Sonntag, 20.10.2019
 
Seit 16:30 Uhr Forschung aktuell
StartseiteUmwelt und VerbraucherSan Francisco will müllfrei werden20.03.2018

Zero-Waste-PolitikSan Francisco will müllfrei werden

San Francisco möchte zur ersten müllfreien Großstadt werden. Bis 2020 soll zum Beispiel die Restmülltonne abgeschafft werden. Doch die nordkalifornischen Metropole greift noch zu anderen ungewöhnlichen Mitteln. Eines davon: auf Müllverbrennung wird verzichtet.

Von Marcus Schuler

Skyline von San Francisco, Kalifornien  (imago / imagebroker)
Mit kleineren Restmülltonnen will San Francisco ihre Bürger dazu bringen, nachhaltiger einzukaufen (imago / imagebroker)
Mehr zum Thema

Trump und der Klimawandel "Ohne aktive Beteiligung der USA ist das Klima leider nicht zu retten"

Justizfall Klima In den USA häufen sich Prozesse zu Folgen des Klimawandels

Mülltrennung und Recycling Abfall als Rohstoff nutzen

Wir sind in einer riesigen Halle - sie ist 19.000 Quadratmeter groß und vielleicht 30 Meter hoch. Zur einen Seite sieht man durch die Hallen-Tore auf die Bucht von San Francisco hinaus. Mehr als 600 Tonnen Recycling-Müll werden hier täglich angeliefert. 

"Hier ist das erste Sortierband. Es ist zwischen 25 und 30 Meter lang. Hier allein gibt es 14 Sortierpositionen. Damit ist es das längste Band hier in Nordamerika. Wir können hier experimentieren und bestimmte Materialien gezielt auswählen."

Robert Reed ist Pressesprecher von Recology. Das ist das Recycling-Unternehmen von San Francisco und mehrerer angrenzender Gemeinden. Vor uns liegt eine Anlage mit Förderbändern und Maschinen, die den Müll scannen, rütteln oder mit Druckluft aussortieren. Sie ist eine der modernsten und größten in den USA. 30 bis 40 Personen stehen an Bändern und sortieren nochmals von Hand nach. 

Diese Maschine zerkleinert zum Beispiel die Glasabfälle. Daneben werden Flaschen und Kartonagen voneinander getrennt. Robert Reed:

"Das Material hüpft auf diesen kleinen Rädern. Kurzzeitig wird die Schwerkraft ausgehebelt. Das leichte Papier fliegt nach oben, Flaschen und Dosen fallen runter."

San Francisco will bis in zwei Jahren die Restmüll-Tonne verbannen. Zero-Waste, Null-Abfall heißt das Ziel. An die 90 Prozent des Mülls von San Francisco wird recycelt. Die restlichen zehn Prozent gehen auf die Mülldeponie. Umgerechnet 35 Euro bezahlt ein Haushalt im Monat für die Abfallentsorgung. Auf Verbrennungsanlagen verzichtet man. Ganz bewusst. Ein Grund:

"Recycling schafft zehnmal mehr Arbeitsplätze als eine Deponie oder eine Müllverbrennungsanlage. Das ist ein wichtiger Punkt."

Ein Unternehmen mit Vorbildcharakter

Das Abfallunternehmen Recology ist eine Art Kooperative. Die Mitarbeiter verdienen überdurchschnittlich gut; jeder der hier anfängt, wird automatisch zum Teilhaber des Unternehmens. Zwischen 25 und 30 Euro verdient man pro Stunde am Fließband.

Drei Mülltonnen gibt es in der Stadt: Blau für Recycling, also Glas, Plastik, Papier, Kartonagen, Grün für Kompost und schwarz für Restmüll. Seit September tauscht Recology alle schwarzen und blauen Tonnen in San Francisco aus.

"Die Haushalte bekommen gerade doppelt so große Recycling-Tonnen, dafür haben wir die Größe der Restmüll-Tonne halbiert."

Ergebnis: deutlich weniger Restmüll und eine um 10 bis 15 Prozent gestiegene Recyclingquote. Das Müllunternehmen setzt vor allem auf Öffentlichkeitsarbeit: Die wichtigsten Adressaten sind Schüler - von der Grundschule bis zur High School. Sie sind die grünen Botschafter in die Haushalte.

"Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Eltern ihren Kindern zuhören, wenn die ihnen etwas beibringen, wenn man etwas gemeinsam macht."

Zum Beispiel wie man Lebensmittelabfälle richtig kompostiert.

Verantwortung wird auf die Gesellschaft abgewälzt

Hauptproblem für unsere Müllberge seien die Hersteller von Konsumgütern - Getränke-Firmen und ihre Plastikflaschen. Unsere Großeltern sind früher mit leeren Gläsern und Glasflaschen in die Lebensmittelgeschäfte gegangen und haben sich dort die Produkte abgefüllt, sagt Reed. Mittlerweile erlauben das auch einige große Supermarktketten in San Francisco.

"Unsere Großeltern lebten einfacher und mehr in Harmonie. Jetzt ist alles voller Werbeanzeigen und Konsum. Die Verantwortung für einen Teil dieser Verpackungen und Produkte wird auf die Gesellschaft abgewälzt."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk