Sonntag, 18.08.2019
 
Seit 04:05 Uhr Die neue Platte XL
StartseiteInformationen am Morgen"Ich hatte zu viel Macht und war zu gierig" 29.10.2014

"Wolf of Wall Street" "Ich hatte zu viel Macht und war zu gierig"

Jordan Belfort brachte in den 90er-Jahren mit illegalen Methoden Anleger um 200 Millionen US-Dollar. Berühmt wurde er durch den Film "Wolf of Wall Street". Nach seinem Absturz und 22 Monaten im Gefängnis ist Belfort wieder da. In Frankfurt hatte er eine Botschaft: "Ich kann Menschen helfen, sehr erfolgreich zu werden".

Von Benjamin Hammer

Die Straßenschilder mit der Aufschrift "Wall Street" und "Broadway" in New York (USA), aufgenommen am 08.03.2014. (picture alliance / dpa / Felix Hörhager)
Die Straßenschilder mit der Aufschrift "Wall Street" und "Broadway" in New York (USA) (picture alliance / dpa / Felix Hörhager)
Weiterführende Information

"The Wolf of Wall Street" - Grandiose Komödie und nervtötende Farce zugleich
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 16.01.2014)

Finanzbetrüger - "Welche Rolle spielen wir in diesem Finanzzirkus?"
(Deutschlandradio Kultur, Thema, 14.01.2014)

Festhalle Frankfurt, Dienstagabend. Über 2000 Zuschauer sind gekommen, um Jordan Belfort zu erleben.

" I think most people do speak English here. Who speaks English? Raise your hand! It is my first time ever speaking in Germany."

Auf der Bühne steht ein gut aussehender Mann um die 50. Feiner Anzug, keine Krawatte, weißes Hemd. Braune Haare, dicke, wahrscheinlich ziemlich teure Uhr. Bis vor einem Jahr kannten die meisten Menschen diesen Jordan Belfort noch gar nicht. Sie wussten nicht, dass er in den 90er-Jahren mit illegalen Methoden Anleger um 200 Millionen US-Dollar brachte. Dass in dem Büro seiner Firma Kokain, illegale Aufputschpillen und Prostituierte zum Alltag gehörten. Dass er für 22 Monate ins Gefängnis wanderte. Dann drehte Martin Scorcese einen Film über den Mann. "The Wolf of Wall Street". So nennt er sich auch selbst gerne.

O-Ton Film: "Mein Name ist Jordan Belfort. Ich komme aus der Mittelschicht. Aufgewachsen in einem winzigen Apartment in Bayside, Queens."

Gespielt wird Belfort von Leonardo DiCaprio.

O-Ton Film: "In dem Jahr, in dem ich 26 wurde, habe ich mit meiner eigenen Firma 49 Millionen Dollar verdient."

Martin Scorcese machte ihn berühmt

The Wolf of Wall Street wurde für fünf Oscars nominiert und spielte knapp 400 Millionen Dollar ein. Ein Grund für den Erfolg: Im Film geht es äußerst obszön zu. Sex, Drugs und jede Menge Geld.

Jordan Belfort wurde Anfang der 90er-Jahre zum Multimillionär. Er kaufte sich mehrere Anwesen, eine Yacht, teure Autos und einen Helikopter. Die Art und Weise, wie Belfort reich wurde, rief die Börsenaufsicht SEC auf den Plan. Und später auch das FBI.

O-Ton: Film: "War das alles legal? Aber nein! Absolut nicht. Doch wir machten damit so viel Geld, dass wir nicht wussten wohin damit."

Belforts Firma Stratton Oakmont hatte eine Masche. Und die ging so: Sein Unternehmen brachte andere Firmen an die Börse. Und räumte dabei Millionen ab. Stratton Oakmont sicherte sich dabei beim Börsenstart so viele Aktien, wie gerade noch erlaubt. Den Rest erledigten Strohmänner. Sie hielten die Anteile in Belforts Auftrag. Stratton Oakmont trieb den Kurs der Aktie künstlich so hoch wie möglich und verkaufte sie dann gewinnbringend an ahnungslose Privatanleger. Auf dem wirklich freien Markt stürzten die Kurse ab, die Anleger verloren Millionen. Jordan Belfort war das egal.

"Irgendwann ist das außer Kontrolle geraten und dann kam die Dunkelheit", sagt Belfort heute. "Das hatte auch was mit den Drogen zu tun. Da ist etwas schief gegangen, was eigentlich gut anfing. Ich habe einfach zu viel Macht bekommen, ich bin gierig geworden."

Leonardo DiCaprio steht neben einer US-Flagge auf einem Schiff und hält einen Drink hoch (dpa / picture alliance / Mary Cybulski - Universal)Szene aus dem Film "The Wolf of Wall Street" (dpa / picture alliance / Mary Cybulski - Universal)

Auf der Suche nach Tipps und Tricks

Ohne seine Vergangenheit stünde Belfort jedoch nicht auf einer Bühne vor 2000 Menschen. Da stellt sich eine Frage: Warum sind die Leute überhaupt gekommen? Machen sie das, weil sie die Geschichte vom reumütigen Anlagebetrüger interessiert?

Eine Sache fällt auf: Viele Besucher sind jung, männlich und laufen mit Anzug und Krawatte herum.

"Ich hoffe mir einiges technisch abschauen zu können. Vor allem beim Telefonieren und in der Aquise."

"Ich verspreche mir auch ein paar Tipps und Tricks."

"Das ist ein total verrückter Typ. Der in seinem Leben Dinge geschafft hat, was andere in zehn Leben nicht schaffen werden."

"Seine Vergangenheit hat auch viel mit unserem Job zu tun. Wir arbeiten in einem ähnlichen Business."

Ein junger Börsenhändler sagt dann noch diesen Satz: Wenn man sich mit der Finanzwirtschaft beschäftige, dann wisse man eben, dass nicht alles ganz sauber laufe. An diesem Abend, so scheint es, liegt viel Geld in der Luft. Und nicht allzu viel Moral.

Viele Besucher sind nicht älter als 20 Jahre. So alt ist die Filmversion von Jordan Belfort in einer der ersten Szenen des Films. Belfort wird von seinem ersten Chef in ein Restaurant eingeladen.

Aktienhändler: "Das Spiel ist einfach: Zieh Deinen Kunden das Geld aus der Brieftasche und lass es in Deiner verschwinden."

Belfort im Film: " Gut. Und wenn ich dann für den Kunden einen Profit erwirtschaften kann, sind beide Seiten glücklich. Richtig?"

Aktienhändler: "Nein!"

Es wäre unfair Belfort vorzuwerfen, dass er die Nachwuchshändler an diesem Abend ähnlich verführt, wie es einst mit ihm geschah. In seinem Seminar geht es um das Verkaufen. Er erklärt auf Papiertafeln, wie man Menschen am besten beeinflusst und überzeugt. Belfort betont: Man solle seine Tipps nur nach den höchsten ethischen Standards nutzen.

Einige reiben sich verwundert die Augen

Ethische Standards hätten sich hingegen auch die Menschen gewünscht, die auf Jordan Belfort in den 90er-Jahren reingefallen sind. Es gibt da draußen einige Menschen, die mich hassen, sagt Belfort heute. Er sagt aber auch: Ich bin wieder reich geworden. Und, dass er einen Mercedes fahre. Kann er nicht verstehen, dass sich einige verwundert die Augen reiben?

"Ich finde es absurd, wenn die Leute sagen: Da hat jemand einen Fehler gemacht und daher soll er für den Rest seines Lebens nichts mehr machen dürfen. Ich habe nun mal eine Fähigkeit. Ich kann Menschen helfen sehr erfolgreich zu werden. Diese Kritiker sind schrecklich engstirnig. Aber so denkt ja nur eine Minderheit, vielleicht fünf Prozent."

So wenige Kritiker? An diesem Abend wird Belforts Quote erreicht. Nach einer halben Stunde verlässt ein Unternehmensberater den Saal. Es gehe in dem Seminar zu sehr darum, wie man reich wird, sagt er. Er habe auf Details zu Belforts Lebenswandel gehofft. Der Rest im Saal bleibt sitzen und macht Notizen. Auf der Bühne sagt Belfort, dass er heute von Unternehmen 100.000 US-Dollar bekomme, wenn er sie berate. Pro Tag. Ein Raunen geht durch den Saal.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk