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StartseiteKommentare und Themen der WocheKonsequentes Ende einer verkorksten Vorrunde27.06.2018

WM-Aus für DeutschlandKonsequentes Ende einer verkorksten Vorrunde

Das Aus von "La Mannschaft" werde an der Fußball-Begeisterung der Deutschen nichts ändern, kommentiert Thommy Wheeler. Im Nationalteam hingegen müsse man nun die richtigen Schlüsse ziehen. Dazu gehörte auch die Trainerfrage: "Ein Wechsel an dieser zentralen Schaltstelle wäre der richtige Impuls!"

Von Thommy Wheeler

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Der Endstand der Gruppe F nach der Gruppenphase wird auf einer Anzeigetafel angezeigt. Deutschland ist nach einem 0:2 gegen Südkorea in der Vorrunde der Fußball-WM ausgeschieden.  (dpa / picture alliance / Christian Charisius)
Deutschland ist nach einem 0:2 gegen Südkorea in der Vorrunde der Fußball-WM ausgeschieden. (dpa / picture alliance / Christian Charisius)
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Das Aus, die Niederlage, ein Schock für alle deutschen Fußball-Fans. Auf den ersten Blick. Auf den Zweiten ist die Pleite nach dem ernüchternden 0:1 gegen Mexiko und dem glücklichen 2:1 gegen Schweden nur das konsequente Ende einer völlig verkorksten Vorrunde. Das Balla-Balla-Land Schland ist als Titelverteidiger und FIFA-Weltranglisten-Erster bei der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft in Russland erstmals in einer WM-Vorrunde rausgeflogen.

Auch Franzosen und Italiener haben das schon durchgemacht

Das darf doch nicht wahr sein, denken jetzt sicherlich Millionen BundestrainerInnen und weinen ein Taschentuch nach dem anderen voll. Zweifellos: Seltsam fühlt es sich schon an, wenn die deutsche Nationalmannschaft, die ja ein Abo auf das WM-Halbfinale hatte, nun nach Hause fliegen muss. Bei aller Liebe von Millionen für diesen Sport hierzulande gilt jedoch auch bei dieser völlig neuen Erfahrung der Spruch von Stepi alias Dragoslav Stepanovic: "Das Lebbe geht weider." Warum auch nicht. Wer Zweifel hat, kann ja mal bei Franzosen, Italienern und Spaniern nachfragen, die das schon durchgemacht haben.

Ähnlich wie in diesen Ländern hat der Fußball auch bei uns einen extrem hohen Identifikationsgrad, was mehr als sieben Millionen Mitglieder im DFB und 25.000 Vereine eindrucksvoll belegen. Das Aus von "La Mannschaft" wird an dieser Begeisterung nichts ändern. Im Nationalteam hingegen gilt es nun die richtigen Schlüsse aus dem Scheitern zu ziehen. Vielleicht hat man sich seit dem WM-Titel 2014 ähnlich wie nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1990 einfach zu sehr auf der Position ausgeruht, es würde schon immer so weitergehen. Wobei das, was die Bundesliga international zu bieten hat, in den letzten Jahren häufig recht dürftig war. Sieht man einmal vom FC Bayern München ab. Joachim Löw hat darauf mehrfach hingewiesen, dass er mit dieser Entwicklung nicht zufrieden sei.

Aus für Löw trotz Grindels Jobgarantie?

Aber auch sein Trainerstab und er müssen sich hinterfragen. Hat man womöglich zu viele Weltmeister von 2014 mit nach Russland genommen, die ihren Zenit längst überschritten haben und zudem auch noch satt sind? Hätte man stattdessen nicht eher junge, hungrige Spieler, wie zum Beispiel Julian Brandt mal von Anfang an bringen sollen?  Viele Fragen, die in der Analyse sicherlich eine gewichtige Rolle spielen werden. Ob das alles noch mit Joachim Löw als Bundestrainer möglich ist?

Ich kann es mir nicht vorstellen, dass der DFB weiter an ihm festhält. Auch wenn DFB-Präsident Reinhard Grindel Löw eine Jobgarantie gegeben hat. Ohne dessen enorme Verdienste für die Nationalmannschaft und den deutschen Fußball schmälern zu wollen, ein Wechsel an dieser zentralen Schaltstelle wäre der richtige Impuls. Für den Augenblick gilt aber erst mal die Erkenntnis: Auch wir Deutsche können nicht immer Fußballspitze sein. Wenn das nicht der schlagende Beweis dafür ist, das auch wir ein ganz normales Völkchen wie jedes andere sind.

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