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StartseiteCampus & KarriereWohnungsretter für ausländische Studierende10.04.2012

Wohnungsretter für ausländische Studierende

"Plud & Study" in Köln vermietet WG-Zimmer

Ausländische Studierende haben oft Schwierigkeiten eine Bleibe zu finden. Damit sich das ändert, haben zwei Kölner Studenten eine Firma ins Leben gerufen, mit der ausländische Studierende ohne Sprach- und Bürokratieprobleme an WG-Zimmer in Köln kommen.

Von Arne Lichtenberg

Ein Zimmer in einer deutschen Großstadt zu bekommen, ist für ausländische Studierende sehr schwer. (Deutschlandradio - Daniela Kurz)
Ein Zimmer in einer deutschen Großstadt zu bekommen, ist für ausländische Studierende sehr schwer. (Deutschlandradio - Daniela Kurz)

Max Scharpenack:
"Ich würde halt einfach sagen, dass wir das große Zimmer in zwei Zimmer unterteilen. Weil wir von der rechten Seite noch genug Licht bekommen. Das heißt, wir können ohne Probleme aus den 30 Quadratmetern zweimal 15 machen."
Eva Velasco:
"Ja genau und mit dem Vermieter haben wir jetzt auch schon vereinbart, dass auf jeden Fall renoviert übergeben wird."

Lagebesprechung im Kölner Büro von Plug&Study der Wohnungsbörse für ausländische Studenten. Eva Velasco und Max Scharpenack machen sich gerade Gedanken, wie sie eine neue Wohnung am besten aufteilen können. An der Wand ist mit buntem Filzstift der Grundriss der Wohnung aufgezeichnet. Fünf Zimmer sind zu erkennen. In den jeweiligen Räumen ist die dazugehörige Quadratmeterzahl vermerkt. Darunter steht aufgeschlüsselt, wie hoch die Miete sein wird. Schon bald werden in diese Wohnung fünf neue Studenten einziehen können. Für sie wird die Wohnungssuche in Köln dann zum Glück ein Ende haben. Dank Max und Eva. Denn die beiden wissen, was man als Student im Ausland auf der Suche nach der richtigen Bleibe alles durchmachen muss. Max Scharpenack hat einschlägige Erfahrungen mit der Wohnungssuche in Shanghai gemacht.

"Ich habe anfangs knapp 18 Wohnungen aus Deutschland angeschrieben. Da hieß es dann aber: Bitte überweisen sie über Western Union 2500 Euro auf folgendes Konto, da gingen bei mir natürlich rechts oben immer direkt die Alarmglocken an. Und da die Eigentümer meistens gesetzteren Alters waren und dementsprechend kein Englisch gesprochen haben, hatte ich keine Möglichkeit mit denen vernünftig zu kommunizieren."

Während seines Auslandsaufenthalts in China lernte Max dann Eva Velasco kennen, die dort ein Praktikum absolvierte. Auch sie leidgeplagt durch ähnliche Erfahrungen in der chinesischen Metropole und einem Austauschsemester in Griechenland. Nach ihrer gemeinsamen Rückkehr nach Köln vor zwei Jahren stand daher auch schnell fest: Wir müssen ausländischen Studenten helfen. Die Idee: Die beiden schließen einen langfristigen Mietvertrag mit dem Eigentümer ab, bezahlen ihm Miete und Kaution und richten die Zimmer wohngerecht ein. Dann vermieten sie die Zimmer zur Untermiete an Gaststudenten als WG. Doch am Anfang war das leichter gesagt, als getan.

"Es sind wahnsinnig hohe Eintrittsbarrieren am Anfang und die sind auch immer noch da. Das hängt einfach damit zusammen, dass der Eigentümer - meist so Mitte 50 im Schnitt - der Sache erst einmal skeptisch gegenübersteht. Er merkt aber, ab dem Zeitpunkt, wenn er mit uns zusammenarbeitet, das Geld kommt jeden Monat, da passiert nichts, da gibt es keinen Ärger, dass er dann sagt: 'Ok, ich habe hier noch eine Einheit, wollen sie die nicht vielleicht auch noch mitnehmen.' "

Da Eigentümer an einem langfristigen Mietverhältnis interessiert sind, können Max und Eva mit ihrem Konzept genau das gewährleisten. Denn sie mieten die Wohnungen für vier bis fünf Jahre und kümmern sich um alles. In Großstädten, wo meist eine hohe Mieterfluktuation herrscht, ist dies ein großer Vorteil für die Vermieter. Und auch die internationalen Studenten sind natürlich froh, denn speziell reservierten Wohnraum gibt es für sie nicht, wie Eva Velasco berichtet.

"Es gibt im Endeffekt wirklich nur die Studentenwohnheime und da stehen auch schon die einheimischen Studenten, also die Kölner Studenten seit Monaten oder Jahren auf der Warteliste und ansonsten gibt es dann tatsächlich nichts. Dann müssen die Studenten gucken, dass sie zunächst einmal im Hostel unterkommen."

Der Service von Plug&Study ist aber nicht umsonst. Beim Abschluss eines Mietvertrags wird eine Bearbeitungsgebühr von 100 Euro fällig. Zudem berechnen die beiden Jungunternehmer auf die herkömmliche Miete einen Aufschlag von bis zu 35 Prozent. Dafür sind dann aber Strom- und Heizkosten inklusive, das Zimmer ist möbliert und Max und Eva stehen rund um die Uhr für Fragen jeglicher Art zur Verfügung. Während Max noch sein BWL-Studium abschließen muss, hat Eva ihr Studium schon beendet und kann ihre gesamte Zeit in das junge Unternehmen stecken. Die beiden sind stolz, dass Plug&Study sich schon von alleine finanziert.

Yigit Üstündag hat lange warten müssen. Der türkische Austauschstudent aus Istanbul hat sich mindestens 25 Zimmer in Köln angeschaut. Einen Zuschlag erhielt für keines. Zum Glück hatte er Verwandte in Mönchengladbach, bei denen er in den ersten Wochen unterkommen konnte, erst durch das Angebot von Plug&Study fand er dann doch noch ein WG-Zimmer in Uninähe.

"Ich hatte prinzipiell zwei Probleme. Ich war auf der Suche nach einem Zimmer zur Zwischenmiete. Das war schon mal mein größtes Problem, weil niemand mir ein Zimmer zur Zwischenmiete geben wollte und das letzte Problem: Ich bin ein Mann. Und jeder wünscht sich eine Frau als Mitbewohnerin. Vielleicht, weil sie glauben, dass Frauen sauberer sind."

Mittlerweile hat Plug&Study 37 Zimmer zur Verfügung. Gerne würde man noch mehr anbieten, aber auch sie stehen vor demselben Problem wie ihre Kunden: Geeigneter Wohnraum ist schwer zu finden.

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