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StartseiteSport am Wochenende"Die russische Realität ist ziemlich schnell wieder eingekehrt"29.12.2018

WM 2018"Die russische Realität ist ziemlich schnell wieder eingekehrt"

Die Stimmung nach der ausgelassenen WM ist in Russland ziemlich schnell wieder gekippt, sagte die Journalistin Olga Sviridenko im Dlf. Vor allem die russische Bevölkerung habe durch scharfe soziale Einschnitte die Rechnung für die Fußball-Party bezahlen müssen. Fraglich sei, was in Zukunft mit den WM-Stadien passiere.

Olga Sviridenko im Gespräch mit Matthias Friebe

Russische Fans feierten den Erfolg ihres Teams gegen Ägypten auf Moskaus Straßen (dpa / TASS / Mikhail Pochuyev)
Russische Fans feierten den Erfolg ihres Teams bei der WM gegen Ägypten auf Moskaus Straßen (dpa / TASS / Mikhail Pochuyev)
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"Die WM war ein Ausnahmezustand für viele Russen", sagte die Journalistin Olga Sviridenko im Dlf. "Es gab freundliche Polizisten, es wurde öffentlich Alkohol getrunken."

Die Stimmung ist danach aber ziemlich schnell wieder gekippt, berichtet die Russland-Kennerin. Es gab Festnahmen gegen Oppositionelle, wie Alexej Nawalny und gegen russische Jugendliche, die sich kritisch in sozialen Netzwerken über die Regierung geäußert hatten. "Die russische Realität ist ziemlich schnell wieder eingekehrt", fasste Sviridenko die Phase nach dem rauschenden Fußballfest zusammen. 

Putin (re.) hält eine goldene Trophäe, Infantino kommt von links auf ihn zu. Vor der Bühne stehen Zuschauer. (AFP/Mladen ANTONOV)Putin sonnt sich im Licht des WM-Pokals (AFP/Mladen ANTONOV)

Putin selbst profitiert nicht durch WM

Innenpolitisch war die WM ein riesengroßer Erfolg. Die Organisation der WM sei weltweit gelobt worden, erklärte die Journalistin. "Die ausländischen Fans haben ein absolut gastfreundliches Russland erlebt."

Das politische Klima habe sich aber nicht, wie von vielen erhofft, verändert. Putin selbst habe durch die WM nicht profitieren können, seine Umfragewerte seien schon während des Turniers gesunken - und sinken auch weiterhin. 

Russische Demonstranten protestieren in Moskau gegen die Rentenreform der Regierung Putin. Vitaliy Belousov / Sputnik Foto: Vitaliy Belousov/Sputnik/dpa | (Sputnik)Russische Demonstranten protestieren in Moskau gegen die Rentenreform der Regierung Putin. (Sputnik)

"Das russische Volk zahlt die Zeche für die WM"

Die Mehrwertsteuererhöhung und die Anhebung des Renteneintrittsalters seien die schärfsten sozialen Einschnitte für das russische Volk seit den 90er Jahren gewesen, sagte Sviridenko. Die Maßnahmen sorgten für Proteste im ganzen Land und man konnte sehen, wer am Ende die Zeche für die Fußball-WM in Russland zahlen müsse - nämlich die russische Bevölkerung.

Es sei aber verführt, über einen Umbruch oder einen Aufbruch in der russischen Gesellschaft zu sprechen, dafür sei Putin noch zu beliebt und zu stark werde die Opposition noch unterdrückt.  

Die Nachnutzungsfrage der Stadien ist noch offen

Was die Nachnutzung der WM-Stadien angehe, sei noch nicht abzusehen, ob sich diese zu weißen Elefanten entwickeln würden - also ungenutzt blieben. Bei einigen Stadien habe die WM zu gestiegenen Zuschauerzahlen geführt, aber es gebe auch erhebliche Baumängel, weil nicht sauber gearbeitet wurde.

Die Frage sei nun, ob die ökonomisch schwachen Provinzregionen die Unterhaltszahlungen für die WM-Stadien tragen können. Das dürfte für einige Regionen zur großen Belastung werden. Ab 2023 sollen sich die Stadien rentieren. 

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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