Dienstag, 21.08.2018
 
Seit 00:05 Uhr Fazit
StartseiteCampus & KarriereEthnische Diskriminierung bei der Jobsuche05.06.2018

WZB-StudieEthnische Diskriminierung bei der Jobsuche

Auch in der zweiten Generation werden Bewerber mit Migrationshintergrund von Arbeitgebern benachteiligt, so das Ergebnis einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. Dies gilt besonders bei afrikanischen und muslimischen Herkunftsländern. Ethnische Vorurteile können sich aber auch positiv auswirken.

Von Daniela Siebert

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Menschen stehen am Dienstag (01.02.2011) Schlange im "Integrationscenter für Arbeit Gelsenkirchen - das jobcenter" in Gelsenkirchen. (dpa / Julian Stratenschulte)
Warten auf Arbeit - auch bei gleicher Qualifikation haben Bewerber mit Migrationshintergrund oft weniger gute Chancen (dpa / Julian Stratenschulte)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Geflüchtete am Arbeitsmarkt Putzkraft statt Fachkraft

Arbeitsmarkt-Experte zu Bildungsbericht 2018: Zehn Prozent landen ungelernt auf dem Arbeitsmarkt

Digitaler Wandel auf dem Arbeitsmarkt "Ein Strukturwandel zugunsten der Frauen"

Migranten am Arbeitsmarkt Kindheitstraum erfüllt - Iranerin wird Busfahrerin in Lübeck

Wessen Eltern aus Albanien, Marokko oder Äthiopien stammen, der hat bei deutschen Arbeitgebern besonders schlechte Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch oder Probearbeiten eingeladen zu werden, so die Migrationsforscher des WZB, dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

"Während 60  Prozent aller Bewerber ohne Migrationshintergrund eine positive Rückmeldung erhielten, war dies nur bei 51 Prozent der Bewerber mit Migrationshintergrund der Fall. Insgesamt zeigt sich also bei diesem Ergebnis schon mal eine Übereinstimmung mit früheren Studien, dass Arbeitgeber in Deutschland Bewerber ohne Migrationshintergrund bevorzugen und zwar trotz gleicher Qualifikation", sagt Ruta Yemane.

Es ging bei der Studie ausschließlich um Migranten der zweiten Generation, die hier geboren und deutsche Staatsbürger sind. Durch realistische Bewerbungen von fiktiven Personen auf echte Stellenanzeigen kamen die drei WZB-Wissenschaftler Ruud Koopmans, Susanne Veit und Ruta Yemane zu ihrer Analyse.

Gezielt ausgewählte Länder im Test

Insgesamt hatten sie zwischen 2014 und 2016 rund 6.000 Bewerbungen losgeschickt. Auf Stellenausschreibungen bei der Bundesarbeitsagentur. Die Auswahl war auf acht Berufsfelder begrenzt, etwa Koch/Köchin, Industriekaufmann oder -frau oder Mechatroniker. Im Test 34 Herkunftsländer der Eltern. Ein Viertel davon waren Deutsche, ein Viertel Türken. Die anderen 50 Prozent erklärt Susanne Veit.

"Die Länder, die wir dabei getestet haben, haben wir ausgesucht mit Blick auf die Stärke der Migrantengruppe in Deutschland, wir haben versucht, Länder zu repräsentieren, in denen unterschiedliche Religionen in der Bevölkerung vorherrschen, wir haben versucht, Länder mit starker phänotypischer Heterogenität in unserem Sample zu haben und wir haben versucht, Länder von jedem Kontinent der Erde zu berücksichtigen."

Spezifische Bewerbergruppe benachteiligt

Die Herkunftsländer Afghanistan und Syrien kamen im Test nicht vor. Dafür aber etwa Bulgarien, Indien oder Südkorea.

Generell haben es dunkelhäutige und muslimische Bewerber schwerer als andere stellte die Studie fest. Ruud Koopmans:

"Wir sehen hier, dass es eine extreme Variation gibt zwischen verschiedenen Gruppen von Bewerbern mit Migrationshintergrund, dass es deutliche Diskriminierung gibt gegenüber Bewerbern aus afrikanischen Ländern und aus muslimischen Ländern."

So landeten im Vergleich der Herkunftsländer beispielsweise diese Staaten weit hinten: Marokko, Äthiopien, Pakistan, Nigeria und Irak.

In den Bewerbungen waren Fotos der Bewerber enthalten, die eine regionale Zuordnung erlaubten. Auch eine Religionszugehörigkeit wurde oft angedeutet, etwa durch Angaben über die Mitgliedschaft in konfessionellen Vereinen. Die Arbeitgeber assoziierten dann oft, dass die Bewerber nicht zu ihnen passen würden erklärt Koopmanns.

"Das kann auf verschiedene Arten und Weisen in die Köpfe der Arbeitgeber kommen: Das kann über Medienberichterstattung kommen, das kann über tatsächliche Erfahrung mit Menschen aus diesen Gruppen herkommen, es kommt auch durch Generalisierung. Man kann auch gereist haben in solchen Ländern und dadurch etwas davon wissen, was wichtig ist: Wenn diese Annahmen über die kulturelle Distanz von bestimmten Gruppen keine Realitätsbasis hätten, dann hätten wir auch nicht gefunden, dass sie einen Einfluss auf das Einladungsverhalten haben."

Frauen schnitten insgesamt besser ab

Ob anonymisierte Bewerbungen das Problem lösen hat die Studie nicht untersucht.

Aber auch das fand sie heraus: Deutsche Arbeitgeber diskriminieren Ethnien auch im positiven Sinne. Denn manche Herkunftsländer wirkten sich sogar noch vorteilhafter aus als rein deutsche Wurzeln. Spitzenreiter bei den Einladungen wurden Personen mit Eltern aus Spanien, Japan, Polen und der Schweiz. Ruud Koopmans wundert das nicht, dort gebe es ein ähnliches Selbstverständnis wie bei uns.

"Ja sie sind kulturell sehr nah! Die Länder, die Deutschland am nächsten sind, sind: die Schweiz an erster Stelle, die Niederlande an zweiter Stelle, Frankreich an dritter Stelle. Und auch Polen und Spanien, Griechenland, Großbritannien sind den deutschen Werten relativ nach und die ostasiatischen Länder haben auch Werte, die den europäischen Werten relativ ähnlich sind."

Insgesamt schnitten in der WZB-Studie Frauen mit ihren Bewerbungen besser ab als Männer. Ob Referenzschreiben von Arbeitgebern mit eingereicht wurden, spielte laut Studie dagegen keine entscheidende Rolle.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk