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StartseiteVerbrauchertippWenn zu Hause unter Schutz steht22.06.2018

Wohnen im BaudenkmalWenn zu Hause unter Schutz steht

Viele Baudenkmäler sind ganz normale Wohnhäuser - obwohl sie manchmal mehrere Jahrhunderte alt sind. Die Bewohner können sich an einem besonderen Zuhause erfreuen. Aber sie müssen dabei auch bestimmte Regeln einhalten.

Von Bernd Debus

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Ein Mann steht in Berlin an einem Fenster in einer Wohnung auf einer Leiter. (dpa / Jens Kalaene)
Beim Renovieren eines denkmalgeschützten Hauses ist einiges zu beachten (dpa / Jens Kalaene)
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Andreas Schäfer wohnt zusammen mit seiner Frau Angela in einem Haus aus dem Jahr 1640. Das Gebäude ist Teil eines Bauerngehöftes und steht unter Denkmalschutz. Das Leben in einem fast 400 Jahre alten Haus erfordert allerdings eine gewisse Flexibilität: "Hier ist der Boden schief, die Wände schief. Das ist einfach so. Verschiedene Deckenhöhen, unten haben wir 2,20 Meter, in der Mitte ist es 2 Meter, unterm Dach sind es 2,40 Meter."

Ohne Genehmigung geht fast nur Tapezieren

Einfach mal neue, gerade Decken einziehen, das geht allerdings nicht. "Ohne Genehmigung macht man eigentlich gar nichts. Also es wurde mir mal gesagt, alles, was über das Tapezieren hinausgeht, muss eigentlich genehmigt werden", sagt Schäfer.

Doktor Holger Mertens, Landeskonservator beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, fügt noch den neuen Teppichboden und die neuen Vorhänge hinzu, die ebenfalls nicht von den Denkmalbehörden genehmigt werden müssen, wird dann aber schnell wieder ernst: "In dem Augenblick, wo in irgendeiner Form ein Eingriff in die originale Substanz des Baudenkmals ansteht, würde ich dazu raten bei der Unteren Denkmalbehörde anzurufen und zu fragen: Besteht die Notwendigkeit einer denkmalrechtlichen Erlaubnis?"

Kompromisse mit Behörden nötig

Wobei sich die Denkmalbehörden bei Arbeiten in den Innenräumen meist eher kompromissbereit geben. Wer einen Zimmertürrahmen von 1,50 Meter auf 1,90 Meter erhöhen möchte, um sich nicht andauernd den Kopf zu stoßen, wird das wahrscheinlich genehmigt bekommen.

Problematisch sind vor allem Umbauten an der Fassade oder am Dach. Wollen die Besitzer zum Beispiel Fenster vergrößern oder Dachgauben hinzufügen, endet oft die Kompromissbereitschaft der Denkmalbehörden, wie Andreas Schäfer aus Erfahrung weiß: "Man darf Holzfenster nur einbauen, keine Kunststofffenster. Die müssen eine bestimmte Größe haben, bestimmte Höhen-und Seitenverhältnisse müssen die haben."

Aber maßgefertigte Holzfenster sind natürlich deutlich teurer, als die Kunststoff-Massenware aus dem Baumarkt. Ein denkmalgeschütztes Haus einfach verfallen lassen, weil der Erhalt ins Geld geht, ist aber auch keine Alternative.

Verpflichtung, das Gebäude zu schützen

Landeskonservator Holger Mertens zu den Pflichten eines Denkmaleigentümers: "Er ist nach dem Gesetz dazu verpflichtet das Gebäude in Stand zu halten, in Stand zu setzen, vor Gefährdung zu schützen, das heißt, für die Zukunft zu bewahren."

Als Ausgleich für die zusätzlichen Kosten, die beim Erhalt eines bewohnten Denkmals zwangsläufig anfallen, winken aber immerhin steuerliche Erleichterungen: "Die nämlich für alle Aufwendungen gewährt werden können, die dem Erhalt und der Nutzung des Baudenkmals dienen."

Direkte Fördermittel gibt es auch. Die entsprechenden Geldtöpfe sind jedoch, je nach Bundesland und Landesregierung, unterschiedlich gut gefüllt: "Der eigentliche Sinn und Zweck dieser Fördermittel ist, Mehraufwendungen, die möglicherweise aus dem Erhalt des Baudenkmals entstehen, abzudecken."

Mehrkosten für Bewohner

Wobei Denkmalbewohner Andreas Schäfer davor warnt, sich Illusionen zu machen: "Die Mehrkosten, die man hat, die werden damit nicht gedeckelt."

Auf der anderen Seite bietet das Wohnen im Denkmal auch Vorteile, die sich nicht in Euro und Cent aufwiegen lassen. Holger Mertens: "Das Wichtigste scheint mir zu sein, dass er in einem Baudenkmal wohnt, das mit einer hohen Individualität ausgestattet ist. Die Wahrscheinlichkeit ist recht groß, dass es ein solches Haus in dieser Form nur einmal gibt."

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