starb am 9. März 1851 - an seiner Beerdigung sollen 200.000 Menschen, unter ihnen auch der dänische Kronprinz, teilgenommen haben. Und Schulkinder in den USA werden noch heute musikalisch über seine Entdeckung informiert.

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