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StartseiteVerbrauchertippHaus und Hof versichern, aber richtig03.12.2018

WohngebäudeversicherungHaus und Hof versichern, aber richtig

Eine Wohngebäudeversicherung braucht jeder Hausbesitzer. Doch die Suche nach einem guten Tarif ist aufwendig. Hinzu kommt, dass viele Altverträge Lücken enthalten. Die Stiftung Warentest hat nun 100 Versicherungstarife untersucht. Und rät, stets mehrere Angebote einzuholen.

Von Dieter Nürnberger

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Wohnhaus brennt in Wiesbadener Innenstadt am 23.09.2018 (dpa / Wiesbaden112.de / Michael Ehresmann)
Wenn eine Weihnachtskerze zu einem Brand führt, sei der Deckungsschutz bei grober Fahrlässigkeit wichtig, rät ein Versicherungsexperte (dpa / Wiesbaden112.de / Michael Ehresmann)
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Nahezu alles, was einem Haus passieren kann, wird durch eine Wohngebäudeversicherung abgedeckt. Ein paar Ausnahmen gibt es allerdings: Beispielsweise Frostschäden, die entstehen, weil nicht geheizt wurde oder auch sogenannte Bergschäden, die durch Erdabsenkungen infolge des Bergbaus auftreten. Doch im Großen und Ganzen seien die meisten Risiken versichert, sagt Michael Bruns von der Stiftung Warentest:

"Das eine ist Feuer, das andere Sturm und Hagel. Drittens: Leitungswasserschäden - das sind sogar die meisten Schäden, die entstehen. Und das Vierte sind Elementarschäden. Wenn beispielsweise Überschwemmungen, Lawinenabgänge und Starkregen auftreten. Das sind die vier Bausteine, aus denen die Versicherung besteht."

Bundesgebiet ist in unterschiedliche Gefahrenzonen unterteilt

Untersucht wurden über 100 Tarifangebote, wobei die Versicherer nach dem Alter des Hauses ebenso unterscheiden wie nach dem Standort. Hier wird das Bundesgebiet in unterschiedliche Gefahrenzonen eingeteilt. Das kann dazu führen, dass in gefährdeten Hochwassergebieten eine geeignete Versicherung nur schwer zu bekommen ist.

Fast die Hälfte der untersuchten Tarife bekam eine mangelhafte Bewertung: Hier wurden oft wichtige Leistungen komplett ausgeschlossen oder die Versicherungssummen begrenzt. Etwa dann, wenn Abbruchkosten nach einem Brand oder Sturm nur minimal übernommen werden. Der wichtigste Punkt bei den Einschränkungen sei jedoch der Passus der groben Fahrlässigkeit:

"Das ist schneller passiert als man denkt: Man hat die brennenden Adventskerzen vergessen, ist im Nebenraum, und plötzlich brennt das Haus. Dann entsteht meist ein Schaden von mehreren hunderttausend Euro. Und der Versicherer sagt, na ja, das war grob fahrlässig, da zahlen wir nicht oder wir kürzen die Entschädigungssumme, so dass der Kunde auf zigtausend Euro Schaden sitzenbleibt. Das finden wir mangelhaft. Nur Tarife, die auch bei grober Fahrlässigkeit zahlen, können bei uns eine sehr gute Bewertung bekommen."

Altkunden sollten versuchen, Tarife nachzubessern

Doch gerade in Altverträgen ist der Deckungsschutz bei grober Fahrlässigkeit oft nicht vorhanden, so die Stiftung Warentest. Ebenso sind beispielsweise häufig zwar direkte Blitzschäden versichert, nicht aber die sehr viel häufigeren Schaden durch Überspannung. Altkunden sollten deshalb auf jeden Fall versuchen nachzubessern, rät Versicherungsexperte Michael Bruns.

"Den Versicherer anrufen und darum bitten, dass dieser Punkt mit aufgenommen wird. In der Regel muss man dann in einen anderen Tarif. Und das heißt: Der Versicherer wird den Preis wohl drastisch anheben. Sollte man trotzdem tun, auch wenn es dann 100 oder 200 Euro pro Jahr mehr kostet."

Und nicht zuletzt spielen auch individuelle Gegebenheiten des Wohngebäudes eine Rolle. Leistungen, die - je nach Haus und Lage wichtig sein können.

"Wer beispielsweise viele Bäume auf dem Grundstück hat, der kann nach einem Sturm vor dem Problem stehen, dass es mehrere tausend Euro kostet, die Bäume zu entsorgen. Also das Entsorgen von umgestürzten Bäumen mitversichern. Wenn das Haus nicht direkt an der Straße steht, sondern 20 oder 30 Meter zurück liegt, sind lange Rohrleitungen, die unter dem Grundstück verlaufen, oft nicht mitversichert. Und klar: Wer eine Solaranlage hat, unbedingt mitversichern."

Aufgrund dieser komplexen Sachverhalte rät die Stiftung Warentest dazu, sich stets mehrere Angebote von Versicherern einzuholen. In der Untersuchung wurden an vergleichbaren Standorten erhebliche Preisunterschiede festgestellt. Sie können einige hundert Euro pro Jahr betragen. Es gab Dutzende von sehr guten Angeboten. Allerdings waren es meist die eher teureren Premiumtarife, die überzeugten und somit einen umfassenden Wohngebäudeschutz bieten.

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