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StartseiteSport AktuellDie FIFA feiert sich 13.07.2018

WM-BilanzDie FIFA feiert sich

Noch ist der Weltmeister 2018 nicht gekürt. Doch für den Weltverband FIFA steht jetzt schon fest, dass man sich selbst übertroffen hat. Auf der abschließenden Pressekonferenz von Gianni Infantino, lobte der FIFA-Präsident Russland und den Videobeweis überschwänglich - kritischen Fragen wich er aus.

Von Matthias Friebe

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FIFA-Präsident Gianni Infantino bei der WM-Abschluss-Pressekonferenz im Lushniki Stadion in Moskau.  (imago sportfotodienst)
Sehr mit sich und "seiner WM" zufrieden: FIFA-Präsident Gianni Infantino. (imago sportfotodienst)
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Eigentlich war das Turnierfazit der FIFA schon klar, bevor die Pressekonferenz mit Weltverbands-Präsident Gianni Infantino begann. "Seit ein paar Jahren sage ich, dass es die beste WM wird. Heute kann ich es mit größter Überzeugung sagen. Ich habe es erlebt und Sie haben es auch erlebt: Es ist die beste Weltmeisterschaft, die jemals stattgefunden hat."

Ausgedrückt in Zahlen heißt das aus Sicht des FIFA-Präsidenten: "98 Prozent Stadionauslastung, mehr als eine Million Fans aus dem Ausland, die gekommen sind, um das Land zu entdecken, mehr als drei Milliarden Fernsehzuschauer."   

Tore aus Abseitsposition? "Das ist zu Ende"

Gianni Infantino freute sich über die Party auf den Straßen, lauter negative Dopingtests, Fortschritte in der Anti-Diskriminierungsarbeit und die perfekte Organisation. Um dann noch auch in ein sportliches Lob einzustimmen. Insbesondere die sichtbarste Regeländerung, die Einführung des Video-Assistenten sei hervorragend akzeptiert, dank 99,32 Prozent richtiger Entscheidungen.

"Sie werden nie wieder ein Tor sehen, das aus einer Abseitsposition erzielt wurde. Das ist zu Ende." Sichtlich stolz und zufrieden gab sich der FIFA-Präsident auf dieser Abschlusspressekonferenz, zu der er im roten Pullover der freiwilligen Helfer gekommen war.  "Den Tausenden und Abertausenden, die bei dieser WM gearbeitet haben gebührt großer Respekt und ein großes Dankeschön, das Dankeschön des FIFA-Präsidenten, das Dankeschön von Gianni, das Dankeschön aller, die von ihrer Arbeit profitiert haben."

"Wir sind hier um Fußball zu feiern"

Das war's aber auch mit der Basisnähe des Präsidenten. Eine Aufwandsentschädigung für die rund 15.000 freiwilligen Helfer, die meisten von ihnen aus Russland, sei trotz der Milliardeneinnahmen der FIFA nicht drin. Schwer nachvollziehbar. Zurückhaltend reagierte er auch auf die einzige kritische Frage der Pressekonferenz  zur Situation in Russland. "Es gibt viele Ungerechtigkeiten auf der Welt", setzte er zu einem dreiminütigen Monolog an, in dessen Verlauf er betont allgemein blieb und verzichtete, Russland direkt zu erwähnen.

"Wir sind hier zu einer WM, wir sind hier für den Fußball. Wir sind hier, um Fußball zu feiern." Viele Probleme könnten gelöst werden, meint Infantino, wenn man mehr miteinander reden würde. Und dabei helfe natürlich auch die Fußball-WM. "Fußball kann nicht alle Probleme der Welt lösen, Fußball kann die Vergangenheit nicht ändern, aber einen Einfluss auf die Zukunft haben."

"Russland hat sich verändert"

Es klang wie die seit Jahren eingeübte und immer wiederkehrende Argumentation eines Sportfunktionärs. Von Selbstkritik keine Spur. Stattdessen nutzte der FIFA-Präsident die Gelegenheit, dem Gastgeber überschwänglich zu danken.

FIFA-Präsident Gianni Infantino und Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen im Vorfeld der Fußball-WM in Sotschi. (imago / Tass)FIFA-Präsident Gianni Infantino (li.) und Russlands Präsident Wladimir Putin (imago / Tass)

"Ein großes Dankeschön an Russland, Spasibo Rossija" Ein großes Dankeschön, natürlich auch an die Regierung und persönlich an Präsident Wladimir Putin. Von dieser WM bleibe auch für den Gastgeber ein herausragendes Erbe, ist der FIFA-Präsident überzeugt: "Russland hat sich verändert. Russland ist jetzt ein Fußball-Land geworden, zu dessen DNA der Fußball jetzt gehört."

WM 2022 doch schon mit 48 Teams?

Ähnliches hat man jetzt auch mit dem nächsten Ausrichter im Sinn, mit Katar im Jahr 2022. Immer noch im Raum steht, dass auch schon für dieses Turnier das Teilnehmerfeld auf 48 Länder erhöht wird. "Bei dieser WM hatten wir Mannschaften, die sonst regelmäßig teilnehmen, die sich nicht mal qualifiziert haben. Italien, die Niederlande, Chile als Copa-America-Sieger, Afrikameister Kamerun, die USA."

Die fußballerische Qualität werde immer größer und eine Ausweitung auf 48 Teams auch der Anzahl der FIFA-Mitglieder angemessen. Darüber sei man sich einig. Eine Entscheidung darüber, ob schon bei der nächsten WM das Feld vergrößert wird, wolle man jetzt in Ruhe und sorgfältig überlegen. Das WM-Finale in Katar findet am 18. Dezember 2022 statt. Bis dahin ist Russland für die FIFA, "Die beste WM aller Zeiten".

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