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StartseiteKommentare und Themen der WocheUnerträgliche Häme28.06.2018

WM-Aus für DeutschlandUnerträgliche Häme

Die Häme, die nach dem WM-Aus für die deutsche Mannschaft über einzelne Spieler gegossen wurde, ist unerträglich, kommentiert Jessica Sturmberg. Ebenso dass Populisten die sportliche Niederlage politisch missbrauchen würden. Das führe garantiert nicht dazu, dass es wieder bergauf geht.

Von Jessica Sturmberg

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Süle fasst sich enttäuscht an den Kopf, Gomez und Hummels sprechen mit ihm. (Christian Charisius / dpa)
Mario Gomez, Mats Hummels und Niklas Süle (v..l.n.r.) nach dem WM-Aus (Christian Charisius / dpa)
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Fußball ist nicht nur ein Spiel. Fußball hat einen gesellschaftspolitischen Stellenwert. Hinter der Mannschaft vereint sich eine Nation, sie ist Teil des Nationalstolzes. Identifikationsobjekt, Vorbild. Die Spiele haben Rekordeinschaltquoten, sind soziales Gesprächsthema. Und ihr Abschneiden beeinflusst auch unsere Stimmung. Bei dem einen mehr, beim anderen weniger.

In diesem Sommer wird der Fußball nicht dazu beitragen können, uns atmosphärisch aus dem Tief zu holen, das uns derzeit politisch und gesellschaftlich ereilt. Dass der Fußball nicht als Stimmungsaufheller dienen kann - gut - kann passieren.

Dass eine Niederlage aber gleich eine solche Häme besonders an einzelnen Spielern freisetzt, die über sportliche Kritik hinausgeht, ist in dieser Weise neu. Und unerträglich. Ebenso, dass Populisten die sportliche Niederlage gar noch politisch missbrauchen, um sie als Sinnbild für einen angeblichen Niedergang zu deuten, ein Niedergang der Regierung oder gleich der gesamten deutschen Gesellschaft.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die Krisen fallen nur zeitlich zusammen. Umso wichtiger, dass wir eine angemessene Interpretation dazu haben. Es geht nicht um die Angst vor dem sportlichen Niedergang, sondern den Umgang damit.

Sportlicher Dämpfer - nicht weniger, aber auch nicht mehr

Denn sportlich betrachtet hat hier eine Mannschaft nicht zu ihrem Spiel und sich selbst gefunden. Die arrivierten WM-Titelverteidiger zusammen mit den jungen ConfedCup-Siegern haben keine neue Supermannschaft gebildet, so wie die Rechnung des Deutschen Fußball Bundes lautete.

Sehen wir die Niederlage als das, was sie ist: ein sportlicher Dämpfer, der noch einmal klar macht, dass Erfolge nicht selbstverständlich und nicht planbar sind. Der uns aber bitte nicht weiter runterzieht, weder in dem Gefühl, jetzt gehe es mit Deutschland bergab, noch - und viel schlimmer - in einer weiteren Verrohung. Das führt garantiert nicht dazu, dass es wieder bergauf geht.

Sehen wir lieber die Chance. Und von unten ist der Blick auf den Gipfel wieder möglich. Wir müssen nur hochschauen, nicht nach unten.

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